Noch in den achziger Jahren des 20. Jahrhunderts war das Alte Observatorium am östlichen Ende der Chang’an-Straße (Dong Chang’an Dajie) so etwas wie ein Landmark. Auf einer etwa 10 Meter hohen Steinplattform sind schon von außen diverse große astronomische Geräte zu sehen. Heute wirkt es inmitten des modernen Geschäftsviertels mit seinen Glaspalästen und der gewaltigen Straßenkreuzung etwas verloren.
Über Jahrhunderte bildete das Observatorium das Zentrum der chinesischen Astronomie. Erstmalig wurde an dieser Stelle auf Anordnung Kublai Khans in den Jahren 1437-46 eine Sternwarte errichtet. Die ursprüngliche Zielsetzung bestand darin, den damaligen Kalender zu präzisieren.
Anfang des 17. Jahrhunderts – genauer 1601 – gelangten Jesuiten unter der Führung von Matteo Ricci nach Peking. Sie verblüfften den chinesischen Kaiser und seine Gelehrten durch einige exakt eintretende astronomische Voraussagen wie z.B. zu Sonnenfinsternissen. Unter ihnen war damals auch der deutsche Jesuit Adam Schall von Bell. Der belgische Missionar Verbiest wurde beauftragt, ein Observatorium zu entwerfen. Die Jesuiten leiteten dieses in der Folge bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.
Unter den ausgestellten Geräten befinden sich u.a. eine Himmelskugel, eine Armillarspähre, Quadranten und Sextanten. Diese astronomischen Instrumente waren nach der Niederschlagung des Boxeraufstandes im Jahr 1900 vom deutschen General Graf Waldersee konfisziert – man kann auch sagen: geraubt – und nach Berlin gebracht worden. Nach der Niederlage im 1. Weltkrieg wurden die Instrumente 1919 wieder nach Peking zurückgebracht.
Hinweis:
U-Bahn-Station Jianguomen, das Oberservatorium liegt an der südwestlichen Ecke der großen Kreuzung an der Jianguomen Nan Dajie.