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| Projektgruppe Model United Nations, München
2000 |
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Tibet oder die Frage der Minoritäten in der VR China
- Sabine Krause
IV. Zukünftige Problemfelder in Tibet
A. Reinkarnationsfindung
Eine der Besonderheiten der tibetischen Art des Buddhismus sind die Lamas,
lebende Buddhaverkörperungen, die immer wiedergeboren werden - daher auch
die Bezeichnung Lamaismus. Die beiden höchsten Lamas sind die bereits oben
erwähnten Dalai Lama und der Panchen Lama. Die Reinkarnation eines Lamas
wird entdeckt, indem ein geistliches Gremium die Zeichen, die der vorherige
Lama hinterließ, um den Ort seiner Wiedergeburt anzuzeigen, zu deuten
versucht. Stehen mehrere Kinder zur Wahl, so hatte sich seit der Qing Dynastie
die Praxis eingebürgert, die Wahl mittels Losentscheid aus einer goldenen
Urne zu treffen.21
Wohlgemerkt: zur Wahl stehen nur Kinder, die vorher von tibetischen Mönchsgremien
entdeckt wurden, auf die Suche selbst hatte nie ein Chinese Einfluß. Als
der letzte Panchen Lama 1995 starb, entschied der Dalai Lama mit Äbten
verschiedener Klöster, daß der sechsjährige Gedhum Choekyi Nyima
seine elfte Wiedergeburt sei. Wenige Monate später verschwand der Junge
und ist bis heute unauffindbar. Der Abt, der den Jungen ausgewählt hatte,
erhielt zunächst Hausarrest und wurde 1996 sämtlicher Ämter enthoben.
Stattdessen wurde mit Hilfe der goldenen Urne der sechsjährige Sohn eines
KP Kaders zum elften Panchen Lama ernannt. Der Junge wurde 1996 nach Peking
gebracht und dort hofiert, was ihn auf die chinesische Seite ziehen sollte.22
Da der Panchen Lama traditionsgemäß großen Einfluß auf
die Wahl des Dalai Lama nimmt und der jetztige Dalai Lama bereits 65 Jahre alt
ist, dürfte die Absicht der chinesischen Regierung klar sein: der nächste
Dalai Lama soll eine Marionette Pekings werden und dadurch den Widerstand innerhalb
der Religionsgemeinschaft brechen.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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