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| Länderprofil: China - Politik & Gesellschaft |
Stand: 07.05.2003 |
| Staat und Politik |
| Staatsform und politisches System |
Sozialistische Volksrepublik; autoritärer Ein-Partei-Staat unter
Führung der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) |
| Verfassung |
Verfassung von 1982, wurde zuletzt 1999 geändert |
| Staatsorgane und Regierungsstruktur |
Legislative: Nationaler Volkskongreß (NVK)
Mitglieder werden von den VKs der Provinzen für 5 Jahre direkt gewählt;
2.895 Sitze; Vorsitzender: WU Banguo; der NVK ist in weiten Teilen de facto
ein "Zustimmungsparlament"
Exekutive: Der Staatspräsident wird vom NVK für 5 Jahre gewählt,
nominiert den Ministerpräsidenten (Bestätigung durch NVK)
die Funktion des Kabinetts wird vom Staatsrat übernommen
Judikative: Oberstes Volksgericht, Mitglieder werden vom NVK ernannt
De-facto-Macht in China hat jedoch trotz der dargestellten Strukturen
die Kommunistische Partei Chinas inne => siehe "Politische Parteien"
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| Rechtssystem |
Traditionell regeln Chinesen Konflikte persönlich, daher lange
Zeit kein etabliertes Rechtssystem
seit Ende der 70er Jahre Aufbau von Gesellschaftsrecht, Zivilrecht seit
1987; auch heute noch wird versucht, Gerichtsverfahren zu vermeiden => häufiger:
Schiedsstellen |
| Regierungschef |
WEN Jiabao, Ministerpräsident seit März 2003
Quelle: Institut für Asienkunde |
| Staatsoberhaupt |
HU Jintao, Präsident seit März 2003
Quelle: Institut für Asienkunde |
| Politische Parteien |
Kommunistische Partei Chinas (KPCh), gegründet 1921,
ca. 60 Mio. Mitglieder
Generalsekretär: HU Jintao, seit November 2002
Wichtigste Organe:
Ständiger Ausschuß des Politbüros (nach offizieller Rangfolge): HU Jintao,
WU Bangguo, WEN Jiabao, JIA Qinglin, ZENG Qinghong, HUANG Ju, WU Guanzheng,
LI Changchun, LUO Gan
ZK-Sekretariat (nach offizieller Rangfolge): ZENG Qinghong, LIU Yunshan,
ZHOU Yongkang, HE Guoqiang, WANG Gang, XU Caihou, HE Yong
Offiziell existieren weitere neun "demokratische Parteien", die aber
bedeutungslos sind
Quelle: Institut für Asienkunde |
| Regionale Verwaltungsstruktur |
Provinzen: 22 (offiziell 23, da die VR China Taiwan als
eigene Provinz ansieht) => Anhui, Fujian, Gansu, Guangdong, Guizhou, Hainan,
Hebei, Heilongjiang, Hubei, Hunan, Jiangsu, Jiangxi, Jilin, Liaoning, Ningxia,
Qinghai, Shaanxi, Shandong, Shanxi, Sichuan, Yunnan, Zhejiang
Autonome Regionen: 5 => Guangxi, Innere Mongolei, Ningxia, Tibet,
Xinjiang
Regierungsunmittelbare Städte: 4 => Beijing (Peking), Chongqing,
Shanghai, Tianjin
Sonderverwaltungsregionen: 2 => Hong Kong, Macao
Quelle: Institut für Asienkunde |
| Polititical Rights und Civil Liberties, Index nach Freedomhouse
(von 1=free bis 7=not free) |
Political rights: 7
Civil liberties: 6
Not free (01/02)
Quelle: Freedomhouse |
| Menschenrechtssituation |
Die chinesische Regierung erkennt internationale Menschenrechsstandards
an, betont aber bei der Umsetzung eine Orientierung an den Bedingungen des
Einzelstaates. Für China werden vor allem die Priorität von Existenzsicherung
und Entwicklung genannt.
Von internationalen Menschenrechtsorganisationen werden China regelmäßig
Verstöße gegen Menschenrechte vorgeworfen, vor allem im Hinblick auf:
- Verfolgung von Dissidenten
- Unterdrückung von Ethnien sowie religiöser und spiritueller Gemeinschaften
(z.B. Tibeter, Uiguren, Falungong)
- Todesstrafe: Mehr als 2400 Hinrichtungen und über 4000 Todesurteile
in 2001 (zum Vergleich: über 1000 Exekutionen in 1999)
- Folter
- Nichteinhaltung rechtsstaatlicher Prozesse
2001 kam es zu verstärkten Menschenrechtsverletzungen und einer drastischen
Zunahme von Todesurteilen und Hinrichtungen im Rahmen der landesweiten Anti-Kriminalitätskampagne
"Hartes Durchgreifen", sowie auf Grundlage der Ratifizierung des
"2. Abkommens über Terrorismus und Seperatismus".
Quelle: amnesty international, US State Department
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| Wahlsystem |
Direkte Wahlen nur auf Dorf- oder maximal Gemeindeebene, indirekte
Wahlen zu Volkskongressen auf den nächsten Ebenen bis zum Nationalen Volkskongreß
(NVK) |
| Mitgliedschaft in internationalen Organisationen |
AfDB, APEC, AsDB, BIS, CCC, CDB (nichtregional), ESCAP, FAO,
G-77, IAEA, IBRD, ICAO, ICC, ICFTU, ICRM, IDA, IFAD, IFC, IFRCS, IHO, ILO,
IMF, IMO, Inmarsat, Intelsat, Interpol, IOC, ISO, ITU, LAIA (Beobachter),
MINURSO, NAM (Beobachter), OPCW, PCA, UN, UN Sicherheitsrat, UNAMSIL, UNCTAD,
UNESCO, UNHCR, UNIDO, UNIKOM, UNITAR, UNTSO, UNU, UPU, WHO, WIPO, WMO, WToO,
WTrO (Bewerber), ZC
Quelle: chinapolitik.de/Uni Trier |
Meinungs- und Pressefreiheit, Index zur Pressefreiheit nach
Freedomhouse
(Werte von 0=free bis 100=not free) |
Nicht frei, Medien sind staatlich kontrolliert und unterliegen
der Zensur, die Möglichkeiten für News-Berichterstattung im Internet wurden
11/2000 deutlich eingeschränkt
Freedomhouse: 80 (not free)
Offizielles Organ der KPCh ist die Tageszeitung "Renmin Ribao"
Quelle: Freedomhouse |
| Militär |
Streitkräfte: Peoples Liberation Army (PLA )/ Volksbefreiungsarmee,
Bewaffnete Volkspolizei und Volksmiliz unter einheitlicher Leitung und
dem Kommando der Zentralen Militärkommision
Die Volksbefreiungsarmee spielt schon aufgrund ihrer historischen Bedeutung
für die VR eine wichtige Rolle, die Vernetzung mit der KPCh und damit
den politischen und wirtschaftlichen Entscheidern war sehr eng (z.B. über
die Zentrale Militärkommission), hat sich jedoch in den letzten Jahren
etwas gelockert. Die zu Hunderten existierenden breit diversifizierten
Tochterunternehmen der PLA sollen aus dieser herausgelöst werden.
Quelle: Weißbuch "Chinas Landesverteidigung 2002"
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| Militärausgaben |
Offizieller Wert: 14,9 Mrd. US$ (2000), dies entspricht ca.
1,5% des BIP; die Brookings-Institution schätzt die tatsächlichen Ausgaben
um 15% höher (17,1 Mrd. USS$), andere Quellen sogar auf über 30 Mrd. US$
(Jane's Defence Weekly)
Sollstärke der Armee: 2,5 Mio. Soldaten
Quelle: Weißbuch "Chinas Landesverteidigung 2000", Brookings
Institution |
| Gesellschaft |
| Arbeitslosigkeit |
3,9 % (2001), offizielle Zahl registrierter Arbeitsloser in Städten
(urban areas)
Dazu kommt jedoch eine große Anzahl de facto Arbeitsloser (xiagang
oder laid-off-workers), die in staatlichen Unternehmen noch
als Beschäftigte registriert sind und einen Grundlohn erhalten. Nach
Angaben des Arbeitsministers Zhang ergibt sich insgesamt eine Arbeitslosenquote
von 7%.
Bezieht man arbeitslose Wanderarbeiter und nicht erfaßte Arbeitslosigkeit
vor allem in den ländlichen Gebieten ein, dürfte die Arbeitslosenquote
jedoch noch deutlich höher liegen
Quelle: China aktuell 12/02
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| Lebenserwartung |
70,5 Jahre (2000)
Quelle: China Statistical Yearbook 2002 |
| Armut |
Offiziell leben in China 42 Mio. Menschen unterhalb der Armutsgrenze,
1978 waren es noch 250 Mio.. Nach dem Bewertungskriterium der Vereinten
Nationen (<1$/Tag) sind es ca. 150 Mio. Die UN haben anerkannt, dass China
in den letzten 20 Jahren den weltweit größten Beitrag zur Reduzierung
von Armut eines einzelnen Landes geleistet hat.
Quelle: UNDP |
| Human Development Index (UNDP) |
0,726 (2000) im Landesdurchschnitt
Die Werte reichen von 0,391 für Tibet bis 0,885 für Shanghai
Quelle: UNDP Human Development Report 2002 |
Kindersterblichkeit
(je 1000 Lebendgeborene) |
32 (2000)
In einigen abgelegeneren ländlichen Gebieten überleben jedoch weniger als
900 von 1000 Kindern das 5. Lebensjahr
Quelle: Weltbank, UNDP Human Development Report 2002 |
| Ärzte je 1000 Bewohner |
1,69 (2001)
Quelle: China Statistical Yearbook 2002
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| Krankheiten |
AIDS: China steht vor der akuten Gefahr einer großflächigen
AIDS-Ausbruchs. Lange Jahre hindurch wurde das AIDS-Problem von Chinas
Regierung ignoriert bzw. kleingeredet. Nach UN-Schätzungen gab es
zur Jahrtausendwende bereits mehr als 1 Mio. HIV-Infizierte in China,
deren Zahl bis zum Jahr 2005 auf ca. 5 Mio. ansteigen könnte. Mittlerweile
hat die chinesische Regierung sich der AIDS-Problematik angenommen, von
einer offenen Kommunikation, breiter Aufklärung und konsequenten
Maßnahmen ist man aber noch weit entfernt.
SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome): Ausbruch der Krankheit
im November 2002 in der Provinz Guangdong, Verbreitung nach Hong Kong,
in asiatische Nachbarländer und auch nach Amerika und Europa. Mehrere
tausend Krankheitsfälle und mehr als 200 Tote bis Anfang Mai 2003.
Zu diesem Zeitpunkt ist die Epidemie noch nicht unter Kontrolle.
Quelle: UNDP, WHO
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| Umweltsituation |
Die Umweltsituation in China ist kritisch, insbesondere in Folge
der Bevölkerungszunahme und der wirtschaftlichen Entwicklung
Hauptprobleme sind:
- Bodenerosion, Wüstenbildung
- Grundwasserverschmutzung
- Wassermangel bei gleichzeitiger
Wasserverschwendung
- Hohe Luftverschmutzung in Städten
Quelle: UNDP |
| Problemfelder |
| Innenpolitisch |
Ansehensverlust der KPCh: Die Relevanz der KPCh sinkt
mit steigenden wirtschaftlichen Freiheiten, gleichzeitig mindern Korruption
und Willkür von Kadern das Ansehen der KPCh. Mangelhafte Reaktion auf Krisen
wie im Fall der SARS-Epidemie verstärkt den Ansehensverlust.
Problem der Wanderarbeiter (sog. "floating population") > 100 Mio.
erzeugt soziale Spannungen
Soziale und ethnische Unruhen als Ursache von Arbeitslosigkeit, Verarmung
oder Repression. Besonders kritisch ist die Situation in der autonomen Provinz
Xinjiang. |
| Außenpolitisch |
Taiwan-Frage
Nordkorea-Frage China wünscht sich eine Fortschreibung des
Status Quo
Grenzstreitigkeiten mit Russland, Indien
Streit um Spratly-Inseln
Sicherheitspolitik: China lehnt US-Verteidigungsgürtel für Asien
ab, umgekehrt fürchten viele asiatische Länder eine (aggressive) Vormachtstellung
Chinas in der Region
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