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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Mao und Stalin
Verriet Stalin 1945 die kommunistische Revolution in China? - Anja Jakob
III. Die chinesische Revolution (1930-1949): Mao oder Chiang
Kai-Shek?
D. Die Entwicklung der Parteien nach dem langen Marsch
1. Der Zerfall der KMT nach 1937
Der später folgende Chinesisch-Japanische Krieg 1937-1945
bewirkte nicht nur die Unterbrechung der entwicklungspolitischen Erfolge der
KMT-Regierung, sondern führte darüber hinaus China in eine schwerwiegende
wirtschaftliche und soziale Krise, der sich die KMT nicht gewachsen zeigte.15
Der Krieg im Herrschaftsbereich der Nationalregierung hatte die bedeutsamsten
Grundlagen für eine erfolgreiche Aufbaupolitik erheblich in Mitleidenschaft
gezogen.
Die von Mao Tse-tung geführte kommunistische Bewegung, die
das national-sozialrevolutionäre Potential der chinesischen Bauern zutreffend
erkannt hatte und zu mobilisieren verstand, konnte dagegen den Krieg zu einer
umfassenden Konsolidierung und Verstärkung ihrer Position ausnutzen.
In den letzten beiden Kriegsjahren konzentrierten sich die Kommunisten
auf den Aufbau einer günstigen Ausgangsposition für die nach Kriegsende
erwartete Auseinandersetzung mit der KMT. So wurde die KPCh durch den Krieg
stärker, während bei der KMT jener Verfallsprozeß begann, der
nach dem Kriege zum Zusammenbruch ihrer Herrschaft in China führte. Die
chinesischen Nationalisten hatten nicht nur einschneidende Kaderverluste erlitten,
sondern es breitete sich unter dem Eindruck der Inflation auch seit 1941 im
Verwaltungsapparat der Nationalregierung Korruption aus. Wachsende administrative
Unfähigkeit, eine galoppierende Inflation, schwerwiegende Fehler in der
Planung der Feldzüge gegen die Kommunisten und Fraktionsrivalitäten
innerhalb der KMT trugen dazu bei, daß die Partei seit 1948 nicht mehr
in der Lage war, dem kommunistischen Angriff wirksam Widerstand entgegenzusetzen.
Im Laufe des Sommers 1948 hatte sich die Position der Kommunisten
in Nord- und Nordost-China ständig verstärkt. Am 1. November kapitulierte
die nationalistische Besatzung von Shen-yang, im Dezember wurden die Regierungstruppen
in der Doppelschlacht von Hsü-chou – Huai-hai in Nord-Kiangsu vernichtend
geschlagen. Am 31. Januar 1949 zogen die Kommunisten in Peking ein, nachdem
Chiang das Amt des Präsidenten der Republik China vorübergehend an
den General Li Tsung-jen übergeben hatte. Waffenstillstandsverhandlungen,
die Li führte, blieben ergebnislos, und im April 1949 begann die letzte
große Offensive der Kommunisten, die in acht Monaten ganz Südchina
unter kommunistische Herrschaft brachte.
Li floh in die USA, während die meisten Mitglieder der Nationalregierung,
mehr als 500 000 Soldaten und etwa 1,6 Millionen Zivilisten dem Parteiführer
der KMT, Chiang Kai-Shek, in das seit dem Herbst 1948 vorbereitete Refugium
der Insel Taiwan folgten.
Damit war der Versuch gescheitert, Chinas Modernisierung in Übereinstimmung
mit den entwicklungspolitischen Prinzipien der KMT durchzuführen.16
2. Der Aufstieg der KPCh nach 1937
Nach dem Langen Marsch errichtete Mao mit seinen Anhängern
eine neue Machtbasis in Nord-Shensi, die später der Ausgangspunkt für
die Eroberung ganz Chinas werden sollte. Zunächst hatte die KPCh hier Ruhe,
sich zu konsolidieren und zu reorganisieren.
Zwar wurde im Jahre 1937 der Beschluß zur Bildung einer
Einheitsfront, die im Gegensatz zu früheren Anläufen nun auch Chiang
Kai-Shek einschließen sollten, noch wesentlich von Moskau inspiriert,
aber die neuen Grundthesen Maos über die Eigenart der chinesischen Revolution
führten zu einer immer deutlicheren Betonung der Eigenständigkeit
Chinas. Stalin wurde wohl als Führer des sozialistischen Lagers uneingeschränkt
anerkannt, die Moskau-Schüler in der chinesischen Parteiführung sahen
sich jedoch mehr und mehr zurückgedrängt und als "Dogmatiker"
verunglimpft.
Eine wesentliche Bedingung für die nun eher nationalen Tendenzen
war die japanische Aggression gegen China. Seit der Eroberung der Mandschurei
(1931) erhob sich eine zunehmend japanfeindliche Stimmung im Land. Unter dem
Druck der öffentlichen Meinung sahen sich Chiang Kai-Shek und Mao daher
gezwungen, sich auf eine Einheitsfront gegen Japan einzulassen. Dennoch waren
sich die alten Gegner und neuen Verbündeten, Chiang und Mao, von Anfang
an bewußt, daß eine endgültige Auseinandersetzung unvermeidlich
sein werde. So formierten sich während der verhältnismäßig
ruhigen Frontlage 1939-1944 die Kräfte zum Endkampf, während der Weltkrieg
außerhalb Chinas entschieden wurde.17
Durch den Aufbau eines weitverzweigten Parteiapparates kontrollierte
die KPCh ein immer größer werdendes Gebiet in Nord- und Mittelchina
mit zuletzt (1945) 95 Millionen Menschen und bildete es allmählich um zu
einem sozial und ökonomisch reformierten neuen China, das sich vorteilhaft
abhob von einem durch Krieg und Wirtschaftskrisen geschwächten, enttäuschten
und mutlosen China unter der Führung der KMT. Es stellte damit eine echte
Alternative zum sog. "freien", d.h. von Japanern nicht besetzten Nationalchina
dar. Außer der militärisch günstigeren Ausgangsposition, von
der inneren Linie her gegen überdehnte äußere Linien der Nationalarmee
operieren zu können, war es dieser allgemeine Entwicklungsstand, der den
Kommunisten Vorteil und Sieg im Bürgerkrieg der Jahre 1946-1949 bescherte.
Die Volksbefreiungsarmee, wie die Rote Armee nach dem 2. Weltkrieg genannt wurde,
siegte in einem dreijährigen Ringen an allen Fronten über die Nationalarmee
und eroberte China unter Einschluß der Außengebiete – außer
der Mongolischen Volksrepublik18
– für die neue Herrschaft der KPCh, die Gründung der Volksrepublik
China wurde am 1. Oktober 1949 feierlich verkündet.
In den folgenden Jahren fungierte die Partei als die Triebkraft
der chinesischen Gesellschaft, und es gelang ihr, mit Hilfe von propagandistisch
und organisatorisch intensiv vorbereiteten Massenkampagnen die Weichen für
ein neues China zu stellen; den Anfang markierte hierbei die "Bodenreform"-Bewegung
von 1947-1952, wodurch die traditionelle Oberschicht auf dem Lande, die Gentry
vernichtet wurde.19
Obwohl die chinesischen Kommunisten ihre Existenz weitgehend den
russischen Bolschewiki zu verdanken hatten, mußten sie aber – anders als
diese – nahezu drei Jahrzehnte für den Sieg ihrer Revolution kämpfen.
Sie stützten sich dabei, ganz im Gegensatz zu ihrer Mutterpartei, in erster
Linie auf die Unterstützung durch die Bauern und eroberten die Städte
von den Dörfern her. Worin allerdings die wesentliche Divergenz zwischen
Maos Führungsstil und Chiangs Regierungsansatz lag, soll im folgenden kurz
erörtert werden.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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