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Tibet oder die Frage der Minderheiten in der VR China - Sabine Krause

  I     II     III     IV     V     VI     Inhaltsverzeichnis des Artikels

III. Tibet

B. Historische Argumentation der Zugehörigkeit Tibets

2. Yuan Dynastie - Mongolen und Tibeter

In den folgenden Jahrhunderten kam es jedoch wiederum zu engen Beziehungen zwischen Tibet und dem Chinesischen Kaiserhof, da mit der Yuan Dynastie (1279-1368) Mongolen auf dem Drachenthron saßen (und somit über Tibeter und Chinesen gleichermassen herrschten). Die Beziehungen zwischen Mongolen und Tibetern waren aufgrund der Tatsache, daß die Mongolen den Buddhismus und die tibetische Schrift übernommen hatten und gleichzeitig auch den Schutz über die wichtigsten Klöster übernahmen, besonders eng. Bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts hatte der Abt des Klosters Sakya mit Dschingis Khan als "Kaiserlehrer" in Verbindung gestanden, so daß man sagen könnte, die Tibeter waren für die geistliche und die Mongolen für die weltliche Entwicklung zuständig. Der oberste Lama war gleichzeitig geistlicher Ratgeber des Kaisers, der wiederum seinerseits eine Art Schutzpatron Tibets war - eine Sichtweise, die von China energisch bestritten wird. Mit der Einsetzung der Äbte zu weltlichen Herrschern über Tibet durch die Mongolen Kaiser entstand die für Tibet typische Hierokratie, die Verschmelzung von Staat und Religion in der Person des Lamaherrschers. (In diesem Zusammenhang ist es unerlässlich, auf das Konzept der Reinkarnation einzugehen, was im Anschluß an den historischen Überblick getan werden wird.) Da sich in Tibet immer mehr Klöster als Zentren geistiger Macht etablierten, kam es in der Folge zu Rivalitäten zwischen diesen Klöstern, was wiederum dazu führte, daß sich die Kaiser der Yuan Dynastie des öfteren in die inneren Angelegenheiten Tibets einmischten, allerdings nicht, wie Peking behauptet, um Herrschaft auszuüben, sondern um zu schlichten.

Die Ming Dynastie (1368-1644) behielt die bis dahin übliche Praxis der Titelverleihungen bei und nutzte die Streitigkeiten der Tibeter untereinander mehr aus als die Yuan, um den promongolischen Klöstern zu schaden; dennoch setzte sich im 15. Jahrhundert mit den Gelbmützen eine promongolische Strömung durch, die durch strenge Ordensregeln zur Keimzelle des hierokratischen Tibet wurde, wie es vor 1951 bestand. Ein Nachfolger des Gründers der Gelbmützensekte bekam dann 1578 vom mongolischen Hof den Titel "Dalai Lama" verliehen, ein anderer Abt erhielt 1645 den Titel "Panchen Lama"; beide Titel sind also mongolische Ehrentitel, die bis auf den heutigen Tag verwendet werden und von den Chinesen lediglich immer wieder geschickt weiterverliehen bzw. bestätigt wurden. Der fünfte Dalai Lama (1617-1682) vollendete schließlich die Entwicklung Tibets zum Kirchenstaat und reiste 1652 nach Peking, um sich in seinem Amt als Mönchskönig bestätigen zu lassen. "Nach tibetischer Auffassung handelte es sich bei der "Bestätigung" durch die Zentralregierung um ein die eigene Machtposition magisch überhöhendes Ritual, nach traditionell chinesischer Auffassung galt dieser Akt als tributäre Unterwerfungsgeste." 11

 

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