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Das Verhältnis zwischen der VR China und der Republik China auf Taiwan gestern und heute - Markus Höhne

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III. Die "zwei Chinas" - Phase der Konfrontation bis Anfang der 70er Jahre

D. Wende in den Beziehungen zwischen den USA und der VR China

In den 60er Jahren bahnte sich eine entscheidende Wende in den Beziehungen zwischen Washington und Beijing an. Das durch die Kriege in Korea und Vietnam belastete Verhältnis beider Staaten lockerte sich auf, nicht zuletzt gefördert durch die zunehmenden Spannungen (bedingt durch ideologische Auseinandersetzungen zwischen KPdSU und KPCh sowie durch den oben erwähnten Grenzkonflikt) zwischen der VR China und der UdSSR. US-Präsident Nixon verkündete im Juli 1969 ein neues aussenpolitisches Konzept der Vereinigten Staaten; demnach wollten sich die USA aus Indochina zurückziehen sowie ihre militärische Präsenz in Ostasien und im West-Pazifik reduzieren; China solle nicht mehr isoliert, sondern wirtschaftlich und politisch wieder in die internationale Gemeinschaft eingebunden werden. Der Durchbruch in den rotchinesisch-amerikanischen Beziehungen wurde im Sommer 1970 in Geheimgesprächen zwischen Henry Kissinger und Zhou Enlai, den Aussenministern beider Staaten, erreicht; als Zeichen dieser neuen bilateralen Beziehungen wurde eine China-Reise des amerikanischen Präsidenten im Februar 1972 vereinbart. Auf dieser Reise unterzeichneten China und die USA am 27. Februar 1972 das "Shanghaier Komuniqué". In diesem Dokument wurde der Alleinvertretungsanspruch der VR China zwar nicht direkt anerkannt, die amerikanische Regierung bekräftigte jedoch, daß Taiwan ein Teil Chinas sei und gab der Hoffnung auf eine friedliche Lösung des China-Taiwan-Problems Ausdruck. Das Verhältnis Beijing-Washington hatte bis Ende 1978 allerdings noch inoffiziellen Charakter. Die Beziehungen liefen über 1973 gegründete halbamtliche Verbindungsbüros.

Daneben erhielt die USA die Verbindung zu Insel-China aufrecht; der 1954 geschlossene Verteidigungsvertrag und die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und der Rep. China blieben in Kraft. Der endgültige Wandel in den sino-amerikanischen Beziehungen vollzog sich erst zur Jahreswende 1978/79. Am 16. Dezember 1978 erklärten die VR China und die USA, dass sie ab 1. Januar 1979 offizielle diplomatische Beziehungen miteinander aufnehmenwerden; Amerika gab gleichzeitig bekannt, dass es fortan die Volksrepublik China als die einzig rechtmäßige Regierung Chinas anerkennen und somit die diplomatischen Beziehungen zu Taiwan beenden werde. Ebenso wurde die Kündigung des Verteidigungsabkommens zwischen den Vereinigten Staaten und der Republik China zum 1. Januar sowie der Abzug des verbleibenden militärischen Personal der Vereinigten Staaten von Taiwan innerhalb von vier Monaten bekanntgegeben.39

Dies bedeutete für Taiwan einen herben Einfluß- und Sicherheitsverlust auf der internationalen und zwischenchinesischen Ebene. Dennoch wurde die chinesische Republik von den USA nicht gänzlich den kommunistischen Kräften auf dem Festland ausgeliefert. Am 10. April 1979 trat, gefördert durch die amerikanische Taiwan-Lobby, die den China-Taiwan-Konflikt, von den ideologisierenden Darstellungen des Bürgerkrieges durch die KMT geprägt, als Kampf der Freiheit gegen die Sklaverei, der Demokratie gegen die Diktatur etc. ansah40, der "Taiwan Relation Act" zwischen den USA und Taiwan in Kraft. Darin wird erklärt, "dass der Friede und die Stabilität in diesem Raum (westpazifischer Raum, Anm.d.Verf.) im politischen, militärischen und wirtschaftlichen Interesse der Vereinigten Staaten liegt und eine Angelegenheit von internationalem Interesse ist".41 Es wird betont dass die USA nur eine friedliche Lösung des China-Taiwan-Problems akzeptieren werden; auch die Versorgung Taiwans mit defensiven Waffen wird in diesem Gesetz legalisiert.42

Insgesamt war der Annäherungsprozess zwischen USA und China stark von oben schon angedeuteten Neugewichtungen im internationalen Kräftefeld, vor allem bezüglich der Sowjetunion, bestimmt." Während für die USA eine Stärkung der amerikanischen Position gegenüber Moskau mit einer Annäherung an Beijing angestrebt wurde, ging es China primär darum, die sowjetische Bedrohung zu neutralisieren."43 Diese Wende in der China-Politik Amerikas wurde auch von innerchinesischen Entwicklungen begünstigt. So kam im Dezember 1978 die Reformgruppe um Deng Xiaoping in der VR China an die Macht, deren Programm eine Wirtschaftsreform (industrieller Aufschwung etc.) auf dem Festland beinhaltete; dabei war man auf Kooperation mit dem industrialisierten Westen und auf Frieden in der Taiwan-Straße angewiesen.44 Für die USA, die in den 70er Jahren im Vietnam-Krieg die Grenzen ihrer militärischen internationalen Machtpolitik erkennen mussten,45 bot sich somit die Chance, im Spiel der Supermächte durch Kooperation mit einem zunehmend friedlich und wirtschaftlich aufgeschlossen erscheinenden China (das zudem ein ungeheures wirtschaftliches Zukunftspotential bot), zu ihren Gunsten zu punkten. Natürlich wirkten sich diese spektakulären Bewegungen in den sino-amerikanischen Beziehungen auch nachhaltig auf die internationale Stellung der Rep. China und die innerchinesischen Beziehungen aus.

 

Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

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