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| Projektgruppe Model United Nations, München
2000 |
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Tibet oder die Frage der Minoritäten in der VR China
- Sabine Krause
III. Tibet
D. Soziale Argumentation der Zugehörigkeit Tibets
Abgesehen von dem historischen, d.h. im chinesischen Sinne rechtmäßigen
Anspruch der VR China auf Tibet, erhebt die VR auch getreu der kommunistischen
Argumentationsweise den Anspruch, die Lebensumstände der meisten Tibeter
mit der Zugehörigkeit zum chinesischen Mutterland immens gebessert zu haben.
Dafür führt man in Peking zuallererst an, daß es sich bei der
tibetischen Staatsform um eine feudalistische Aristokratie gehandelt habe, in
der eine kleine Minderheit mithilfe mittelalterlicher Gesetze die große
Mehrheit aller Güter sowie Sklaven und Leibeigene besessen habe.
"So sehr sich das reformerische vom Kulturrevolutionären
China heute distanziert - in seiner Tibet-Propaganda sind die Methoden weitgehend
gleichgeblieben: Das Schreckensbild vergangener Leiden wird von der modernen
Propaganda nicht weniger liebevoll ausziseliert als von mittelalterlichen Malern
das Innenleben der Hölle."17
China verweist auf diese früheren unmenschlichen Zustände, wenn es
heute auf Menschenrechtsverletzungen in Tibet angesprochen wird. Auch die Exilregierung
des Dalai Lama in Indien leugnet nicht, daß das alte Tibet "eine
hierarchisch gegliederte Nomaden- und Bauerngesellschaft mit feudalen und hierokratischen
Strukturmerkmalen"18
war, macht aber auf das folgende aufmerksam: zum einen sei das Volk offensichtlich
nicht so unzufrieden gewesen, daß es von alleine gegen das System rebelliert
habe - die VR China selbst sei gegen jede Art von Einmischung in die Innenpolitik
eines Landes, um die dortigen Umstände zu ändern; dies entspräche
offensichtlich nicht ihrer Linie gegenüber Tibet. Zum anderen wird darauf
verwiesen, daß es unter dem Vorgänger des jetzigen Dalai Lama sowie
insbesondere vom jetzigen Dalai Lama Ansätz zu sozialen Reformen gegeben
habe bzw. noch gibt, die wegen der Invasion nie zur Ausführung kamen. Diese
beinhalten u.a. das oben schon angesprochene Recht der Volksversammlung, den
Dalai Lama von seinen politischen Ämtern zu entbinden aber auch die Aufhebung
der Schuldknechtschaft. 1963 veröffentlichte der Dalai Lama eine moderne
tibetische Verfassung, die buddhistische Grundsätze mit demokratischen
Prinzipien verbindet.19
Ein weiteres soziales Argument, daß von Peking insbesondere in jüngerer
Zeit angeführt wird, sind die Investitionen, die von China in seiner Autonomen
Region Tibet getätigt werden. Hier wird auf eindrucksvolle Zahlen in den
Bereichen Landwirtschaft, Infrastruktur, Kranken- und Schulwesen, sowie Kultur
verwiesen, die teilweise sogar von außen bestätigt werden. Der Nachteil
für Tibet besteht nur darin, so Exiltibeter, daß diese Investitionen
nicht nur Tibetern sondern insbesondere auch den vielen mittlerweile in Tibet
lebenden Hanchinesen zu gute kommen und außerdem auch nur im chinesischen
Sinn angewandt werden, d.h. es werden chinesische Schulen und Krankenhäuser
gebaut, die Straßen dienen zum Abtransport tibetischer Bodenschätze
und Hölzer nach China und die auf die Renovation von tibetischen Kulturgütern
verwendeten Gelder dienen in erster Linie der Förderung des Tourismus in
die Region und machen in keinster Weise den durch den Verlust tausender von
Klöstern entstandenen Schaden gut. Außerdem reichen Investitionen
alleine nicht aus, um Besitzansprüche zu legitimieren, sonst befände
sich Indien immer noch in britischen Händen.20
Des weiteren behauptet Peking, dem Autonomiegesetz, daß hohe Partizipation
der Minderheit an der Verwaltung vorsieht, in Tibet in vollem Umfang gerecht
zu werden. Hierzu muß bemerkt werden, daß viele tibetische Kinder
zur Ausbildung in chinesische Provinzen gebracht werden und erst nach jahrelanger
Abwesenheit nach Tibet zurückkehren. Trotz dieser Tatsache werden führende
Positionen weiterhin so gut wie ausschließlich von Hanchinesen besetzt
oder von weitgehend chinesisch assimilierten oder kontrollierten Tibetern. Ein
weiterer Faktor, der diesen letzten Punkt Chinas relativiert, ist die ständige
Anwesenheit der PLA, die einen großen hanchinesischen Block darstellt.
Über die Stärke der Truppen in Tibet gibt es keine offiziellen Angaben,
aber Schätzungen gehen von bis zu einer halben Million Soldaten aus.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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