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| Projektgruppe Model United Nations, München
2000 |
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Tibet oder die Frage der Minoritäten in der VR China
- Sabine Krause
III. Tibet
C. Das Konzept der Reinkarnation
Wie bereits oben im Zusammenhang der Beziehungen zwischen Mongolen und Tibetern
zur Zeit der Yuan Dynastie angesprochen, ist es zum näheren Verständnis
der tibetischen Staatsform unerläßlich, auf das Konzept der Reinkarnation
einzugehen.
Die Hauptbesonderheit des tibetischen Buddhismus ist das religiöse Konzept
der Wiedergeburt eines religiösen Oberhaupts als lebende Inkarnation eines
Bodhisattva, was für die tibetische hierokratische Staatsform zugleich
von entscheidender institutioneller Bedeutung ist. Durch dieses Konzept wird
die Übertragung weltlicher Führungsmacht auf die Körperschaft
der Mönche ermöglicht, was auch die extreme Wichtigkeit der Klöster
erklärt. Die Tatsache, daß bis auf den 4. und den 5. Dalai Lama alle
anderen aus einfachen nichtadligen Familien stammten, zeigt die Bemühungen,
das Amt des höchsten Lamas von politischen Beziehungen freizuhalten. Die
Verschmelzung von religiöser und politischer Führung gibt es in Tibet
seit Mitte des 17. Jahrhunderts und sie sicherte lange die Unantastbarkeit des
Amtsinhabers. Gegenüber dynastischer Herrschaftsrekrutierung hatte sie
den Vorteil, daß Machtgelüste einflußreicher Familien ebenso
unmöglich waren, wie die Ernennung unfähiger Erben. Außerdem
setzten sich die Mönche, die nach den Reinkarnationen suchen, traditionell
aus allen Schichten zusammen. Dennoch schlug der jetzige Dalai Lama im Zuge
seiner Reformen vor, eine Art Volksversammlung zu schaffen, der auch die Befugnis
haben soll, einen Dalai Lama "abzuwählen", sollte sich dieser
als unfähig im Amt erweisen. 16
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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