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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Mao und Stalin
Verriet Stalin 1945 die kommunistische Revolution in China? - Anja Jakob
IV. Die chinesische Revolution und die Großmächte:
Wer unterstützt wen?
C. Die Chinapolitik der USA und Großbritannien
"The United States, as another Foreign Sevice officer noted at the
time, was the communists greatest hope and greatest fear.
If they received American aid, in proportion to that already being given
to Chiang Kei-shek, they would soon control most of China and perhaps avoid
civil war."37
Die Chinapolitik der USA und Großbritannien soll im folgenden
kurz umrissen werden, da sie nicht den ideologischen Einfluß auf die Entwicklung
Chinas ausübten, wie es Stalin und die Komintern taten. Vielmehr entstand
aus der China-, oder besser, Kolonialpolitik der Westmächte, und hier besonders
Großbritanniens, der Ausgangspunkt für die nach ´49 eintretende Abschottung
Chinas dem Westen gegenüber.
1. Hintergründe
Mit dem sogenannte Opiumkrieg (1840-1842) gegen die Engländer
wurde China gezwungen, sich der Welt zu öffnen. Damit setzte eine Entwicklung
ein, der die Chinesen bei allen Ansätzen zur Modernisierung und Gegenwehr
nicht gewachsen waren. Weltbild, Staats- und Wirtschaftsordnung der Chinesen
wurde zutiefst erschüttert. Innerhalb weniger Jahre sank das "Reich
der Mitte" auf den Status einer Halbkolonie hinab.
Die Schwäche Chinas fördernd und ausbeutend, sicherten
sich Großbritannien und in seinem Gefolge die übrigen Großmächte
eine Fülle von Privilegien. Allmählich entwickelte sich so aus der
Serie der sogenannten "ungleichen Verträge", also aller Verträge,
die auf Kosten Chinas gingen, das komplizierte Netzwerk ausländischer Konzessionen
und Sonderrechte. Stützpunkte wurden auf Dauer erworben oder gepachtet,
die "Vertragshäfen" für den Handel geöffnet.
Nationale und internationale Niederlassungen unter ausländischer
Verwaltung, Jurisdiktion und militärischem Schutz entstanden. Überhaupt
waren die Ausländer, selbst die Missionare, nicht der chinesischen Gerichtsbarkeit
unterworfen, sondern genossen exterritorialen Status und unterstanden der Konsulargerichtsbarkeit.
Die amerikanischen Kontakte zu China begannen ebenfalls durch
den Handel. Die allgemeine Einstellung war aber zugleich durch idealistische
Motive und exotische Vorstellungen geprägt. Obwohl Amerika eine Politik
verfolgte, die zu der britischen weitgehend parallel verlief, hielten die Amerikaner
Distanz und ließen sich dabei von anitkolonialistischen, d.h. antibritischen
Ressentiments leiten.
Als auch Japan und Deutschland in China Kolonien erwerben wollten
und deshalb Ende des 19. Jahrhunderts ein Wettlauf um weitere Konzessionen und
Stützpunkte begann, der mit der Aufteilung Chinas zu enden drohte, setzten
Großbritannien und die USA 1899 das Prinzip der "Offenen Tür"
international durch: Wirtschaftliche Chancengleichheit für alle Nationen,
die Bewahrung der territorialen und administrativen Integrität Chinas,
um so die Wandlung Chinas in ein zweites Afrika zu verhindern.38
Das System der ausländischen Sonderrechte geriet aber bald
unter dem Ansturm der chinesischen nationalrevolutionären Bewegung unter
Sun Yat-sen ins Wanken. Während sich die Briten, die hinter den Vorgängen
vor allem sowjetische Machenschaften vermuteten, anfangs widersetzten, wurde
ihnen doch zunehmend bewußt, daß das Zeitalter der "Kanonenbootpolitik"
zu Ende war. Gleichzeitig auch im ganzen übrigen Empire Revisionsforderungen
ausgesetzt, befand man sich in einer trostlosen Lage und fügte sich schließlich
dem Unvermeidlichen. Die USA und Japan folgten nach einigem Schwanken.39
2. Die westliche Chinapolitik zwischen
1930 und 1949
In bezug auf Großbritannien suchte immer wieder Chiang Kai-Shek
die Kooperation: Chiang bot die fünfte und sechste Armee zur Unterstützung
in Burma an und ebenso wurde Großbritannien Unterstützung in der
Hong Kong-Frage zugesagt. Die Briten lehnten jedoch die Unterstützung Chiangs
ab, da er insbesondere in der Indienfrage das Mißtrauen der Briten hervorgerufen
hatte. Bei einem Besuch Chiangs in Indien hatte er Großbritannien aufgefordert,
Indien ohne Verzögerung seine wirkliche Macht zurückzugeben.40
Chiang sprach diese Forderungen aus als Folge tief verwurzelter
Probleme zwischen Großbritannien und China, wie etwa der Frage um die
burmesische Grenze, Hong Kong und die britische Vorherrschaft bezüglich
des Seehandels in China.
Nichtsdestotrotz strebte Chiang eine Rückgabe der britisch-chinesischen
Gebiete an und hoffte daher auf das Ende des Krieges in Europa und auf den Einfluß
der Vereinigten Staaten. Zunächst waren die Interessen Großbritanniens
und Chinas jedoch konträr.
Die britische Fernostpolitik war vor allem von drei Faktoren bestimmt:
der europäischen Lage, der Haltung Amerikas und dem Stand der eigenen Rüstung.
Es war Großbritanniens Dilemma, wegen dieser Faktoren, die seine Schwäche
begründeten, die eigene Position im Fernen Osten nicht ausreichend schützen
zu können, während man sie gleichzeitig der umfangreichen Wirtschaftsinteressen
wegen aus Prestigeerwägungen nicht aufgeben wollte.
Diese Zweifrontenlage bestimmte nicht nur die Fernost-, sondern
auch die Europapolitik. Jedes Zurückweichen, jeder Prestigeverlust in einem
Teil der Welt, mußte die Aggressoren in anderen Teilen zu neuen Aktionen
ermutigen. Andererseits hätte auch eine Verwicklung in bewaffnete Auseinandersetzungen
Großbritanniens Kräfte gebunden und die an anderer Stelle nur auf
eine Gelegenheit wartenden Extremisten gestärkt. Großbritannien als
die führende Macht des Völkerbundes mußte feststellen, daß
die Zurückhaltung im Mandschurei-Konflikt Italien darin bestärkte,
das Abenteuer in Abessinien zu riskieren.
Seit Ende 1937 standen die Briten unter dauerndem gleichzeitigen
Druck in Europa und im Fernen Osten. Wiederholt versuchte Großbritannien
der Zweifrontensituation dadurch zu entkommen, daß man die Front der Gegner
durch ein Arrangement mit einer Seite aufbrach.
Eine Appeasementpolitik im Fernen Osten war mit Rücksicht
auf die USA nicht möglich. Der Versuch von 1934 wurde deshalb abgebrochen
und später auch nicht wiederholt.
Hinsichtlich der Vereinigten Staaten erkannte Chiang, daß
eine amerikanische Beteiligung im Krieg den Triumph Chinas und damit seinen
eigenen bedeuten könnte. Die USA könnten nicht nur als Katalysator
für die Auflösung ungerechter Verträge dienen, sondern auch Geld
für den Widerstand und den Wiederaufbau zur Verfügung stellen. 1942
hatte Chiang die Vereinigten Staaten und Großbritannien überzeugt,
ihre ungleichen Verträge mit China zurückzunehmen. Chiang argumentierte
damit, daß dieser Akt die chinesische Bevölkerung im Widerstand gegen
Japan stärken würde.
Obwohl es Chiang 1943 auf der Konferenz in Kairo gelang, mit den
USA und Großbritannien ein Abkommen zu unterzeichnen, daß alle von
den Japanern okkupierten Gebiete einschließlich der Mandschurei und Formosa
an China zurückgegeben werden sollten, warf das bereits erwähnte Geheimabkommen
in Jalta zwischen Großbritannien, den USA und Rußland bezüglich
der Äußeren Mongolei und der Mandschurei Chiang in seinen Bemühungen
um die Wiederherstellung des chinesischen Reiches zurück. Die USA entschieden
sich in dieser Frage recht leicht gegen Chiang und China, sicherte ihnen doch
die Konzessionen bezüglich der Mongolei und Mandschurei die Kooperation
Stalins im System der kollektiven Sicherheit und die gemeinsame Allianz gegen
Japan.
Vor allem aber nach dem Angriff Japans auf Pearl Harbour im Dezember
1941 hielten die USA eine chinesisch-amerikanische Allianz nur für logisch.
Die Vereinigten Staaten waren in der Lage, enormes Kriegsgerät und wirtschaftliche
Hilfe anzubieten, die Chinesen konnten menschliche Ressourcen in ungeahnter
Größe bereitstellen.41
Nach der unerwartet frühen Kapitulation Japans 1945, entschloß
sich die amerikanische Regierung zu einem letzten, energischen Versuch, innenpolitische
Stabilität zwischen KMT und KPCh zu erreichen, und schickte zu diesem Zweck
den als Generalstabschef sehr verdienten General Marshall mit besonderen Vollmachten
nach China. Nach anfänglichen Erfolgen scheiterten schließlich alle
Bemühungen Marshalls an dem unüberwindlichen Mißtrauen und Widerwillen
zwischen Kommunisten und KMT und an der zu keiner Verständigung bereiten
Haltung der radikalen Elemente auf beiden Seiten. In Kreisen der KMT glaubte
man, die Kommunisten in weniger als Jahresfrist niederwerfen zu können.
Marshall hatte Chiang vor einer solchen Überschätzung gewarnt und
ihm zu verstehen gegeben, daß er mit militärischen Maßnahmen
nicht der Kommunisten Herr werden könne. Doch die Warnung blieb unberücksichtigt.
Auch zunehmende amerikanische Hilfe konnte die KMT nicht mehr halten. Das amerikanische
Kriegsmaterial fiel zum großen Teil durch Verrat in die Hände der
Kommunisten und kam diesen, statt der KMT, im Kampfe zugute.
Im Januar 1947 schließlich verließen Marshall und
mit ihm die letzten amerikanischen Truppen China.
Auch für die USA, wie für Rußland, stelle China
nur die Ressourcen für ihre primär-politischen Ziele bereit. Ob Chiang
Kai-Shek sich der Ausbeutung seines Landes für alliierte Interessen bewußt
war, sei hier dahingestellt. Auffallend ist die Offenheit, mit der die USA,
Großbritannien und die UdSSR sich auf Kosten Chinas bereicherten und ihre
machtpolitischen Interessen innerhalb des Systems der kollektiven Sicherheit
durchsetzten. Diese drei Mächte waren die ersten "Global Player"
auf dem politischen Sektor und China war ihr Spielball.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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