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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Mao und Stalin
Verriet Stalin 1945 die kommunistische Revolution in China? - Anja Jakob
III. Die chinesische Revolution (1930-1949): Mao oder Chiang
Kai-Shek?
C. Entwicklung der KPCh und KMT bis zum Bürgerkrieg 1937
1. Entwicklung der KMT nach dem Bruch
Der Sieg über die regionalen Militärmachthaber bedeutete
aber noch nicht die Ausdehnung der Herrschaft der KMT über das ganze Land.13
In harten Auseinandersetzungen mußte die KMT ihren Kontrollbereich schrittweise
weiter ausdehnen. Wechselnde Koalitionen des oppositionellen linken Flügels
um Wang Ching-wei und der äußersten Rechten mit Militärmachthabern
im Norden und Südwesten zwangen die Nankinger Regierung in den Jahren 1929
und 1930 zu sechs Bürgerkriegen, in denen es der KMT gelang, fünf
weitere Provinzen in Zentral- und Südchina unter ihre Kontrolle zu bringen.
Dennoch blieb die Stellung Chiangs und der Zentrale unsicher.
Als sich 1931 unter der Führung Wang Ching-weis eine Gegenregierung
bildete und ein neuer verheerender Bürgerkrieg drohte, veränderte
der Einfall japanischer Truppen am 18. September 1931 in die Mandschurei die
Lage grundsätzlich. Unter dem Eindruck der ausländischen Aggression
fanden sich Nanking (Chiang) und Canton (Wang) zu einem Kompromiß bereit;
desweiteren erklärte Chiang am 15. Dezember seinen Rücktritt als Vorsitzender
der Nationalregierung und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Damit war
der Weg für eine Koalitionsregierung aller Fraktionen der Partei frei geworden.
Bereits im Frühjahr 1937 kontrollierte die Zentralregierung ein Viertel
der Fläche Chinas, das Kerngebiet, in dem zwei Drittel der Bevölkerung
lebten: Damit hatten sich zum ersten Mal jene Voraussetzungen entwickelt, die
nötig waren, um ein entwicklungspolitisches Programm der KMT zu verwirklichen,
nämlich die Kontrolle Nankings über die wichtigen Provinzen und die
Beendigung der Bürgerkriege konkurrierender Generalsgruppen.
Die kommunistische Partisanenbewegung um Mao Tse-tung und seine
Generale hatte die KMT allerdings nicht vollständig besiegen können.
2. Entwicklung der KPCh nach dem Bruch
Mit drei fehlgeschlagenen Aufständen gegen die neue Entwicklung
endete die erste Phase der Entwicklung der KPCh. Die zweite begann mit der Bildung
von Bauernsowjets im Hinterland südchinesischer Provinzen. In einer Kombination
von agrarrevolutionären und militärischen Aktionen verstanden es die
Kommunisten, im Laufe der Jahre 1928-1934 in mehreren Provinzen eigene Herrschaftsgebiete
zu entwickeln, die sie, immer noch nach russischem Vorbild, Sowjets (Su-wei-ai)
nannten. Die neue revolutionäre Taktik schloß sich aber herkömmlichen
Aufstandsformen an.
Seit dem Zusammenschluß von Mao Tse-tungs Bauernsowjet mit
kommunistisch geführten Truppen entwickelte sich in dem Gebiet von Süd-Kiangsi
und West-Fukien des bedeutendste Sowjetgebiet mit einer meist bäuerlichen
und kleinstädtischen Bevölkerung.
Alle Versuche Li Li-sans, des damals führenden Funktionärs
in der Parteiführung, mit Hilfe der Bauernarmeen doch noch die Städte
zu erobern und damit die Revolution im Sinn des russischen Oktoberaufstandes
voranzutreiben, waren gescheitert.
Im Herbst 1932 siedelte das bis dahin immer noch im Shanghaier
Untergrund arbeitende ZK nach Kiangsi über. Zum erstenmal kam jene enge
Einheit von Partei, Armee und Verwaltung zustande, die später für
die Entwicklung der VR China kennzeichnend wurde.
3. Der erste Bürgerkrieg zwischen
der KPCh und der KMT hin zum langen Marsch
Mangelnde Einsicht in die gravierenden sozialen Probleme der chinesischen
Bauern, vor allem in den Inlandprovinzen, führte dazu, daß die meisten
Führer der KMT sich erst spät der Gefahr bewußt wurden, die
für sie aus dem Überleben und der langsamen Verstärkung der kommunistischen
Bewegung nach 1927 erwuchs.
Die nun folgenden Vernichtungsfeldzüge der KMT gegen die
KPCh in den Jahren 1932 bis 1934 brachten die Kommunisten in unmittelbare Gefahr,
vor allem durch die Einschließung der sogenannten "roten Armeen".
Diesen gelang es jedoch den Einschließungsring zu durchbrechen und den
später zum Mythos stilisierten "langen Marsch" zu beginnen:
Im Herbst 1934 gelang es dem Gros der Roten Armee durch geschickte
Manöver der Umzingelung und Vernichtung durch die KMT zu entgehen. Auf
dem sogenannten "langen Marsch" durch die Provinzen Hunan, Kueichou,
Yünnan, Szuchan, Sikang und Kansu gelang es dem kommunistischen Heer unter
ungeheuren Strapazen mit schweren Opfern, ständig von den Regierungstruppen
verfolgt und bedroht, sich deren Zugriff zu entziehen und Ende des folgenden
Jahres das entlegene und ärmliche Bergland von Nord-Shensi zu erreichen.
Die Hauptkräfte der Roten Armee hatten innerhalb von 12 Monaten etwa 12
500 km zurückgelegt; von den anfänglich 90 000 kamen nur 7000 Mann
zusammen mit Mao in Shensi an. Während des "langen Marsches"
war keine Gelegenheit ungenutzt gelassen worden, Propaganda für die Revolution
zu machen. Wenngleich die chinesischen Kommunisten der Bevölkerung gegenüber
nicht verhehlten, daß sie Kommunisten waren, so war es doch gerade ihre
"unkommunistische" Politik, die ihnen Zustimmung und Zutrauen einbrachte.
So scheuten sie sich nicht, mit der nationalen Bourgeoisie, der Gentry und selbst
den traditionellen Geheimgesellschaften zusammenzuarbeiten.
Doch nicht nur praktisch ergab sich aus dem Langen Marsch eine
neue, gefestigte Position der Kommunisten in der Bevölkerung. Ideologisch
ging die KPCh fester und geeinigter als je zuvor aus dem Langen Marsch hervor,
mit dem Bewußtsein, der KMT standhalten zu können. Desweiteren erreichte
Mao auf seinem Marsch breite Teile der Bevölkerung und konnte sie so auf
seine Gesinnung einschwören und trieb die Sinisierung des Marxismus-Leninismus
voran.14
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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