Sechstes Kapitel:
Die Aussprache
Das Chinesische hat zwar Zeichen in Hülle und Fülle, aber nur einen ziemlich kleinen Vorrat von 372 Silben, mit denen diese Zeichen ausgesprochen werden. Zu jedem chinesischen Zeichen gehört im Regelfall eine bestimmte Silbe, beispielsweise tang, fu oder long. Damit man sich die Aussprache notieren kann, gibt es in der Volksrepublik China eine offizielle Umschrift, die unsere Buchstaben benutzt, das sogenannte "Pinyin". Pinyin kennt eigentlich schon jeder Europäer von chinesischen Namen. Wenn wir den Namen der Stadt Shanghai schreiben, dann benutzen wir dafür die Pinyin-Umschrift, nämlich die beiden Silben shang und hai. Das gleiche gilt bei Mao Zedong: die einzelnen Silben in Pinyin-Umschrift sind mao, ze und dong.
Nun gibt es allerdings ein Problem: bei mehreren Zehntausend Zeichen und nur 375 Silben für deren Aussprache kommt es natürlich dazu, dass eine große Zahl verschiedener Zeichen alle die gleiche Aussprache haben. So finden sich schon in einem mittelmäßig umfangreichen Wörterbuch 60 Zeichen für die Silbe shi. Das ist auch der Grund, warum eine Initiative der Kommunisten unter Mao, alle Zeichen aufzugeben und durch die Umschrift "Pinyin" zu ersetzen, als undurchführbar aufgegeben werden musste. Besonders zum Erlernen der chinesischen Sprache ist die Umschrift aber sehr praktisch und wird deshalb auch in China an allen Schulen gelehrt.

Wir haben neben alle Zeichen im Buch auch die Pinyin-Umschrift angegeben. Wer den Ehrgeiz hat, die chinesischen Zeichen ganz korrekt auszusprechen, steht jetzt noch vor einer letzten Hürde: den vier verschiedenen Tönen – noch so eine Besonderheit des Chinesischen, die wohl dafür verantwortlich ist, dass chinesisch hierzulande manchmal abfällig als "Singsang" bezeichnet wird. So gut wie jede Silbe kann in einem von vier Tönen ausgesprochen werden: der 1. Ton ist ein gleichbleibend hoher, so als würde man im Deutschen "pling" sagen, um das Geräusch aneinanderstoßender Gläser nachzuahmen. Der 2. Ton steigt von unten nach oben an so wie ein zweifelndes "wie?". Der 3. Ton beginnt in mittlerer Stimmlage, geht dann etwas "in den Keller" und steigt schließlich an. Der 4. Ton schließlich ist ein abfallender wie ein entschlossenes "nein!".
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