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| Projektgruppe Model United Nations, München
2000 |
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Tibet oder die Frage der Minoritäten in der VR China
- Sabine Krause
III. Tibet
B. Historische Argumentation der Zugehörigkeit Tibets
Bei der Auseinandersetzung mit der chinesischen Argumentation müssen bestimmte
Besonderheiten berücksichtigt werden. So hat Geschichte in China schon
immer einen traditionell hohen Stellenwert, was u.a. daran deutlich wird, daß
es im alten China eigens die Stellung eines Geschichtsschreibers am kaiserlichen
Hof gab, der die Aufgabe hatte, die Geschichte im Sinne der jeweils regierenden
Dynastie zu verfassen, d.h. nicht so, wie sie sich tatsächlich zutrug,
sondern so, wie sie sich hätte zutragen sollen. Allgemeingültig für
alle Dynastien war das Mittelpunktsdenken Chinas und das sich daraus ableitende
Überlegenheitsgefühl gegenüber anderen Völkern, was zu überzogenen
Interpretationen bestimmter historischer Gegebenheiten führte; so waren
Gesandte fremder Völker prinzipiell Tributpflichtige, die ihren Gehorsam
unter Beweis stellen wollten, erhielt ein ausländischer Herrscher einen
Ehrentitel, so wurde daraus gefolgert, daß er die Oberhoheit des chinesischen
Kaisers anerkannte usw.. Nach der Machtübernahme der Kommunisten änderte
sich wenig an dieser Argumentationsweise und so werden noch heute Gebietsansprüche
auf diese Art gerechtfertigt (vgl. bspw. die Auseinandersetzung Chinas mit Vietnam
und den Philippinen um Inseln im Südchinesischen Meer). In Tibet dagegen
war man nie an einer derart "historischen Fixierung weltlicher Vorgänge"8
interessiert, was seine Beweisführungschancen gegenüber einem Land
wie China, in dem seit Jahrhunderten kontinuierlich eine "überaus
normative" 9 Geschichtsschreibung
gepflegt wurde, gering erscheinen läßt. Dennoch lassen sich beim
genaueren Hinsehen durchaus stichhaltige Gegenpositionen für Tibet finden.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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