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| Projektgruppe Model United Nations, München
2000 |
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Tibet oder die Frage der Minderheiten in der VR China
- Sabine Krause
III. Tibet
B. Historische Argumentation der Zugehörigkeit Tibets
2. Yuan Dynastie - Mongolen und Tibeter
In den folgenden Jahrhunderten kam es jedoch wiederum zu engen Beziehungen
zwischen Tibet und dem Chinesischen Kaiserhof, da mit der Yuan Dynastie (1279-1368)
Mongolen auf dem Drachenthron saßen (und somit über Tibeter und
Chinesen gleichermassen herrschten). Die Beziehungen zwischen Mongolen und
Tibetern waren aufgrund der Tatsache, daß die Mongolen den Buddhismus
und die tibetische Schrift übernommen hatten und gleichzeitig auch den
Schutz über die wichtigsten Klöster übernahmen, besonders eng.
Bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts hatte der Abt des Klosters Sakya mit
Dschingis Khan als "Kaiserlehrer" in Verbindung gestanden, so daß
man sagen könnte, die Tibeter waren für die geistliche und die Mongolen
für die weltliche Entwicklung zuständig. Der oberste Lama war gleichzeitig
geistlicher Ratgeber des Kaisers, der wiederum seinerseits eine Art Schutzpatron
Tibets war - eine Sichtweise, die von China energisch bestritten wird. Mit der
Einsetzung der Äbte zu weltlichen Herrschern über Tibet durch die
Mongolen Kaiser entstand die für Tibet typische Hierokratie, die
Verschmelzung von Staat und Religion in der Person des Lamaherrschers. (In diesem
Zusammenhang ist es unerlässlich, auf das Konzept der Reinkarnation einzugehen,
was im Anschluß an den historischen Überblick getan werden wird.)
Da sich in Tibet immer mehr Klöster als Zentren geistiger Macht etablierten,
kam es in der Folge zu Rivalitäten zwischen diesen Klöstern, was wiederum
dazu führte, daß sich die Kaiser der Yuan Dynastie des öfteren
in die inneren Angelegenheiten Tibets einmischten, allerdings nicht, wie Peking
behauptet, um Herrschaft auszuüben, sondern um zu schlichten.
Die Ming Dynastie (1368-1644) behielt die bis dahin übliche Praxis der
Titelverleihungen bei und nutzte die Streitigkeiten der Tibeter untereinander
mehr aus als die Yuan, um den promongolischen Klöstern zu schaden; dennoch
setzte sich im 15. Jahrhundert mit den Gelbmützen eine promongolische Strömung
durch, die durch strenge Ordensregeln zur Keimzelle des hierokratischen Tibet
wurde, wie es vor 1951 bestand. Ein Nachfolger des Gründers der Gelbmützensekte
bekam dann 1578 vom mongolischen Hof den Titel "Dalai Lama" verliehen,
ein anderer Abt erhielt 1645 den Titel "Panchen Lama"; beide Titel
sind also mongolische Ehrentitel, die bis auf den heutigen Tag verwendet werden
und von den Chinesen lediglich immer wieder geschickt weiterverliehen bzw. bestätigt
wurden. Der fünfte Dalai Lama (1617-1682) vollendete schließlich
die Entwicklung Tibets zum Kirchenstaat und reiste 1652 nach Peking, um sich
in seinem Amt als Mönchskönig bestätigen zu lassen. "Nach
tibetischer Auffassung handelte es sich bei der "Bestätigung"
durch die Zentralregierung um ein die eigene Machtposition magisch überhöhendes
Ritual, nach traditionell chinesischer Auffassung galt dieser Akt als tributäre
Unterwerfungsgeste." 11
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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