LOGO CHINAFOKUS
   Berlin: 09:29   Peking: 16:29 Impressum | Kontakt | Sitemap 
Stichwortsuche
LOS
THEMENFOKUS
Galerie
BRANCHENFOKUS
REISEN
BÜCHERFOKUS
CHINAGRUSS

Olympia-Special Beijing 2008

Wetter in Beijing


Letzte Zuflucht Schanghai

    THEMEN > Geschichte >
Projektgruppe Model United Nations, München 2000 The world belongs to all

Mao und Stalin
Verriet Stalin 1945 die kommunistische Revolution in China? - Anja Jakob

  I     II     III     IV     V     VI     Inhaltsverzeichnis des Artikels

IV. Die chinesische Revolution und die Großmächte: Wer unterstützt wen?

C. Die Chinapolitik der USA und Großbritannien

"The United States, as another Foreign Sevice officer noted at the time, was the communists greatest hope and greatest fear.

If they received American aid, in proportion to that already being given to Chiang Kei-shek, they would soon control most of China and perhaps avoid civil war."37

Die Chinapolitik der USA und Großbritannien soll im folgenden kurz umrissen werden, da sie nicht den ideologischen Einfluß auf die Entwicklung Chinas ausübten, wie es Stalin und die Komintern taten. Vielmehr entstand aus der China-, oder besser, Kolonialpolitik der Westmächte, und hier besonders Großbritanniens, der Ausgangspunkt für die nach ´49 eintretende Abschottung Chinas dem Westen gegenüber.

1. Hintergründe

Mit dem sogenannte Opiumkrieg (1840-1842) gegen die Engländer wurde China gezwungen, sich der Welt zu öffnen. Damit setzte eine Entwicklung ein, der die Chinesen bei allen Ansätzen zur Modernisierung und Gegenwehr nicht gewachsen waren. Weltbild, Staats- und Wirtschaftsordnung der Chinesen wurde zutiefst erschüttert. Innerhalb weniger Jahre sank das "Reich der Mitte" auf den Status einer Halbkolonie hinab.

Die Schwäche Chinas fördernd und ausbeutend, sicherten sich Großbritannien und in seinem Gefolge die übrigen Großmächte eine Fülle von Privilegien. Allmählich entwickelte sich so aus der Serie der sogenannten "ungleichen Verträge", also aller Verträge, die auf Kosten Chinas gingen, das komplizierte Netzwerk ausländischer Konzessionen und Sonderrechte. Stützpunkte wurden auf Dauer erworben oder gepachtet, die "Vertragshäfen" für den Handel geöffnet.

Nationale und internationale Niederlassungen unter ausländischer Verwaltung, Jurisdiktion und militärischem Schutz entstanden. Überhaupt waren die Ausländer, selbst die Missionare, nicht der chinesischen Gerichtsbarkeit unterworfen, sondern genossen exterritorialen Status und unterstanden der Konsulargerichtsbarkeit.

Die amerikanischen Kontakte zu China begannen ebenfalls durch den Handel. Die allgemeine Einstellung war aber zugleich durch idealistische Motive und exotische Vorstellungen geprägt. Obwohl Amerika eine Politik verfolgte, die zu der britischen weitgehend parallel verlief, hielten die Amerikaner Distanz und ließen sich dabei von anitkolonialistischen, d.h. antibritischen Ressentiments leiten.

Als auch Japan und Deutschland in China Kolonien erwerben wollten und deshalb Ende des 19. Jahrhunderts ein Wettlauf um weitere Konzessionen und Stützpunkte begann, der mit der Aufteilung Chinas zu enden drohte, setzten Großbritannien und die USA 1899 das Prinzip der "Offenen Tür" international durch: Wirtschaftliche Chancengleichheit für alle Nationen, die Bewahrung der territorialen und administrativen Integrität Chinas, um so die Wandlung Chinas in ein zweites Afrika zu verhindern.38

Das System der ausländischen Sonderrechte geriet aber bald unter dem Ansturm der chinesischen nationalrevolutionären Bewegung unter Sun Yat-sen ins Wanken. Während sich die Briten, die hinter den Vorgängen vor allem sowjetische Machenschaften vermuteten, anfangs widersetzten, wurde ihnen doch zunehmend bewußt, daß das Zeitalter der "Kanonenbootpolitik" zu Ende war. Gleichzeitig auch im ganzen übrigen Empire Revisionsforderungen ausgesetzt, befand man sich in einer trostlosen Lage und fügte sich schließlich dem Unvermeidlichen. Die USA und Japan folgten nach einigem Schwanken.39

2. Die westliche Chinapolitik zwischen 1930 und 1949

In bezug auf Großbritannien suchte immer wieder Chiang Kai-Shek die Kooperation: Chiang bot die fünfte und sechste Armee zur Unterstützung in Burma an und ebenso wurde Großbritannien Unterstützung in der Hong Kong-Frage zugesagt. Die Briten lehnten jedoch die Unterstützung Chiangs ab, da er insbesondere in der Indienfrage das Mißtrauen der Briten hervorgerufen hatte. Bei einem Besuch Chiangs in Indien hatte er Großbritannien aufgefordert, Indien ohne Verzögerung seine wirkliche Macht zurückzugeben.40

Chiang sprach diese Forderungen aus als Folge tief verwurzelter Probleme zwischen Großbritannien und China, wie etwa der Frage um die burmesische Grenze, Hong Kong und die britische Vorherrschaft bezüglich des Seehandels in China.

Nichtsdestotrotz strebte Chiang eine Rückgabe der britisch-chinesischen Gebiete an und hoffte daher auf das Ende des Krieges in Europa und auf den Einfluß der Vereinigten Staaten. Zunächst waren die Interessen Großbritanniens und Chinas jedoch konträr.

Die britische Fernostpolitik war vor allem von drei Faktoren bestimmt: der europäischen Lage, der Haltung Amerikas und dem Stand der eigenen Rüstung. Es war Großbritanniens Dilemma, wegen dieser Faktoren, die seine Schwäche begründeten, die eigene Position im Fernen Osten nicht ausreichend schützen zu können, während man sie gleichzeitig der umfangreichen Wirtschaftsinteressen wegen aus Prestigeerwägungen nicht aufgeben wollte.

Diese Zweifrontenlage bestimmte nicht nur die Fernost-, sondern auch die Europapolitik. Jedes Zurückweichen, jeder Prestigeverlust in einem Teil der Welt, mußte die Aggressoren in anderen Teilen zu neuen Aktionen ermutigen. Andererseits hätte auch eine Verwicklung in bewaffnete Auseinandersetzungen Großbritanniens Kräfte gebunden und die an anderer Stelle nur auf eine Gelegenheit wartenden Extremisten gestärkt. Großbritannien als die führende Macht des Völkerbundes mußte feststellen, daß die Zurückhaltung im Mandschurei-Konflikt Italien darin bestärkte, das Abenteuer in Abessinien zu riskieren.

Seit Ende 1937 standen die Briten unter dauerndem gleichzeitigen Druck in Europa und im Fernen Osten. Wiederholt versuchte Großbritannien der Zweifrontensituation dadurch zu entkommen, daß man die Front der Gegner durch ein Arrangement mit einer Seite aufbrach.

Eine Appeasementpolitik im Fernen Osten war mit Rücksicht auf die USA nicht möglich. Der Versuch von 1934 wurde deshalb abgebrochen und später auch nicht wiederholt.

Hinsichtlich der Vereinigten Staaten erkannte Chiang, daß eine amerikanische Beteiligung im Krieg den Triumph Chinas und damit seinen eigenen bedeuten könnte. Die USA könnten nicht nur als Katalysator für die Auflösung ungerechter Verträge dienen, sondern auch Geld für den Widerstand und den Wiederaufbau zur Verfügung stellen. 1942 hatte Chiang die Vereinigten Staaten und Großbritannien überzeugt, ihre ungleichen Verträge mit China zurückzunehmen. Chiang argumentierte damit, daß dieser Akt die chinesische Bevölkerung im Widerstand gegen Japan stärken würde.

Obwohl es Chiang 1943 auf der Konferenz in Kairo gelang, mit den USA und Großbritannien ein Abkommen zu unterzeichnen, daß alle von den Japanern okkupierten Gebiete einschließlich der Mandschurei und Formosa an China zurückgegeben werden sollten, warf das bereits erwähnte Geheimabkommen in Jalta zwischen Großbritannien, den USA und Rußland bezüglich der Äußeren Mongolei und der Mandschurei Chiang in seinen Bemühungen um die Wiederherstellung des chinesischen Reiches zurück. Die USA entschieden sich in dieser Frage recht leicht gegen Chiang und China, sicherte ihnen doch die Konzessionen bezüglich der Mongolei und Mandschurei die Kooperation Stalins im System der kollektiven Sicherheit und die gemeinsame Allianz gegen Japan.

Vor allem aber nach dem Angriff Japans auf Pearl Harbour im Dezember 1941 hielten die USA eine chinesisch-amerikanische Allianz nur für logisch. Die Vereinigten Staaten waren in der Lage, enormes Kriegsgerät und wirtschaftliche Hilfe anzubieten, die Chinesen konnten menschliche Ressourcen in ungeahnter Größe bereitstellen.41

Nach der unerwartet frühen Kapitulation Japans 1945, entschloß sich die amerikanische Regierung zu einem letzten, energischen Versuch, innenpolitische Stabilität zwischen KMT und KPCh zu erreichen, und schickte zu diesem Zweck den als Generalstabschef sehr verdienten General Marshall mit besonderen Vollmachten nach China. Nach anfänglichen Erfolgen scheiterten schließlich alle Bemühungen Marshalls an dem unüberwindlichen Mißtrauen und Widerwillen zwischen Kommunisten und KMT und an der zu keiner Verständigung bereiten Haltung der radikalen Elemente auf beiden Seiten. In Kreisen der KMT glaubte man, die Kommunisten in weniger als Jahresfrist niederwerfen zu können. Marshall hatte Chiang vor einer solchen Überschätzung gewarnt und ihm zu verstehen gegeben, daß er mit militärischen Maßnahmen nicht der Kommunisten Herr werden könne. Doch die Warnung blieb unberücksichtigt. Auch zunehmende amerikanische Hilfe konnte die KMT nicht mehr halten. Das amerikanische Kriegsmaterial fiel zum großen Teil durch Verrat in die Hände der Kommunisten und kam diesen, statt der KMT, im Kampfe zugute.

Im Januar 1947 schließlich verließen Marshall und mit ihm die letzten amerikanischen Truppen China.

Auch für die USA, wie für Rußland, stelle China nur die Ressourcen für ihre primär-politischen Ziele bereit. Ob Chiang Kai-Shek sich der Ausbeutung seines Landes für alliierte Interessen bewußt war, sei hier dahingestellt. Auffallend ist die Offenheit, mit der die USA, Großbritannien und die UdSSR sich auf Kosten Chinas bereicherten und ihre machtpolitischen Interessen innerhalb des Systems der kollektiven Sicherheit durchsetzten. Diese drei Mächte waren die ersten "Global Player" auf dem politischen Sektor und China war ihr Spielball.

 
Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

Oben
CHINAFOKUS ist ein Service der INSIDE A Communications AG
© 2000-2009 / INSIDE A         Impressum, Nutzungsbedingungen
Zum Artikel
Zusammen-
fassung

Inhaltsverzeichnis
Projektgruppe NMUN

Zum Thema
Artikel/Beiträge Die sino-russischen Beziehungen
Internet-Links
History of Modern China
Bücher Bücher
Lescot, Patrick
Das rote Reich
Eine chinesisch-russische Familiengeschichte