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| Projektgruppe Model United Nations, München
2000 |
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Tibet oder die Frage der Minoritäten in der VR China
- Sabine Krause
V. Fazit
Beschäftigt man sich näher mit der Tibetfrage, so muß man zwangsläufig
zu der Erkenntnis gelangen, daß keine Lösung dieser Frage in Sicht
ist. Zwar sind die Vorschläge des Dalai Lama in sich entgegenkommend und
würden zumindest eine Aufnahme von Gesprächen möglich machen,
doch die chinesische Seite scheint die Position des Dalai Lama nicht erkennen
zu wollen und lehnt nach wie vor mit der Bgründung, er fordere Unabhängigkeit,
jede Art von Gesprächen ab. Auf der anderen Seite drängt jedoch die
Zeit, eine Lösung zu finden, denn sollte die bisherige Politik gegenüber
Tibet weiterverfolgt werden, droht ein Untergang der tibetischen Kultur. Die
Tibeter erfüllen alle Voraussetzungen für ein eigenes Volk, sie haben
ein angestammtes Territorium, einen eigene, lebende Sprache, sowie ihre eigene
Religion. Die Tibeter sind ihrer Tradition sehr verbunden und ihre Religion
ist auch heute noch der wichtigste Bestandteil ihres Landes, ihrer Gesellschaft
und ihrer Kultur.
"Volksgruppenmäßig gesehen heißt dies, daß
nur "Volkstod durch Unterwanderung" das Tibetproblem im chinesischen
Sinne wird lösen können. (...) Man hat den Eindruck, daß eine
langfristig ins Auge gefaßte demographische Veränderung des tibetischen
Volkes durch die VR China im Gang ist. (...) Auch die Flüchtlingswellen
tragen zur demographischen Veränderung eines Gebietes bei."25
Trotz der Autonomie, die Tibet im Rahmen des 1984er Autonomiegesetzes zugebilligt
wurde, ist wie in allen anderen Regionen das kommunistische Prinzip des demokratischen
Zentralismus nach wie vor die Grundlage für die absolute Vorherrschaft
der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Nach einem Besuch des damaligen Generalsekretärs
der KPCh, Hu Yao Bang, in Tibet im Jahr 1980 wurden zwar Fehler bei der Verwaltung
Tibets zugegeben und größere Liberalisierung der Verhältnisse
geduldet. Außerdem wurde der Generalsekretär der Region seines Amtes
enthoben, weil, wie Hu in einem internen Papier eingestand, die Situation schlimmer
war, als 1959. 1987 legte die chinesische Führung auf einer Pressekonferenz
in Lhasa sogar eine detaillierte Liste der Zerstörungen in Tibet vor, aus
der klar hervorgeht, daß ein Großteil der Zerstörungen bereits
vor der Kulturrevolution geschah, der man bisher diese Verbrechen zur Last gelegt
hatte. Aber im Zuge der Unruhen in China im Früjahr 1989 kam es auch in
Lhasa zu Erhebungen, bei denen es zu offiziell zwölf, nach inoffiziellen
Angaben dagegen zu 450 Toten kam und vom 8.3.1989 bis zum 30.4.1990 wurde das
Kriegsrecht über Lhasa verhängt. Monatelang waren ausländische
Besucher ausgesperrt, so daß es kaum unabhängige Angaben aus diesem
Zeitraum gibt. Allerdings fällt in diesen Zeitraum auch der größte
diplomatische Erfolg der Tibeter: im Dezember 1989 wurde der Friedensnobelpreis
an den Dalai Lama verliehen, wodurch sein gewaltfreier Kampf um Tibet internationale
Anerkennung erhielt. China reagierte mit Empörung, mußte sich aber
eine harsche Abfuhr des norwegischen Nobelpreiskomittees gefallen lassen: "Seit
Adolf Hitler 1935 Wutanfälle wegen der Zuerkennung des Preises an den Friedenskämpfer
Carl von Ossietzky bekam, hat kein Land derart heftig reagiert, wie China es
jetzt in Verbindung mit dem Dalai Lama tut. Die Chinesen befinden sich so gesehen
in guter Gesellschaft" erklärte der Vorsitzende des Komitees, Egil
Aarvik. Durch die Reaktion der Weltöffentlichkeit ist China mittlerweile
bemüht, eine Politik der Rekonziliation zu führen oder sie wenigstens
zu demonstrieren, es ist jedoch nicht gewillt, der Unabhängigkeit als Form
der Ausübung des Selbstbestimmungsrechts des tibetischen Volkes näherzutreten.
Des weiteren wird eine Beschränkung des Zuzugs von Hanchinesen obwohl sogar
in Art. 43 des Autonomiegesetzes eine Kontrolle vorgesehen ist, nicht in Erwägung
gezogen. Da der tibetischen Religion keine Sonderstellung als den Staat tragender
Faktor eingeräumt wird, wird ihre Weiterentwicklung auch nicht Entfaltung
auch nicht gefördert, was zu einer Schwächung der tibetischen Kultur
führt. Obwohl Indien laut des Dalai Lama alles nur Mögliche leistet,
damit Exiltibeter ihre eigene Kultur, Identität und Gemeinschaft bewahren
können und auch die Schulung einer neuen Generation von Tibetern zu gewähren,
ist es zweifelhaft, ob die tibetische Kultur in der Diaspora überleben
kann, wenn der jetzige Dalai Lama einmal stirbt. Selbst zu seinen Lebzeiten
sind schon Spaltungen innerhalb des tibetischen Lagers zu erkennen, da vielen
Tibetern seine gewaltfreie Politik zu langsame Fortschritte zeigt und seine
Forderungen nach einer wirklichen Suzeränität zu weich sind.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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