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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Das Verhältnis zwischen der VR China und der Republik
China auf Taiwan gestern und heute - Markus Höhne
V. Entwicklungen und Spannungen in den 90er Jahren
A. Zusammenarbeit zwischen beiden Chinas
1. Wirtschaftliche
Ebene
Auf Seiten der Rep. China wurden 1990/91 drei neue Organisationen
, die sich mit den chinesisch-chinesischen Beziehungen beschäftigten, gegründet:
1) der "Rat für nationale Vereinigung"; 2) die "Kommission
für Angelegenheiten Festlandchinas"; 3) die "Stiftung für
den Austausch zwischen beiden Seiten der Taiwan-Straße". Diesen Organisationen
stehen auf der Festlandseite 1) die "Zentrale Führungsgruppe für
die Taiwan-Arbeit", 2) das "Büro für Taiwan-Angelegenheiten"
und 3) die "Abteilung für Einheitsfrontarbeit" gegenüber.
Als Partner der taiwanischen "Stiftung" wurde 1991 in der VR China
die "Assoziation für die Beziehungen zwischen beiden Seiten der Taiwan-Straße"
ins Leben gerufen.72
Die von all diesen Organisationen geförderte chinesisch-chinesische Zusammenarbeit
in den 90er Jahren konzentrierte sich vornehmlich auf die Bereiche Wirtschafts-
und Handelsaustausch. Das gegenseitige Handelsvolumen wuchs inzwischen stark
an; beide Staaten waren 1993 für einander der fünftwichtigste Handelspartner.73
Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte die Kooperation zwischen Beiden
Seiten der Taiwan-Straße, als sich offizielle Delegationen der "Stiftung
für den Austausch zwischen beiden Seiten der Taiwan-Straße"
und der "Assoziation für die Beziehungen auf beiden Seiten der Taiwan-Straße"
am 27. April 1993 in Singapur trafen, um über Probleme wie Seeräuberei
etc. in der Taiwan-Straße zu sprechen. Zwar hatte man sich davor auf den
Status der Gespräche als "nicht staatlich, praktisch die Wirtschaft
betreffend und funktional"74
geeinigt; dennoch wurde dieses Treffen beiderseitig als historischer Annäherungsschritt
und als erste " Verhandlungsrunde zwischen beiden chinesischen Regierungen
seit der Staatsteilung 1949"75
bewertet.76
2. Wiedervereinigungskonzepte
Der "Rat für Nationale Vereinigung" verabschiedete
im Februar 1991 ein Leitprogramm, in dem die Festlandspolitik der Rep. China
festgelegt wurde. Auf der Basis "Ein Land, zwei Regionen, zwei gleichberechtigte
Gebilde" wurde eine Wiedervereinigung in drei Phasen skizziert. Die erste
Phase beinhaltete die Schaffung einer Atmosphäre gegenseitigen Respekts,
gegenseitiger Anerkennung der politischen Strukturen, den Verzicht auf Gewaltanwendung
und Informationsaustausch. Zudem war davon die Rede, dass auf dem Festland wirtschaftliche
und politische Reformen angegangen werden sollten, um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
zu verwirklichen. In der zweiten Phase war die Einrichtung offizieller politischer
und wirtschaftlicher Kontakte vorgesehen sowie die gegenseitige Unterstützung
hinsichtlich der Beteiligung an internationalen Organisationen etc. Im letzten
Stadium der Annäherung sollte in einer gemeinsamen konsultativen Organisation
darüber beraten werden, in welchem konkreten Rahmen eine Wiedervereinigung
auf Basis von Demokratie, wirtschaftlicher Freiheit und Gerechtigkeit erreicht
werden könnte.77
Die in diesem Dokument vorgegebene Leitlinie, auf Basis gleichberechtigter Zusammenarbeit
eine demokratische chinesische Gesellschaft zu schaffen, war für die VR
China nicht annehmbar. Diese Vorschläge liefen auf eine von der VR China
strikt abgelehnte gegenwärtige Zeistaatlichkeit Chinas hinaus. Das im August
1993 vom "Amt für Taiwan-Angelegenheiten" und dem Presseamt beim
Staatsrat der VR China herausgegebene "Weißbuch" bezüglich
der Lösung der "Taiwan-Frage" schiug das oben schon geschilderte
Dengxiaoping-Modell "Ein Staat, Zwei Systeme" als einzig akzeptablen
Weg zur chinesischen Wiedervereinigung vor.78
Somit wird klar, dass sich beide Chinas zwar äußerlich, besonders
im Bereich offizieller privater und wirtschaftlicher Kontakte in den 90er Jahren
stark aneinander angenähert haben; die beiden Systemen zu Grunde liegenden
politischen Überzeugungen lassen eine baldige friedliche lösung jedoch
als sehr unwahrscheindlich erscheinen. Zudem hat gerade die fortschreitende
Demokratisierund auf Taiwan die Kluft zwischen deiden Systemen enorm vergrössert.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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