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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Chinas Menschenrechtsverständnis und -politik
- Jörg Siegmund
III. Kulturell-historische Einflußfaktoren in China
B. Historische Erfahrung
Neben dem Konfuzianismus haben auch bestimmte historische Erfahrungen
das chinesische Menschenrechtsverständnis entscheidend geprägt. China
war als ganzes immer ein unabhängiges Land frei von kolonialer Bevormundung,
es befindet sich allerdings seit dem 19. Jahrhundert in einem regen Austausch
mit der westlichen Welt.44
Dadurch kam es auch mit westlichen Fragestellungen und Ideen in Berührung,
die die innerchinesische Diskussion beeinflußten. Daraus kann jedoch nicht
abgeleitet werden, daß das chinesische Denken westliche philosophische
Vorstellungen als solche oder modifiziert übernahm.45
Besonders auf dem Gebiet der Menschenrechte hatte der Kontakt mit dem Westen
eher eine abwehrende, die kulturell-philosophische Eigenständigkeit betonende
chinesische Reaktion zur Folge.
Der Kontakt Chinas mit den westlichen Mächten erfolgte nämlich
im 19. und frühen 20. Jahrhundert vor allem im Rahmen kolonialer Erfahrung.
Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Rußland waren bemüht,
eigene Einflußzonen im Reich der Mitte zu etablieren und die dort ansässige
Bevölkerung im Zuge dieser Teilkolonisierung dem Willen der jeweiligen
ausländischen Macht zu unterwerfen.46
Diese führenden Nationen des christlich-abendländischen Kulturkreises
nutzten also ihre Präsenz in China nicht etwa, um mit den Chinesen in einen
offen Dialog über Menschenrechte zu treten oder ihnen die westliche Sichtweise
zu vermitteln. Vielmehr hat sich im historischen Bewußtsein vieler ehemals
unterdrückter Chinesen die Erfahrung festgesetzt, daß die propagierten
Menschenrechte wohl doch nicht universal gelten und "im Zweifelsfall immer
wieder ökonomischen und strategischen Interessen der Vorrang" gebührt.47
Diese Auffassung verhärtete sich im Zuge der japanischen
Besetzung der Mandschurei von 1932 bis 1945.48
Gerade Japan, das heute aufgrund seines enormen Wandels seit dem 2. Weltkrieg
als Musterland der Menschenrechtspolitik in Asien apostrophiert wird,49
hat sich damit dauerhaft als Vorbild für China auf diesem Gebiet diskreditiert.
"China’s leaders ... remember how the West and Japan ignored their own
principles of human rights and national sovereignty when it came to their colonies,
and especially how they trampled on the rights of Chinese."50
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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