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Tibet oder die Frage der Minoritäten in der VR China - Sabine Krause

  I     II     III     IV     V     VI     Inhaltsverzeichnis des Artikels

III. Tibet

B. Historische Argumentation der Zugehörigkeit Tibets

3. Qing Dynastie - der Anfang vom Ende

Ab 1720 übte das chinesische Kaiserhaus unter der mandschurischen Qing Dynastie dann reale Macht in Tibet aus, da es von den Tibetern als willkommener Verbündeter im Kampf gegen die mongolischen Dzungaren gesehen wurde, die im Gegensatz zu ihren Vorgängern die tibetische Kultur nicht respektierten und Tempel und Klöster plünderten. Nach Vertreibung der Dzungaren ließ der chinesische Kaiser jedoch eigene Truppen in Lhasa und ernannte zudem zwei Bevollmächtigte, sogenannte Ambane, die seine Interessen in Tibet wahrnehmen sollten. Durch zwei Kriege (1750 und 1791) wurden die Verwaltungsreformen von 1751 und 1793 erzwungen, die von den Chinesen noch heutzutage als schlagender Beweis für ihre jahrhundertealte Oberhoheit über das Gebiet angeführt werden. In der 1751er Reform wurde u.a. eine Art Kabinett (Gasha) eingerichtet, das dem Dalai Lama und den Ambanen unterstand, in dem 29 Punkte Abkommen von 1793 wurde dann u.a. die Gleichstellung der Ambane mit dem Dalai Lama und dem Panchen Lama sowie eine rituelle Mitbestimmung beim Reinkarnationsritual der beiden Lamas verankert. Diese Abkommen sind Hauptargumente Pekings für die Begründung der Herrschaft Chinas über Tibet. Vergessen wird hierbei, daß die Truppen nach 1791 Tibet bald aus mehreren Gründen wieder verlassen mußten, so daß von einer Machtausübung seitens der Ambane keine Rede sein kann. Formell hatte Tibet die Oberhoheit Pekings anerkannt, die Regierungsgewalt lag jedoch beim Dalai Lama, was bedeutet, daß Tibet zwar der Suzeränität aber nicht der Souveränität Chinas unterstand.

Erst 1910, also über 100 Jahre später, wurden erneut chinesische Truppen nach Tibet entsandt, was den 13. Dalai Lama zur Flucht nach Indien zwang. In diesem Zeitraum von 100 Jahren vor der erneuten Einnahme schloß Tibet selbstständig Verträge, z.B. mit Nepal und Großbritannien 1904.

 

Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

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