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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Menschenrechte - universal oder kulturbedingt? Läßt sich eine gemeinsame Europäische Menschenrechtspolitik gegenüber repressiven Regimen formulieren? - Beispiel China
- Nicolas Kredel, Alexander Theodoridis
II. Die Menschenrechtssituation in den "repressiven Regimen"
und die gegenwärtige Menschenrechtspolitik der EU
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden plötzlich im
Westen die Menschenrechte als universell geltendes Gut entdeckt. Es begann ein
Kreuzzug der Propaganda, die ihre fruchtbarsten Ergebnisse in der Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte von 1948 und in den zwei Menschenrechtspakten
von 1966 hatte.
Die Universalität der Menschenrechte, als deutliches Produkt
der westlichen Staatsentwicklung der letzten zwei Jahrhunderte1 ,
sollte durch diesen Kreuzzug allen Ländern der Welt, ohne Rücksicht
auf die kulturelle Differenzen dieser Länder, aufoktroyiert werden. Diese
Art eine andere Kultur zu begegnen, entspricht dabei völlig der westlichen
Gewohnheit, alle Kulturen durch eurozentristische Augen zu betrachten. Die westliche
Kultur behandelt alle übrigen Kulturen dieser Welt herabwürdigend
und versucht durch ihren kulturellen Imperialismus den vergangenen, mit der
heutigen westlichen Auffassung der Menschenrechte nicht mehr kompatiblen Imperialismus
der letzen Jahrhunderte, zu ersetzen.
Eindeutige Beispiele der westlichen Überheblichkeit sind
in der Geschichte der letzten Jahrhunderte bis heute nicht schwer zu finden.
Man braucht nur an der französischen Enklave in Schanghai zu denken, wo
bis 1928 Schilder mit der Aufschrift: "Chinese and dogs not admitted"2
zu finden waren, in einer Zeit wo längst die französische Unabhängigkeitserklärung
herausgerufen war. Und in einer Zeit wo in China Frauen schon Gleichberechtigung
erfuhren, fand Olympe de Gouges (1748-1793), eine tapfere Frau, die sich für
die Gleichstellung der Frauen mit den Männern in Frankreich einsetzte,
den Tod in der Guillotine3 .
In der selben Zeit, in der die europäische Aufklärung oder die Geburt
der modernen - westlichen Menschenrechtsauffassung in ihrem Zenit stand, erklärte
die französische Nationalversammlung "that children, the insane, minors,
women and –pending their rehabilitation- criminals should be denied civil rights4 .
Die Liste der Beispiele der "doppelten Moral" des Westens
läßt bis in die heutige Zeit erweitern. Man denke nur wie die USA,
"der große Verfechter der Universalität der Menschenrechte",
mit ihren eigenen nicht - weißen Bürger umgegangen sind. Dieses Beispiel
zeigt deutlich, daß für die westliche Zivilisation Menschen nicht
gleich Menschen sind. Die großen Argumente der Universalität der
Menschenrechte kommen nur zur Geltung, wo sie den vitalen Interessen des Westens
zunutze sind. Den wie läßt sich anders verstehen, daß in Jugoslawien
massiv eingegriffen wird im Namen der Menschenrechte, und ein paar Jahre früher
in Ruanda nicht, wo das Ausmaß der Verletzungen der Menschenrechte weit
größer war.
Durch die Moral der "doppelten Standards" wird versucht
im Namen der Universalität der Menschenrechte die westliche Auffassung
dieser durchzusetzen, wobei mit grober Überheblichkeit übersehen wird,
daß andere Kulturen wie die chinesische viel früher über Menschenrechte
verfügten. Es wird geleugnet, daß andere Denk- und Geschichtstraditionen
außerhalb des euro - atlantischen Raumes andere Auffassungen und Prinzipien
verfügen im Verhältnis Staat (Gesellschaft) – Individuum5 .
Diese Auffassungen basieren auf den verschiedenen Menschenbildern der jeweiligen
Kulturen und haben eine sehr lange Geschichte. Die verschiedenen Menschenbilder
haben als Folge ein verschiedenes Verständnis der Rolle des Individuums
in der Gesellschaft und allgemein im politischen System6 .
Im folgenden Kapitel wird die Menschenrechtsauffassung der chinesischen
Kultur dargestellt. Im Kapitel IV wird dann die Politik der Europäischen
Union hinsichtlich der Menschenrechte und des Handels gegenüber China gezeigt.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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