 |
| Projektgruppe Model United Nations, München
2000 |
 |
Tibet oder die Frage der Minoritäten in der VR China
- Sabine Krause
IV. Zukünftige Problemfelder in Tibet
B. Gebietsfrage
Die autonome Region Tibet entspricht in etwa der Größe des Tibets
zwischen 1911 und 1950, also dem damaligen de facto unabhängigen Staat.
Der Anteil der Fläche der Autonomen Region Tibets an der Gesamtfläche
Chinas beträgt 12,8%. Die Tibeter selbst leben jedoch viel weiter verstreut
und betrachten auch noch weitere Gebiete als zu Tibet gehörig, die heutzutage
in die Provinzen Qinghai, Gansu, Sichuan und Yunnan liegen. In diesen Provinzen
leben die Tibeter sogar teilweise in autonomen Kreisen und Bezirken. Die jetztige
autonome Region Tibet hat eine Fläche von 1 228 400 qkm, die Region dagegen,
die die Tibeter als Tibet betrachten und die auch vor der Zuwanderung von Hanchinesen
im wesentlichen von Tibetern besiedelt wurde, wäre 2,3 Mio. qkm groß
und entspräche somit knapp einem viertel der Gesamtfläche der Volksrepublik.23
Auch in diesem Punkt wird die Taktik der chinesischen Regierung hinreichend
deutlich: durch die Teilung wird die Größe der gesamttibetischen
Bevölkerung verringert und die Tibeter werden innerhalb der chinesisch
dominierten Provinzen zu Minderheiten, die keinen Rückhalt in der anderen
Bevölkerung haben. Außerdem wird von vornerein der territoriale Anspruch
der Tibeter bezüglich ihres eigenen Staats, sollte er denn einmal zur Verhandlung
kommen, um die Hälfte beschnitten.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
|
 |