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Mao und Stalin
Verriet Stalin 1945 die kommunistische Revolution in China? - Anja Jakob

  I     II     III     IV     V     VI     Inhaltsverzeichnis des Artikels

III. Die chinesische Revolution (1930-1949): Mao oder Chiang Kai-Shek?

B. Entstehung und Bruch zwischen der Kuo-min tang9 und der Kommunistischen Partei Chinas10

1. Die Anfänge der Kuo-min tang

Die Anfänge der national-revolutionären Bewegung fallen in die Zeit der Revolutionären Bewegungen vor 1911, die unter der Führung Sun Yat-sens und seines Revolutionsbundes (T’ung-meng-hui) standen. Um nach der Gründung der Republik die Position der national-revolutionären Bewegung im provisorischen Parlament zu stärken, vereinigte sich der Revolutionsbund mit einer Reihe kleinerer Gruppen zu der dann als politische Partei auftretenden KMT11. Als Folge der Wirren in den folgenden Jahren trat 1923, in dem Augenblick, da Sun den Tiefpunkt seiner politischen Laufbahn erreicht hatte, die Sowjetunion auf den Plan und bot ihm die Entsendung von Beratern für den Aufbau einer Kaderpartei und einer parteieigenen Armee an. Dafür mußte sich Sun verpflichten, die damals knapp 300 Mitglieder der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) in die KMT aufzunehmen. Im Oktober 1923 traf in Canton eine sowjetische Zivil- und Militärberatergruppe ein, die eine Reorganisation der KMT als revolutionäre Kaderpartei nach dem Muster der KPdSU und den Aufbau einer Parteiarmee vorbereitete.

2. Die Anfänge der Kommunistischen Partei Chinas

Die Anfänge der revolutionären Organisation sind in einer gegen Japan gerichteten nationalistischen Empörung einer sozial gemischten Gruppe von Studenten, Hochschullehrern, kleinen Kaufleuten und auch Fabrikarbeitern zu sehen, denen aber auch durch die studentische Agitation vor allem ein japan- und fremdenfeindliches nationales Bewußtsein vermittelt wurde.

Ein weiterer und wohl entscheidender Anstoß zur Bildung einer KP in China kam aus Moskau. Die Oktoberrevolution war mit einer zeitlichen Verzögerung von einem Jahr im Zusammenhang mit dem Ende des 1. Weltkrieges ins Bewußtsein der kleinen intellektuellen Öffentlichkeit gedrungen, die damals in China tonangebend war. Vor allem Li Ta-chao, Direktor der Bibliothek der Peking-Universität und Professor für Geschichte, zeichnete sich für die Verbreitung der Botschaft der Weltrevolution verantwortlich. Der Anfang 1920 ausgesprochene Verzicht auf alle imperialistischen Erwerbungen des zaristischen Rußlands durch die neue Führung in Moskau tat ein übriges, um der bolschewistischen Revolution in China breite Sympathien zu sichern. Als 1920 Gregor Voitinski, Delegierter der Dritten Internationale12 in Moskau, zuerst Li Ta-chao in Peking und dann Ch’en Tu-hsiu, den ehemaligen Pekinger Literaturprofessor und Herausgeber der "Neuen Jugend", in Shanghei besuchte, fiel es ihm nicht schwer, die bereits vorhandenen Diskussionszirkel zu kommunistischen Arbeitsgruppen zusammenzufassen.

3. Zusammenarbeit und Bruch zwischen der KMT und der KPCh

Um aus ihrer anfänglichen Isolation herauszukommen, sah sich die KPCh bald gezwungen, eine Einheitsfront mit Kleinbürgern und armen Bauern anzustreben. Das führe sie, wieder unter dem Anstoß der Komintern in Moskau, zum Bündnis mit Sun Yat-sens KMT. Diese "Doppelmitgliedschaft" brachte jedoch für beide Partner Vorteile: Die KMT erhielt eine neue Massenbasis und vor allem, dank sowjetischer Hilfe, eine eigene Armee, die KPCh den Durchbruch von einer kleinen elitären Kampfgruppe zur Massenpartei. In Zahlen ausgedrückt: von 57 Mitgliedern im Jahre 1921 zu 57 000 Mitgliedern im Jahre 1927. Ihre Hauptstütze blieb dabei die Arbeiterbewegung in den Städten.

Grundgedanke der Strategie des Bündnisses mit den Kommunisten war für die KMT, zunächst einen zentralisierten Parteiapparat und eine der Partei loyale Streitmacht aufzubauen, um dann von der Provinz Kwangtung als "revolutionärer Basis" aus ganz China militärisch zu erobern. Gleichzeitig sollten die Bauern, Arbeiter und Studenten in Massenorganisationen als aktive revolutionäre Kräfte eingesetzt werden. 1924 wurde Sun zum Parteiführer auf Lebenszeit ernannt, er starb jedoch bereits am 12. März 1925 in Peking an Leberkrebs.

In den folgenden Positionskämpfen um die Nachfolge Suns innerhalb der KMT dominierte weitgehend der linke Flügel unter Wang Ching-wei und Chiang Kai-Shek, der von den Kommunisten unterstützt wurde. Es war vor allem ihr starker Einfluß, der Chiang – ihm war es mit Hilfe eines Militärputsches gelungen, sich 1926 an die Spitze der Partei zu stellen – beunruhigte.

Den Kommunisten gelang es, außer den Massenorganisationen auch zahlreiche wichtige KMT-Funktionen in die Hand zu bekommen, die es ihnen ermöglichten, gerade in den unteren Rängen der KMT Einfluß zu gewinnen. Diese Einflußnahme wurde den Kommunisten jedoch zum Verhängnis: Unter der Führung Chiang Kai-Sheks kam es zum Verbot und zur blutigen Verfolgung der KPCh. Ihre städtischen Organisationen wurden zerschlagen, die Partei konnte sich nur notdürftig im Untergrund am Leben erhalten.

Damit hatte die von Moskau so hoffnungsvoll aufgebaute Allianz mit der Kuo min-tang ein fatales Ende genommen, und die Befürchtungen jener Mitglieder der KPCh, die nicht aufgehört hatten, vor der KMT zu warnen und auf einen sofortigen Austritt zu drängen, hatten sich auf die schlimmste Weise bestätigt: Während die Nationalsozialisten nicht zuletzt auf Grund der sowjetischen und kommunistischen Hilfe zur stärksten Macht in China aufgestiegen waren und von großen Teilen der chinesischen Bevölkerung unterstützt wurden, waren die chinesischen Kommunisten wieder zu einer kleinen, machtlosen Gruppe zusammengeschmolzen – in den Städten entmachtet, in die Illegalität und ins bäuerliche Hinterland abgedrängt und damit von jenem Element getrennt, dessen Avantgarde sie nach Marx sein sollten, vom städtischen Proletariat.

Aber auch innerhalb der KMT kam es zunächst zu heftigen Auseinandersetzungen. Chiang, der 1927 in Nanking eine Gegenregierung bildete, wurde zwar bald von den Westmächten unterstützt und auch Stalin hielt am Bündnis mit der KMT fest, obwohl in den Führungsgremien der Komintern Aktionen gegen die KMT verlangten. Nachdem aber auch ein großer Teil der KMT – wie bereits vorher Chiang – mit den Kommunisten gebrochen hatte, zerfiel die KMT zunächst in eine Anzahl einander bekämpfender Fraktionen. Nach langwierigen Verhandlungen wählte jedoch Februar 1928 eine neue Koalition in Nanking eine neue Nationalregierung und berief Chiang zum Vorsitzenden des ZEK (Zentralexekutivkomitee) und Oberbefehlshaber der Armee. Am 8. Juni 1928 zogen die nationalistischen Truppen in die alte Hauptstadt Peking ein. Damit war die Nankinger Nationalregierung zur einzigen Regierung in China geworden. Zunächst schien niemand in China mehr in der Lage zu sein, die Herrschaft der KMT ernsthaft zu bedrohen.

 
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