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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 The world belongs to all

Tibet oder die Frage der Minoritäten in der VR China - Sabine Krause

  I     II     III     IV     V     VI     Inhaltsverzeichnis des Artikels

III. Tibet

B. Historische Argumentation der Zugehörigkeit Tibets

1. Tang Dynastie - die ersten Kontakte

Laut chinesischer Darstellung beginnt das engere chinesisch-tibetische Verhältnis in der Tang Dynastie (618-907) mit der Heirat des legendären Begründers und ersten König Tibets, Songtsen Gampo, mit der chinesischen Prinzessin Wen Zheng im Jahr 641, die dann auch, neben vielen anderen zivilisatorischen Errungenschaften, den Buddhismus mit nach Tibet gebracht haben soll. Demgegenüber steht die von der Pekinger Argumentation schlichtweg unterschlagene Tatsache, daß Wen Zheng die vierte Frau Songtsen Gampos war, der neben zwei einheimischen Adligen bereits vier Jahre vor Wen Zheng die nepalesische Prinzessin Bhrikuti Devi geheiratet hatte, die ebenfalls Buddhistin war. Somit war diese die erste historisch nachweisbare Person, die den Buddhismus nach Tibet einführte und noch bis ins 12. Jahrhundert orientierte sich die kulturelle Entwicklung Tibets eher an ihrem südlichen Nachbarn Indien als an China. 10

Die Hochzeit mit Wen Zheng war jedoch insofern von goßer Bedeutung, als Songtsen Gampo jetzt Schwiegersohn des chinesischen Kaisers war und als solcher viele Titel und Ehrenbezeugungen verliehen bekam, die sein Ansehen und seine Position im eigenen Land festigten. Daher wurde es auch noch von seinen Nachfolgern als äußerst attraktiv empfunden, am chinesischen Hof um diese Ehrentitel zu bitten und die dazu erforderlichen Verwandtschaftsbeziehungen immer wieder zu erneuern. Hierzu ist allerdings anzumerken, daß im alten China schon geringfügige Verehrungsgesten als Unterwerfungsgesten gedeutet wurden und dieses "Ersuchen um Titel" der tibetischen Seite wird auch in der heutigen Argumentation noch als erster Beweis einer politischen Herrschaft Chinas über Tibet angeführt. Demgegenüber steht die Tatsache, daß das Reich der Tang 907 zerbrach und China in der Periode der Fünf Dynastien (907-960), sowie während der Nördlichen (960-1127) und der Südlichen (1127-1279) Song Dynastie so zerrissen war, daß es in Tibet keinerlei Einfluß mehr besaß.

 

Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

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