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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Das Verhältnis zwischen der VR China und der Republik
China auf Taiwan gestern und heute - Markus Höhne
IV. Friedliche Annäherung der beiden Chinas
A. Entwicklungen bis 1980
Sowohl Chiang Kaishek, als auch Mao Zedong vertraten die Ansicht,
dass es nur ein China gebe und dass Taiwan ein Teil dieses Landes sei. Allerdings
waren ihre Ansichten darüber, welche der beiden Seiten dieses Gesamtchina
legitim vertrete, diametral entgegengesetzt. Dies führte zu den oben geschilderten
militärischen und politischen Auseinandersetzungen. Doch Mitte der 60er
Jahre hatte sich sowohl bei der KMT-, als auch bei der KPCh-Führung die
Überzeugung durchgesetzt, dass ein schneller gewaltsamer Durchbruch zu
den jeweils eigenen Gunsten nicht zu erreichen war.
1. Auf Taiwan
Auf Taiwan trat in den 60er Jahren die Wiedereroberungspolitik
allmählich hinter politischen und wirtschaftlichen Konzepten zurück.
In seiner Neujahrsrede vom 1. Januar 1967 vertrat Chiang Kaishek erstmals öffentlich
die "70-30-Politik". Diese besagte, dass die Wiedereroberung des Festlandes
zu 70% eine politische und nur noch zu 30% eine militärische Aufgabe sei.49
Da Taipei jedoch auf Grund der oben skizzierten internationalen Entwicklungen
zunehmend in die Isolation getrieben wurde und somit die aussenpolitische Basis
verlor, konzentrierte sich die Politik der Rep. Taiwan gegen Ende der Ära
Kaishek (bis 1975) und zu Beginn der Regierung seines Sohnes Jiang Jingguo (Staatspräsident
von 1978 bis 1988) auf Veränderungen im Inneren der Republik. Das von der
KMT regierte Staatswesen gründete sich auf die von Sun Yatsen entwickelten
"Drei Prinzipien des Volkes"50 :
1) Nationalismus, 2) Demokratie, 3) soziale Wohlfahrt. Dabei beinhaltete das
erste Prinzip die Wiederherstellung der Einheit und die Unabhängigkeit
Chinas, das zweite die Erziehung des Volkes zu verantwortlichen Staatsbürgern
in einer parlamentarischen Demokratie und das dritte soziale und wirtschaftliche
Reformen sowie die gerechte Verteilung des Wohlstandes. Chiang Kaishek konzentrierte
sich vor allem auf das dritte Prinzip und förderte durch eine Landreform,
die Verstaatlichung der Schlüsselindustrien und Unterstützung von
Privatunternehmen den wirtschaftlichen Aufschwung Taiwans. Gleichzeitig kam
jedoch die Demokratisierung auf der Insel unter Kaishek zu kurz. Der autoritäre
Herrscher versuchte, die taiwanischen Eigenheiten in Kultur und Politik zu unterdrücken
und besetzte alle wichtigen Positionen in diesen Bereichen mit "Festländern".
Oppositionsparteien waren verboten. Wer, wie Prof. Peng Mingmin, der damalige
Abteilungsleiter der Politikwissenschaften an der Taiwan-Nationaluniversität
in Taipei, eine unabhängige "Republik Taiwan" propagierte, wurde
verfolgt. Besonders hinderlich für einen Demokratisierungsprozess war,
dass die Mandate des Parlaments seit 1949 "eingefroren" waren; erst
mit Erlaubnis von Zusatzwahlen 1969 wurde eine allmähliche Erneuerung dieses
"Greisenparlaments" möglich.51
Mit Regierungsantritt Jiang Jingguos 1978 begann die Entspannung
im Verhältnis "Inselbewohner" - "Festländer".
Im Zuge einer "Taiwanisierung" des politischen und gesellschaftlichen
Systems der Rep. China wurde nun die politische Partizipation, die Kultur und
die Traditionen der taiwanischen Bevölkerung gefördert. Eine erste
Oppositionspartei ("Dangwai") wurde in Lokalwahlen zugelassen; allerdings
verschärfte die aus der Annäherung zwischen der VR China und der USA
resultierende äussere Bedrohungssituation 1979 auch wieder den Druck nach
innen: Zusatzwahlen für das Parlament wurden Ende 1978 suspendiert, was
eine Radikalisierung der Opposition und innere Unruhen Ende 1979 zur Folge hatte.52
Insgesamt ist festzustellen, dass sowohl der innenpolitische Demokratiemangel
(faktisch "Einparteiensystem") als auch die aussenpolitische Blokadehaltung
Taipeis (die VR China unterbreitete der KMT seit ihrer erfolgreichen Annäherung
an die USA mehrere friedliche Wiedervereinigungsangebote, dazu weiter unten)
stets mit der äußeren Bedrohung durch eine festländische Invasion/erzwungene
"Kommunisierung" gerechtfertigt wurde. Die ablehnende Haltung der
KMT-Regierung ("Drei-Nein-Politik": Keine Kontakte, keine Verhandlungen,
keine Kompromisse) gegenüber allen Angeboten der Beijings wurzelte noch
in den schlechten Erfahrungen der Nationalen Volkspartei mit den Kommunisten
in der "Ersten" und "Zweiten Einheitsfront".53
2. Auf dem Festland
In der VR China setzte eine erste Welle der Gesprächs- und
Wiedervereinigungsangebote an die KMT nach dem China-Besuch des amerikanischen
Präsidenten 1972 ein. Die Gesprächsbereitschaft Beijings wurde in
den 70er Jahren auch durch eine rethorische Weiterentwicklung untermauert: Nach
und nach wurde der Terminus "Befreiung" durch "friedliche Wiedervereinigung"
ersetzt. Allerdings blieb die unter Mao (bis 1976) zementierte Grundhaltung
der Wiedervereinigungspolitik, ("Ein-China" bedeutete "Volksrepublik
China", Taiwan konnte zwar weitreichende Autonomie, jedoch niemals Selbstbestimmung
gewährt werden, beide Wirtschaftssysteme sollten sich letztlich auf Basis
des festländischen Modells vereinigen) völlig unakzeptabel für
die auf ihrer "Ein-China-Politik" (China = Republik China) beharrende
Regierung in Taipei. Erst nachdem der Reformer Deng Xiaoping, nach einer zweijährigen
Übergangsphase unter Hua Gofeng, im Jahre 1978 an die Macht gekommen war,
leitete die VR China substantielle Schritte in Richtung auf einer friedliche
Wiedervereinigung ein.54
Am 1. Januar 1979 wurde vom Ständigen Ausschuß des
Nationalen Volkskongresses der VR China die "Botschaft an die Landsleute
auf Taiwan" veröffentlicht. Damit kündigte Beijing das Ende der
Feindseeligkeiten an; die Beschießung der Insel Jinmen und anderer Inseln
in der Taiwan-Straße wurde beendet. Die VR China versprach, bei der Wiedervereinigung
den "Status QuoTaiwans und die Ansichten der verschiedenen Gesellschaftsschichten
auf der Insel zu respektieren und eine vernünftige Politik mit angemessenen
Regelungen durchzuführen".55
Zugleich wurde das Programm "Drei Verbindungen" (Post, Verkehr, Handel)
und "Vier Austauschbeziehungen" (Wirtschaft, Kultur, Technik, Sport)
vorgeschlagen. Deng Xiaoping versprach sogar, im Falle einer Wiedervereinigung
Taiwans Autonomie auf den Gebieten Wirtschaft, Politik und Militär anzuerkennen,
wenn die Insel im Gegenzug auf die Bezeichnung "Republik China" verzichte.
Überschattet wurde dieses weitgehende Angebot allerdings von der Drohung
Beijings, Gewalt anzuwenden, falls Taiwan sich mit der Sowjetunion verbünde
oder die Verhandlungen mit der VR China dauerhaft ablehne.56
Auf dieses engagierte Angebot der Festlands-Regierung musste Taipei
reagieren, um nach einem Jahrzehnt der Blokade und internationalen Isolation
wieder aussenpolitisch an Profil zu gewinnen.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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