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    THEMEN > Politik und Gesellschaft > Religion und Glauben >
3. Brühler Tagung junger Asienexperten, Mai 2001

"Geheimgesellschaften" in der VR China: Spirituell-religiöse Bewegungen seit 1978 - Entstehung, Entwicklung und Interaktion mit dem Staat
von Kristin Kupfer, Zentrum für Ostasien-Pazifik-Studien, Universität Trier

- Einleitung
1. Historische Dimensionen von Geheimgesellschaften
2. Chanchu Huidaomen - Ausrottung von Geheimgesellschaften als Überbleibsel der "alten, feudalistischen Gesellschaft"
3. Religiöse Aktivitäten und administrative Gestaltung nach 1978
4. Spirituell-religiöse, christlich inspirierte Bewegungen der 90er-Jahre
5. Weiterführende Aspekte
- Literatur
- Fußnoten

2. Chanchu Huidaomen - Ausrottung von Geheimgesellschaften als Überbleibsel der "alten, feudalistischen Gesellschaft"

Aufgrund ihrer hohen Flexibilität und der innenpolitischen Wirren gelang es vielen traditionellen Geheimgesellschaften, sich als soziale, bandenähnliche Vereinigungen, kriminelle Netzwerke und spirituelles Refugium in wechselnden Allianzen mit GMD, Japan und der KPCh in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft einzunisten. Im Oktober 1949 existierten mehr als 300 verschiedene Geheimgesellschaften, die Zahl der Anführer betrug rund 820.000 mit mehr als 13 Millionen Anhängern (Shao 1997: 452) 9 .

Die kommunistische Regierung führte im Zuge der innenpolitischen Kampagnen der 50er-Jahre einen erbitterten landesweiten Kampf zur "Ausrottung" der "Gesellschaften, Wege und Schulen". Zwei Gründe ließen die geheimen Gruppen aus Sicht der Kommunistischen Partei zu einer Bedrohung werden 10 : Erstens galten Geheimgesellschaften aufgrund ihrer mutmaßlichen Verflechtungen mit der GMD und, besonders nach dem Koreakrieg, mit den imperialistischen, amerikanischen Kräften als politische Bedrohung und als "Konterrevolutionäre". Zweitens kontrollierten Geheimgesellschaften in großen (Hafen-)Städten nahezu die gesamte Transportindustrie, einem wirtschaftlichen Schlüsselsektor. Die KPCh sah tief in der Tradition und der Bevölkerung verwurzelte, sprituell-mysthische Bewegungen wie Yiguandao, Jiugongdao oder Xiantiandao als mögliche Unruhestifter, die Unzufriedenheit und Unsicherheit nutzen könnten, um das neue Regime zu diskreditieren und Aufstände anzuzetteln (Chesneaux 1971: 15).

Ende der 50er-Jahre konnte die kommunistische Partei die wirtschaftliche und soziale Basis der Geheimgesellschaften zerschlagen. Organisatorische und ideologische Prinzipien sollten jedoch als Teil des erwähnten Nährbodens weiterexistieren.

 

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