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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Das Verhältnis zwischen der VR China und der Republik
China auf Taiwan gestern und heute - Markus Höhne
III. Die "zwei Chinas" - Phase der Konfrontation
bis Anfang der 70er Jahre
A. Die Situation auf Taiwan 1945-1949
Im Jahre 1895 war Taiwan, eine Provinz des chinesischen Kaiserreichs,
mit einigen weiteren Inseln im Shimonoseki-Friedensvertrag an Japan abgetreten
worden. Erst nach 50 Jahren, mit der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg,
wurde Taiwan wieder zu einem Teil Chinas. Auf einer Konferenz in Kairo im November
1943 vereinbarte die Republik China mit den USA und Großbritannien die
Rückgabe der Mandschurei, Taiwans (Formosas) und der Pescadores-Inseln.
Dieser Beschluß wurde auf der Konferenz von Potsdam im Juli 1945 bekräftigt;
auch die Sowjetunion und Frankreich schlossen sich an.
Am 25. Oktober 1945 wurde Taiwan im gegenseitigen Einverständnis
Taipeis und Beijings zu einer Provinz der Republik China. Die Regierung des
Festlandes übernahm die Verwaltung der Insel. Doch die anfängliche
Euphorie der Bevölkerung Taiwans schlug rasch in Unzufriedenheit um. Die
neue KMT-Herrschaft auf der Insel machte sich unbeliebt; das korrupte Regime
unter Gouverneur Chen Yi beutete Taiwan aus (u.a. um den Kampf der eigenen Truppen
gegen Kommunisten auf dem Festland zu finanzieren). Am 28. Februar 1947 erhob
sich die Bevölkerung gegen die Provinzregierung. Der zweiwöchige Aufstand
wurde von nationalchinesischen Truppen blutig niedergeschlagen; danach kam es
zu staatlichen Verfolgungen der "Widerständler", bei denen viele
hundert Taiwanesen den Tod fanden. Dieses Ereignis (bis 1987 absolutes Tabuthema
auf Taiwan) prägt bis in die jüngste Zeit das gespannte Verhältnis
zwischen "Taiwanesen"15
und "Festländern".16
Die Verfassung der Republik China aus dem Jahre 1946 wurde auf
Taiwan zudem von Kriegsrecht und Ausnahmegesetzen eingeschränkt. Sehr folgenschwer
in diesem Zusammenhang waren die "Vorläufigen Bestimmungen zur Mobilisierung
für die Zeit der Niederschlagung der kommunistischen Rebellion" von
1948. Diese Bestimmungen höhlten die Verfassung aus, erweiterten die Machtbefugnisse
des Staatspräsidenten enorm (keine Amtszeitbeschränkung, Recht auf
Einrichtung besonderer Exekutivorgane zur Aufrechterhaltung der öffentlichen
Ordnung etc.) und bildeten die Grundlage für die autoritäre Herrschaft
Chiang Kaisheks.17
Die 1949 auf die Insel geflohene KMT war im Bewußtsein der
Inselbevölkerung ein Fremdkörper. Die wichtigste Aufgabe des Kaishek-Regimes
ab 1949, die "Rückeroberung des Festlandes", war nicht vornehmliches
Ziel der taiwanischen Bevölkerung, die in den 50 Jahren unter japanischer
Herrschaft eine eigene Entwicklung, abseits von den revolutionären Bürgerkriegswirren
des Festlandes, erfahren hatte.18
Zudem wurde der Herrschaftsapparat der KMT auf Taiwan bis Ende der 60er Jahre
ausschließlich von Festlandchinesen bedient; die Inselbewohner wurden
politisch und auch gesellschaftlich (Zugang zu Bildungsmöglichkeiten etc.),
als Bürger "zweiter Klasse" behandelt.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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