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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Das Verhältnis zwischen der VR China und der Republik
China auf Taiwan gestern und heute - Markus Höhne
VI. Schlussbemerkung
In der historischen Betrachtung des Verhältnisses zwischen
der Volksrepublik China und derRepublik China lassen sich folgende Entwicklungen
erkennen: Die Spaltung Chinas 1949 erfolgte auf Grund programmatischer Differenzen
der KMT und der KPCh; diese Teilung wurde durch den internationalen Ausbruch
des "kalten Krieges" zementiert. Dennoch war das innenpolitische "China-Konzept"
sowohl Taipeis als auch Beijings bis zum Tod der beiden charismatischen Führungsgestalten
Chiang Kaischek und Mao Zedong Mitte der 70er Jahre trotz der äußerlichen
Konfrontation von sehr ähnlichen Prämissen geleitet. Die KMT wie auch
die KPCh entfalteten in ihrem Machtbereich eine autoritäre Einparteienherrschaft,
deren oberstes Ziel die Wiedervereinigung Gesamtchinas unter der Führung
der jeweils eigenen Partei war; der 1927 auf dem Festland ausgebrochene Bürgerkrieg
wurde somit faktisch vortgesetzt; allerdings wandelte sich sein Charakter Ende
der 60er Jahre von einer militärischen Konfrontation zu einer Auseinandersetzung
auf Ebene der internationalen Politik. Man kann sagen, dass Taipei und Beijing
bis in die 70er Jahre hinein, trotz dem von Anfang an deutlichen Auseinanderdriften
in Bezug auf wirtschaftliche Entwicklungen, politisch durch "alte Feindschaft"
verbunden blieben.
Die VR China konnte, begünstigt durch die Auflockerungen
im Verhältnis zwischen Washington und Beijing ab 1971, Ende der 70er Jahre
erste progressive Schritte in Richtung einer friedlichen Wiedervereinigung wagen;
Taipei blieb, von der "versteinerten" KMT-Herrschaft behindert, politisch
unbeweglich und wurde zusehens international isoliert. Die innen- wie aussenpolitische
Befreiung Taiwans von der "Erblast" des Bürgerkriegs vollzog
sich erst ab Mitte der 80er Jahre, hatte dann aber umso heftigere Konsequenzen.
Während die Wiedervereinigungs-Konzepte Beijings bis in die Gegenward trotz
aller innovativen "Verpackungen" im Kern nicht von den noch von Mao
geprägten Vorstellungen eines kommunistisch beherrschten Gesamt-Chinas
abweichen, entwickelt sich auf Taiwan mit zunehmnder innenpolitischer Demokratisierung
eine real-alternative Wiedervereinigungspolitik, gefördert aber auch bedroht
von einem neu erstarkenden taiwanesischem Selbstbewußtsein, das in seiner
extremsten Form sogar eine völlige Loslösung von der "Ein-China-Idee"
und eine unabhängige "Republik Taiwan" propagiert. In Taiwan
wurde m.E. Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre, mit der Loslösung von
den Ideen Chiang Kaischeks (Alleinvertretungsanspruch etc.) und der Auflösung
der Alleinherrschaft der traditionellen Bürgerkriegspartei KMT der "alte"chinesische
Bürgerkrieg einseitig beendet. Unter Lee Denghui wurde das Ziel der Wiedervereinigung
unter KMT-Vorherrschaft in den 90er Jahren durch zwei Alternativen ersetzt:
Langsame friedliche Annäherung unter gegenseitigem Respekt mit dem Ziel
einer Wiedervereinigung auf gleichberechtigter Ebene (wobei eine Demokratisierung
der kommunistischen Herrschaft auf dem Festland als Vorraussetzung angesehen
wird; dies ist aus der sicht der VR China schwerlich mit der von Taipei geforderten
Gleichberechtigung vereinbar); daneben wird von der Regierung in Taipei an dem
Erhalt und der Festigung des innen- und aussenpolitischen Status Quo der Rep.
China (als eigenständige politische "Entitäten" neben der
VR China) gearbeitet - dies vergrössert im Endeffekt jedoch den politischen,
wirtschaftlichen und kulturellen Graben zwischen den "beiden Chinas".
In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die VR China in Bezug auf die Wiedervereinigungsfrage
in eine relativ unbewegliche Situation manövriert: Einerseits beruft sich
Beijing auf gemeinsame Geschichte und Kultur (siehe historische Ausführungen
zu Beginn des Weißbuches "Die Taiwan-Frage und die Wiedervereinigung
Chinas" von 199387 );
das Konzept "Ein Land, Zwei Systeme" ignoriert folglich die jahrzehntelangen
eigenständigen Entwicklungen auf Taiwan (die genaugenommen schon 1895 mit
Übernahme der Insel durch Japan begannen), da trotz aller Autonomieversprechungen
eine Aufgabe der taiwanesischen Souveränität oberste Bedingung ist;
als Provinz der VR China wäre Taiwan jedoch letztlich auf Gedeih und Verderb
von der Zentralregierung in Beijing abhängig. Andererseits reagiert Festlandchina,
sobald die von der KPCh propagierten Standpunkte sich im Lichte der jüngsten
taiwanesischen Politik als offensichtlich "ideologisch" verzerrt und
veraltet erweisen, mit unverholenen Gewaltdrohungen und provoziert somit einen
Rückfall in die in den 70er Jahren überwundene militärische Wiedervereinigungspolitik,
verbunden mit internationalen Spannungen. Eine gewaltsame Konfrontation Festland-
und Inselchinas als Alternative zu den gewandelten, doch immernoch politisch
unvereinbaren politischen Wiedervereinigungskonzepte beider Seiten wird gegenwärtig
vor allem durch die intensiven chinesisch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen
verhindert; zudem kann sich die VR China im Falle eines Angriffs auf Taiwan
nicht der Haltung der USA, die mit Taiwan im "Taiwan Relation Act"verbunden
sind, sicher sein; und selbst wenn die USA einer unkontrollierbare militärische
Konfrontation mit der VR China aus dem Weg gingen, würde eine gewaltsame
Wiedervereinigung Chinas auf den massivsten Widerstand der taiwanesischen Bevölkerung
stossen und somit zerstören, was gewonnen werden sollte.
Obwohl grunsätzlich bezüglich der Taiwan-China-Frage
alle Optionen, von einem Krieg bis hin zu einer Ausrufung einer unabhängigen
"Republik Taiwan", offen sind, scheint die aktuelle internationale
Politik z.B der USA und Europas, die auf Dialog und Einbindung der VR Chinas
setzt (jüngstes Beispiel: WTO-Mitgliedschaft der VR China), eher eine langfristige,
friedliche Widervereinigung Chinas auf der Grundlage von politischer Demokratisierung
und wirtschaftlicher Liberalisierung zu begünstigen. Die Voraussetzung
dafür ist jedoch eine der aktuellen Realität sehr nahe kommende Anerkennung
der "Zweistaatlichkeit" Chinas seitens Beijings.88
Somit könnte die auf wirtschaftlicher und kultureller Ebene durchaus sehr
fruchtbare und stabilisierende Zusammenarbeit beider Chinas um eine substantielle
Zusammenarbeit auf Ebene der internationalen Politik (z.B. in der UNO) erweitert
werden.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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