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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Chinas Menschenrechtsverständnis und -politik
- Jörg Siegmund
VI. Ausblick
Momentan gibt es keine Anzeichen für tiefgreifende Veränderungen
im chinesischen Menschenrechtsverständnis und der entsprechenden Politik
in naher Zukunft. Auch von der Mehrheit der Intellektuellen und der wirtschaftlichen
Oberschicht, die Träger einer politichen Oppositionsbewegung sein können,
gehen keine wesentlichen Impulse für eine grundsätzlich neue Herangehensweise
an die Menschenrechtsproblematik aus. Sie äußern "starke Vorbehalte
gegenüber den extremen Formen des westlichen Individualismus ... Im Westen
sei es soweit gekommen, daß im Namen der Menschenrechte und des Rechtsstaats
das Gemeinwohl den Interessen von Kriminellen und Drogenhändlern geopfert
werde."137
Diese Schichten stehen der Einführung einer liberalen Demokratie mit Gewaltenteilung
und Grundrechtsschutz skeptisch gegenüber, gilt ihnen doch der Zerfall
der SU als Beispiel dafür, wozu die rasche Abschaffung einer zentralistischen,
autoritären Ordnung führt - zu Chaos und Anarchie.138
Als Hindernis gegen einen starken Druck von außen auf die
chinesische Regierung wirkt paradoxerweise zudem die Tatsache, daß China
seinerseits internationale Verpflichtungen im Bereich der Menschenrechte zunehmend
eingeht - ohne sie im Lande umzusetzen. Die westlichen Staaten können nun
nicht mehr China einfach wegen seiner Blockadehaltung und Kooperationsunwilligkeit
an den Pranger stellen - sie müssen vielmehr nachweisen, daß die
eingegangenen Verpflichtungen nicht erfüllt werden. Angesichts der restriktiven
Informationspolitik Chinas noch immer keine leichte Aufgabe.
Positiv auf eine veränderte Menschenrechtspolitik Chinas
dürfte sich hingegen auswirken, daß die unabhängigen Kommunikationsmöglichkeiten
innerhalb Chinas und mit dem Rest der Welt im Zuge der wirtschaftlichen Öffnung
stetig zunehmen.139
Dem gestiegenen Informationsniveau entsprechend hat sich auch die Zusammenarbeit
zwischen Menschenrechtsorganisationen, Wissenschaftlern und interessierten westlichen
Regierungen vertieft, die gemeinsam auf einen verbesserten Menschenrechtsschutz
in China drängen. Schließlich darf nicht übersehen werden, daß
die politische Führung der Post-Deng-Ära weder dumm noch inkompetent
ist140
und sich zunehmend pragmatisch gibt.
Aus westlicher Sicht scheint es gegenwärtig keine Alternative
zum Menschenrechtsdialog zu geben, zumal Sanktionen in der globalisierten Welt
auch die westliche Wirtschaft schädigen.141
Eine Politik der kleinen Schritte, die erstens auf den Ausbau der Gewaltenteilung
und des Rechtsschutzes innerhalb Chinas, zweitens auf die Stärkung gesellschaftlicher
Kräfte als Elemente einer vom Staat unabhängigen Zivilgesellschaft
und drittens auf die Einbindung Chinas in die Spielregeln multilateraler Zusammenarbeit
zielt, scheint der einzig gangbare Weg.142
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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