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3. Brühler Tagung junger Asienexperten, Mai 2001
China - Identitätskrise auf dem Weg in die Moderne
von Marc-André Matten, Universität Bonn

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Einleitung
Aspekt der Identität unter methodischen Gesichtspunkten

- Allgemeine Betrachtung des Begriffes Nation
- Problem des Nationalismus
- Fazit
Bibliographie


Einleitung

Nach einer langen Zeit der Isolation will die Volksrepublik China nun endlich als eine gleichberechtigte Nation in die Weltgemeinschaft aufgenommen werden. Bis zum Anfang des 20. Jahrhundert sah China sich noch als das eine Reich unter dem Himmel (tianxia) und negierte die Parallelexistenz anderer Staaten und Nationen. Diese Ansicht ist heute zwar schon hinfällig, aber China hat seinen richtigen Platz in der Welt noch nicht gefunden. Dies liegt einerseits an der langen Zeit des Isolationismus bis 1978, andererseits besteht China aber auch noch auf der Wiedergutmachung historischen Unrechts als Voraussetzung für ein heutiges tolerantes Miteinander. Eng verbunden mit dieser Problematik ist die Frage nach der nationalen Identität Chinas sowie die des aufkommenden Nationalismus, die im Folgenden nun näher betrachtet werden sollen.

Aspekt der Identität unter methodischen Gesichtspunkten

Die Frage nach der nationalen Identität - obwohl im größeren Kontext gestellt - knüpft an eine sehr grundlegende Frage eines jeden Individuum an, nämlich: Wer bin ich? (bzw.: Zu wem gehöre ich?). Die Methoden zur Beantwortung dieser Identitätsfrage changieren dabei zwischen zwei entgegengesetzten Polen.

Der eine ist zum erstenmal systematisch von EDWARD SAID aufgegriffen worden. Mit seinem Buch zum "Orientalismus" hat er dargelegt, inwieweit sich Staaten und Länder durch eine Abgrenzung vom Anderen identifizieren. Das, was der andere ist, bin ich nicht bzw. umgekehrt: was ich bin, das ist nicht der andere. Die Verwendung von Begriffen wie Ost und West, Orient und Okzident, Abendland und Morgenland etc. zeigt dabei deutlich eine fein sauber vorgenommene, aber deutliche ontologische Trennung von zwei (scheinbaren) Entitäten. Gleichzeitig wird dabei im Allgemeinen davon ausgegangen, das jeweils andere zu kennen. Hieraus wird häufig das Recht abgeleitet, über das andere Land bzw. die andere Kultur verfügen und bestimmen zu können, denn schließlich kenne man es und wisse, was gut für es sei, denn schließlich hält der Mensch im allgemeinen das Eigene instinktiv für das Bessere und Überlegenere.

Der andere Pol soll anhand eines Titels eines Buches von WOLFGANG KUBIN kurz dargestellt werden: Mein Bild in deinem Auge [Exotismus und Moderne: Deutschland - China im 20. Jahrhundert]. Gemeint ist, dass ich den anderen - der andere ist immer der Gegenüber - als eine Art Spiegel sehe, in dem ich mich eher sehe als den anderen. D.h., ich sehe den anderen als einen (gesunden) Kontrast meiner selbst und gewinne daraus für mich (und allein für mich) mögliche Identitätsmerkmale.

Diese beiden Elemente sollten im Folgenden bei der weiteren Betrachtung von Nation und Nationalismus im Auge behalten werden.

Alternativ könnte man hier auch den Jahreswechsel 1971/72 mit der Aufnahme der VR China in die UNO sowie in den Sicherheitsrat als Ständiges Mitglied anführen.

 

 

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