 |
| Projektgruppe Model United Nations, München
2000 |
 |
Tibet oder die Frage der Minderheiten in der VR China
- Sabine Krause
III. Tibet
A. "Ist Tibet ein Teil der VR China und wenn ja warum?"
Um auf die Tibetfrage umfassend eingehen zu können, müssen viele
Aspekte berücksichtigt werden. Im Hinblick auf das politische Gewicht der
VR China soll in dieser Arbeit im wesentlichen entlang der Pekinger Argumentation
vorgegangen werden. Interessant ist hierbei, daß sich das heutige China
immer noch auf Ansprüche aus der Kaiserzeit und damit aus einer Epoche,
die es eigentlich mit allen Folgeerscheinungen abzuschaffen angetreten war,
stützt, was zusammen mit den diversen Manifestationen der Autonomie für
Tibet deutlich macht, daß es sich bei der Tibetfrage um mehr als einen
ideologischen Konflikt zwischen lamaistischem Buddhismus und Kommunismus handelt,
nämlich einen nationalen Konflikt.
Inwiefern innerhalb dieses Konfliktes zu Recht unterschiedliche Meinungen auftreten
und wie diese begründet werden, soll in den folgenden Kapiteln aufgezeigt
werden. Ebenso wird auf die unterschiedlichen Argumentationsansätze eingegangen
werden sowie deren genaueren Zeitumständen Rechnung getragen.
Zuvor jedoch die Gründe, warum die VR China so sehr an Tibet interessiert
ist. Laut Oskar Weggel sind hierbei im wesentlichen fünf Punkte zu berücksichtigen.7
Zum einen die "historische Obsession", derzufolge eine Aufgabe Tibets
einen Gesichtsverlust für China darstellen würde. Des weiteren das
strategische Interesse Chinas an der Region, in der verschiedenste Raketenstellungen
(Mittelstrecken- und Interkontinentalraketen) die gemeinsame Grenze mit der
Atommacht Indien sichern sowie eventuelle Angriffe aus dem Westen abschrecken
sollen. Drittens ist Tibet ein Rohstofflager; die größten Vorräte
Chinas an Chrom, Bor und Kupfer werden hier vermutet und aufgrund seiner Größe
und vergleichsweise dünnen Besiedelung bietet sich Tibet auch als Endlagerungsstätte
für gefährlichen Müll aller Art an. Außerdem füllt
das rege Interesse vieler Menschen an der tibetischen Kultur die chinesischen
Devisenvorräte auf.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
|
 |