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| Projektgruppe Model United Nations, München
2000 |
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Tibet oder die Frage der Minoritäten in der VR China
- Sabine Krause
III. Tibet
B. Historische Argumentation der Zugehörigkeit Tibets
5. "Heim ins Reich"14
- Tibet ab 1950
Im Oktober 1950 rückte die PLA (People’s Liberation Army) in Tibet ein,
um das Land zu befreien. Trotz militärischen Widerstands seitens der Tibeter
rückte die PLA auf Lhasa vor und nahm Osttibet ein; der tibetische Gouverneur
und Militärkommandant Kaloon Ngabou Ngawang Jigme geriet in chinesische
Kriegsgefangenschaft. Nachdem die UNO sich nicht mit dem Thema befassen wollte,
dort wurde am 24.11.1950 die Diskussion auf "später" verschoben,
und die tibetische Regierung sich angesichts der militärischen Bedrohung
auf Verhandlungen mit der chinesischen Seite eingelassen hatte, kam es am 23.5.1959
in Peking zur Unterzeichnung des "17 Punkte Abkommens", das Tibet
zu einem Teil Chinas erklärte und aufgrund dessen die PLA ohne Gegenwehr
in Lhasa einmarschieren konnte. (Punkt zwei des Abkommens lautet in seiner englischen
Übersetzung: The Local Government of Tibet shall actively assist the PLA
to enter Tibet and consolidate the national defence.) Im Gegenzug garantierte
dieses Abkommen unter Punkt vier bis elf aber auch regionale Autonomie, den
Fortbestand und Schutz der tibetischen Kultur sowie insbesondere den Fortbestand
der Klöster. Strittig ist bis heute, ob die tibetische Delegation, die
von dem in chinesische Gefangenschaft geratenen Ngabou geleitet wurde, unterzeichnungsberechtigt
war. Tatsache ist, daß es sich bei dem Abkommen um ein erzwungenes Abkommen,
einen ungleichen Vertrag handelt, was seine völkerrechtliche Gültigkeit
in Frage stellt. Ebenso ist es erwiesen, daß die chinesische Seite ihren
Anteil der Verpflichtungen nicht eingehalten hat, was nicht einmal bestritten
wird. Dennoch ist dieses Abkommen eines der wichtigsten Pekinger Argumente für
die Zugehörigkeit Tibets zu China und seine Gültigkeit wird hier nicht
im geringsten hinterfragt. Der Dalai Lama dagegen verwarf das Abkommen kurz
nach seiner Flucht mit der Begründung, die Delegation, die nach Peking
entsandt worden war, sei nicht zeichnungsberechtigt gewesen und er selbst habe
nur unter Druck am 24.10.1951 ein Zustimmungstelegramm nach Peking gesandt.15
Seit 1951 war Tibet somit Teil Chinas, was von den Bewohnern Tibets allerdings
nicht akzeptiert wurde. Es kam zu Spannungen zwischen den Tibetern und der chinesischen
Besatzungsmacht, die im März 1959 in einem Volksaufstand eskalierten, bei
dem laut chinesischer Angaben 87 000 Tibeter den Tod fanden. Angesichts dieser
Situation floh der 24 jährige Dalai Lama mit ca. 85 000 seiner Anhänger
nach Indien, wo er seitdem als Haupt der tibetischen Exilregierung lebt. Im
Anschluß an seine Flucht und den tibetischen Aufstand 1959 wurde der tibetische
Widerstand von der PLA vollständig aufgerieben. Am 9.9.1965 proklamierte
die Regierung in Peking dann die "Autonome Region Tibet". Dennoch
sollen weitere 470 000 Tibeter ihr Leben in dem Guerillakrieg, der bis 1974
von Anhängern des tibetischen Widerstandes geführt wurde, verloren
haben. Zu beiden Zahlenangaben gibt es keine offizielle Stellungnahme der chinesischen
Regierung. Seither ist sowohl eine starke Abwanderung von Tibetern ins Ausland
(meist Indien und Nepal) als auch eine starke Zuwanderung von Chinesen nach
Tibet zu beobachten, was die Exilregierung Tibets zu großer Sorge um den
Fortbestand ihres Volkes veranlaßt. In der Folgezeit kam es zu einer weiteren
schwerwiegenden Verletzung des 17 Punkte Abkommens durch China: von 2 700 bedeutenderen
Klöstern wurden 2 690 zerstört, eine Tatsache, die von Peking lange
Zeit der Kulturrevolution zur Last gelegt wurde. Außerdem weisen Menschenrechtsorganisationen
seit Jahren auf die ständigen Menschenrechtsverletzungen aller Art hin,
die nicht mit den Angaben des chinesischen Weißbuchs übereinstimmen.
Bereits 1959 und1960 hatte die internationale Juristenkommission China für
schuldig befunden, Akte des Völkermordes an den Tibetern begangen zu haben.
Entgegen früherer Forderungen ist der Dalai Lama um den Fortbestand des
tibetischen Volkes und seiner Kultur zu sichern mittlerweile sogar bereit, auf
eine vollständige Unabhängigkeit zu verzichten, sollte China sich
bereit erklären, eine umfassende innenpolitische Autonomie zuzusichern
sowie den Zustrom von Chinesen sofort zu stoppen. Die chinesische Regierung
verweigert bis heute jedes Gespräch mit dem Dalai Lama mit der Begründung,
er habe nach wie vor "separatistische" Absichten. Da dies im wesentlichen
bis heute der Stand der Dinge ist, wird nun auf andere Aspekte der Tibetfrage
eingegangen werden.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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