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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Das Verhältnis zwischen der VR China und der Republik
China auf Taiwan gestern und heute - Markus Höhne
II. Wurzeln des Bürgerkriegs
A. Gründung der Republik China
Chinas politische und gesellschaftliche Ordnung wurde in der Mitte
des 19.Jahrhunderts nachhaltig von externen Faktoren gestört. Das "Reich
der Mitte" war lange Zeit die zentrale Macht im ostasiatisch-konfuzianischen
Kulturkreis und verstand sich selbst als "Ursprungsland und Zentrum aller
Weltkulturen, Hauptschauplatz von Weltgeschichte".3
Nach über 2000 Jahren relativer Abgeschiedenheit von den Entwicklungen
auf anderen Kontinenten wurde die chinesische Ordnung durch Angriffe der expandierenden
westlichen Kolonialmächte zerstört. Die "westlichen Barbaren"
aus Großbritannien (Opiumkrieg 1839-1842), Rußland, Frankreich und
Japan (errang Herrschaft über Taiwan und die Pescadores-Inseln 1894/95)
unterwarfen China ihren Interessen; die chinesischen Abwehrversuche (u.a. Boxer-Aufstand
im Jahr 1900: patriotische Sportler-Geheimbünde versuchten China mittels
Gewalt und Magie von den Ausländern zu befreien) scheiterten.4
Erst die von dem Anführer des "Chinesische Revolutionsbundes",
Dr. Sun Yatsen (1866-1925), entwickelten Ideen und Ziele (Erlangung der chinesischen
Volkssouveränität, Errichtung einer parlamentarisch-demokratisch regierten
Republik China, Durchführung sozio-ökonomischer Reformen) hatten die
Kraft, eine Revolution auszulösen. Im Oktober 1911 wurde die mandschurische
Qing-Dynastie gestürzt. Am 1. Januar proklamierte Sun Yatsen die Gründung
der Republik China.
1. Erste Einheitsfront (1923-1927)
Nach einer kurzen Zeit republikanischer Ordnung versank das Land
ab 1916 wieder im Chaos; die Militärgouverneure der verschiedenen Provinzen
bekämpften sich gegenseitig.5
In dieser Situation sammelte Sun Yatsen im Süden des Landes republikanisch-revolutionäre
Kräfte um sich, um eine bewaffnete Wiedervereinigung des zerfallenden Landes
zu erreichen. Sun Yatsens Nationalistische Volkspartei (Kuomintang/KMT) ging,
nachdem die westlichen Mächte zu keiner Unterstützung bereit waren,
1924 ein Bündnis mit der Sowjetunion ein.
Moskau hoffte, da die kommunistische Partei in China noch zu schwach
war, die Revolution der KMT für eigene Zwecke ausnutzen zu können.
Den chinesischen Kommunisten wurde empfolen, sich der Partei Sun Yatsens anzuschließen,
diese zu unterwandern und nach einer Zeit des Erstarkens selbst die Macht an
sich zu reissen.6
In dieser "Ersten Einheitsfront" waren äusserst
heterogene Gruppen7
miteinander vereint. Die Kommunisten wollten letztlich die eigene, unmoderne
Kulturtradition überwinden und eine von der KPCh geführte Diktatur
des Proletariats noch Vorbild der Sowjetunion errichten, während die Nationalistische
Volkspartei das Ziel hatte, nach einer zeitlich begrenzten Vormundschaftsregierung
ein demokratisches Statswesen mit einer nach allen Seiten hin flexiblen, pragmatischen
Aussenpolitik, in dem sich eigene Traditionen und moderne Kulturinhalte verbinden,
zu errichten.8
Kurz nach dem Tod Sun Yatsens 1925 begann der Feldzug zur Wiedervereinigung
Chinas unter Führung von Chiang Kaishek. Der nationalrevolutionäre
Kampf konnte rasch Erfolge feiern. Die Westmächte wurden auf das Geschehen
in China aufmerksam und versuchten nun durch Konzessionen (Auflösung der
China bedrückenden Verträge aus Zeiten der kolonialen Eroberung, Wiedergewinnung
der verlorengegangenen Zollhoheit) die Verbindung der Wiedervereinigungs-Bewegung
zur Sowjetunion zu lockern.
Im Frühjahr 1927 brach der "latente Konflikt"9
zwischen Kommunisten und Nationalen offen aus: Die KPCh löste sich aus
der Einheitsfront, ihre Kämpfer besetzten Shanghai, das damals wichtigste
Handelszentrum Chinas. Doch gelang es den Truppen Chiang Kaisheks im April 1927,
die Kommunisten zu zerschlagen. Daraufhin wurde in Nanking eine neue chinesische
Nationalregierung ohne Beteiligung der KPCh gegründet. Dies war der Beginn
des noch heute unbeendigten Bürgerkriegs in China.10
2. Zweite Einheitsfront (1937-1945)
Die chinesischen Kommunisten zogen sich in das ostchinesische
Bergland zurück, gründeten in der Provinz Kiangesi eine "Chinesische
Räterepublik" und organisierten von dort aus, unter Leitung Mao Zedongs
den Kanpf gegen die Nationalregierung. Allerdings gelang es den Truppen Chiang
Kaisheks 1935, diese Räterepublik zu erobern. Die kommunistische Armee
wurde in die Flucht geschlagen, viele KPCh-Kämpfer kamen auf dem "langen
Marsch" (Fluchtbewegung der chinesischen Roten Armee, von National-Armee
verfolgt) um.
Der 1937 beginnende Agressionskrieg Japans gegen China bot den
Kommunisten die Chance einer Wiederbelebung ihrer Kräfte. KMT und KPCh
schlossen sich unter dem Ziel der gemeinsamen Landesverteidigung oberflächlich
in der "Zweiten Einheitsfront" zusammen, arbeiteten jedoch unterschwellig
weiterhin gegeneinander. Im Verlauf des achtjährigen Krieges änderte
sich das innerchinesische Kräfteverhältnis. Die Kommunisten waren
bei Kriegsende 1945 den Nationalchinesischen Kräften überlegen.11
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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