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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die Politik des Pragmatismus
in der Post-Mao-Ära – Wirtschaftliche Öffnung ohne politische Reform?
- Henrik Schillinger
- Zusammenfassung -
Die von maoistischer Ideologie bestimmten sozialistischen Experimente
des ‘Großen Sprungs’ und der Kulturrevolution hatten Millionen von Leben
gekostet und Chinas Entwicklung um Jahrzehnte zurückgeworfen. Die ideologisch
geprägte maoistische Fraktion war nachhaltig diskreditiert, so daß
eine Gruppe pragmatisch orientierter Funktionäre um Deng Xiaoping nach
Maos Tod die Macht erringen konnte. Diese Fraktion vertrat die Auffassung, daß
es notwendig sei, ohne ideologische Vorbehalte alle Kräfte und Möglichkeiten
auszuschöpfen, um Chinas Rückständigkeit zu überwinden –
freilich unter dem Vorbehalt, daß die Macht der Kommunistischen Partei
gewahrt bleibe.
Deng Xiaoping leitete schließlich 1978 mit seiner Kampagne
zu ‘Befreiung des Denkens’ die Abkehr der Volksrepublik China von der kommunistischen
Ideologie hin zu einer pragmatischen Reformpolitik ein: "Es spielt keine
Rolle, ob die Katze schwarz oder weiß ist – Hauptsache sie fängt
Mäuse." Deng forderte zum Lernen von den kapitalistischen Staaten
auf und definierte China zu einer sozialistischen Marktwirtschaft um, die durch
tiefgreifende wirtschaftliche Reformschritte in Richtung einer kapitalistischen
Wirtschaftsordnung ausgestaltet wurde. Die rapiden wirtschaftlichen Veränderungen
zogen jedoch die Notwendigkeit politischer Reformen und Liberalisierung nach
sich. Die politische Liberalisierung wiederum ermutigte Demokratieforderungen,
die schließlich 1989 in den Demonstrationen auf dem Tiananmen-Platz gipfelten.
Die sozioökonomischen Probleme, die aus den wirtschaftlichen
Umwälzungen resultierten und die Liberalisierungsforderungen gefährdeten
zunehmend das Herrschaftsmonopol der Kommunistischen Partei (KPCh). Die hatte
bereits bei mehreren Gelegenheiten repressive Reaktionen des Regimes provoziert.
Nach den Ereignissen auf dem Platz des himmlischen Friedens und mit dem Zusammenbruch
der Sowjetunion als abschreckendes Beispiel vor Augen versuchte die regierende
Partei mehr denn je, wirtschaftliche Öffnung zu forcieren, ohne jedoch
politische Zugeständnisse zu gewähren – über wirtschaftlichen
Erfolg und innere Stabilität ihre Alleinherrschaft zu legitimieren. Die
Zukunft wird zeigen, ob es der KPCh gelingt, China in die Riege der führenden
Nationen der Erde zu tragen, ob China von seinen inneren Widersprüchen
zerrissen wird oder ob sich die westliche Hoffnung auf eine friedliche Evolution
Chinas über eine kapitalistische Marktordnung hin zu einer pluralistischen
Demokratie westlichen Zuschnitts erfüllt.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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