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    THEMEN > Politik und Gesellschaft > Religion und Glauben >
3. Brühler Tagung junger Asienexperten, Mai 2001

"Geheimgesellschaften" in der VR China: Spirituell-religiöse Bewegungen seit 1978 - Entstehung, Entwicklung und Interaktion mit dem Staat
von Kristin Kupfer, Zentrum für Ostasien-Pazifik-Studien, Universität Trier

- Einleitung
1. Historische Dimensionen von Geheimgesellschaften
2. Chanchu Huidaomen - Ausrottung von Geheimgesellschaften als Überbleibsel der "alten, feudalistischen Gesellschaft"
3. Religiöse Aktivitäten und administrative Gestaltung nach 1978
4. Spirituell-religiöse, christlich inspirierte Bewegungen der 90er-Jahre
5. Weiterführende Aspekte
- Literatur
- Fußnoten

5. Weiterführende Aspekte

  1. Die Religionspolitik der Regierung erweist sich als anachronistisch und verdeutlicht die Ausmaße ihres strukturellen Dilemmas: Unterdrückt sie solche Gruppierungen, riskiert sie eine weitere Entfremdung der Bevölkerung. Eine tolerante Politik birgt jedoch das Erwachsen von autonomen und die Position der Regierung in Frage stellenden Gruppen in sich. Zwei Dimensionen stehen hinter einer repressiven Regierungspolitik: Einerseits wirkt ein historisches Trauma (verstärktes Auftreten von Geheimgesellschaften am Ende einer Regierungsperiode) und eine "Besessenheit" in Bezug auf ausländische Infiltration und "Spaltung" des Landes. Auf der anderen Seite steht die reale Sorge vor wachsenden sozialen Problemen und Defiziten.
  2. Spirituell-religiöse Bewegungen sind nur eine Ausprägung des vielschichtigen Nährbodens von traditionellen Geheimgesellschaften. Dieser reicht von politisch motivierten Bruderschaften, religiösen Gemeinschaften, sozio-ökonomischen Netzwerken bis hin zu Bandenkriminalität. Berichte über kriminelle Vereinigungen, offiziell als "Schwarze Gesellschaft" (heishehui) bezeichnet, beherrschen seit Monaten die Zeitungsmeldungen und wurden auch auf der jüngsten nationalen Sicherheitskonferenz im Zuge der "Schlagt das Schwarze und rottet das Böse aus" (da hei chu e) von der Regierung heftig attackiert.25 . Mitgetragen und geschützt von Kadern und Staatsbeamten, sind sie längst Teil eines Systems der nahezu "unbegrenzten Möglichkeiten". Den Charakter eines sozialen Netzwerkes von Geheimgesellschaften greifen Migrantenvereinigungen und -gemeinden in großen Städten wieder auf. Das Beijinger Netzwerk "Kleine Vögel" (xiaoniaoniao), gegründet von drei jungen Wanderarbeitern aus Anhui, beschäftigt mittlerweile rund 100 Mitarbeiter, berät und unterstützt Neuankömmlinge26 . Im Zuge des bis dato mangelnden Sozialsystems, der steigenden Zahl von Arbeitslosen und Wanderarbeitern könnten beträchtliche, außerhalb der Staats- und Parteistrukturen organisierte Interessengruppen entstehen. Die Regierung unterstützt diese zaghaft, weil sie zunehmend auf soziales Engagement, beispielsweise im Bereich Umwelt oder Gesundheitspflege der Bürger angewiesen ist.
  3. In China gilt Volksreligiosität und Tradition im allgemeinen, auch wenn man sie in Bezug auf Artefakte und Folkloristik (Tänze, Lieder etc.) insbesondere der nationalen Minoritäten als touristisches und nationales Aushängeschild betrachtet, als rückständig und fortschrittshemmend, den Bauern zugeordnet. Gleichzeitig verbindet man mit ländlichen Gemeinschaftssinn und Ehrlichkeit die Erinnerung an eine verlorene, aber auch die Hoffnung auf eine wiederzugewinnende chinesische Authentizität.

 

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