IV. Fazit
Das Ende der "Grossen Proletarischen Kulturrevolution" markiert
gleichzeitig das Ende der Ära Mao Zedong - der Phase also, in welcher der
grosse chinesische Parteiführer massgeblich die Geschicke der Volksrepublik
China beeinflusste.64
Heute geniesst Mao in China besonders bei der Jugend Kultstatus, obwohl er
seine Idee von der vollkommenen kommunistischen Gesellschaft nicht verwirklichen
konnte und viel Unheil angerichtet hat.
Auch die Ära Mao Zedong ist ein Beispiel dafür, dass die schöne
Idee der kommunistischen Gesellschaft in der alle Menschen gleich und geeint
sind und in der materielle Faktoren keine Rolle mehr spielen, immer wieder
an der praktischen Umsetzbarkeit scheitert.
Rainer Hoffmann schreibt dazu: "Die Revolution ist bei Mao
Zedong ständig in der Gefahr, von den übermächtigen egoistischen Interessen
der bürokratischen Eliten überwuchert zu werden [...].Nur der dauernde Kampf
kann die Revolution vor diesem Schicksal bewahren. Mao fordert von seinen
Gefolgsleuten eine ständige Bereitschaft, die Pflugschar mit dem Schwert zu
vertauschen, einen eisernen Willen, die Mauern der sozialistischen Stadt nie
unbemannt zu lassen. Die Widerspruchstheorie der Welt, die Mao entwickelt,
kennt keinen harmonischen Endzustand, kein Ausruhen [...]. In einem Kosmos
der Unruhe und des ewigen Ungleichgewichts kann der Mensch nur dann Subjekt
werden und bleiben, wenn er bereit ist auf Ruhe zu verzichten. Nur die rastlose
Anspannung aller Kräfte gibt Hoffnung, die Insel der klassenlosen Gesellschaft
über dem Wasser einer Geschichte zu halten, die auf ständige Ausdifferenzierung
der menschlichen Beziehungen abgestellt ist. [...] Der kommunistische Mensch
soll sich nie fest ansiedeln, nie heimisch werden."65
Die Geschichte der "Kulturrevolution" und auch die Geschichte
der Ära Mao Zedong zeigen, dass Mao den Menschen zu hoch eingeschätzt hat.
Wenn man betrachtet, welche der Strömungen nach der "Kulturrevolution" sehr
schnell die Oberhand gewann, dann sieht man, dass es diejenige um die Pragmatiker
Hua Guofeng (Nachfolger Maos als Parteiführer) und Deng Xiaoping war. Hua
konnte den Menschen "Ruhe und Ordnung" versprechen und damit die Chance, die
Früchte des Aufbaus zu sichern und zu geniessen. Offenbar ist das eher die
Linie, der die Massen Folge leisten, ohne dass die Bewegung entartet.66
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