LOGO CHINAFOKUS
   Berlin: 08:03   Peking: 14:03 Impressum | Kontakt | Sitemap 
Stichwortsuche
LOS
THEMENFOKUS
Galerie
BRANCHENFOKUS
REISEN
BÜCHERFOKUS
CHINAGRUSS

Olympia-Special Beijing 2008

Wetter in Beijing


Letzte Zuflucht Schanghai

    THEMEN > Geschichte >
Projektgruppe Model United Nations, München 2000 The world belongs to all

Die "Große Proletarische Kulturrevolution" - Hintergründe, Verlauf und Auswirkungen - Evi Zingraf

  I     II     III     IV     V     Inhaltsverzeichnis des Artikels

III. Die Grosse Proletarische Kulturrevolution

A. Ziele und Motive Maos in der Kulturrevolution
B. Historischer Verlauf der Grossen Proletarischen Kulturrevolution
C. Ergebnisse und Auswirkungen der Kulturrevolution

C. Ergebnisse und Auswirkungen der Kulturrevolution

1. "Kulturrevolutionäre" bis in den Tod

Zunächst zeigte sich sehr schnell, dass sich die "Grosse Proletarische Kulturrevolution" nicht einfach durch den Parteitagsbeschluss im April 1969 stoppen liess.

Ende August 1970 veranlasste Mao Zedong auf dem 2. Plenum des IX. ZK die Abschaffung des Amtes des Staatspräsidenten, was nicht im Sinne Lin Biaos war, der sich Hoffnungen auf das Amt gemacht hatte. Daraufhin sammelte Lin Biao seine Anhänger, um einen Putsch vorzubereiten. Im September 1971 scheitert ein Putschversuch und Lin Biao stürzt auf der Flucht über der Mongolei mit dem Flugzeug ab. Nach dem "Sturz" Lin Biaos kristallisierte sich als linker Gegenpol zu den Parteipragmatikern um den Premier Zhou Enlai die Gruppe um Maos Frau Jiang Qing und die Shanghaier Funktionäre Zhang Chunqiao und Yao Wenyuan. Zur Förderung der "kulturrevolutionären Errungenschaften" richten sich zahlreiche innenpolitische Kampagnen zwischen 1971 und 1975 gegen den einstigen Generalsekretär der Partei, Deng Xiaoping (im Frühjahr 1973 rehabilitiert), der an Stelle des erkrankten Zhou Enlai seit Anfang 1975, als 1. Vizepremier, die Regierungsgeschäfte leitete. Nach dem Tod Zhou Enlais gelingt der Parteilinken vorläufig der Durchbruch in einer Reihe von Kampagnen zur Wiederbelebung der "Kulturrevolution": So wird statt Deng Xiaoping der bisherige Sicherheitsminister, Hua Guofeng, zum geschäftsführenden Premier ernannt. Spontane Trauerbekundungen der Bevölkerung für den verstorbenen Zhou Enlais auf dem Platz des Himmlischen Friedens werden gewaltsam niedergeschlagen (1.-5. April 1976 Tiananmen-Zwischenfall). Am 7. April 1976 wird Deng Xiaoping nach wochenlanger, von Mao gebilligter Kampagne erneut aller Partei- und Staatsämter enthoben.59

Am 8. September 1976 stirbt Mao Zedong im Alter von 82 Jahren. Ein scharfer Kampf um seine Nachfolge setzt ein. Bereits am 7. Oktober 1976 wird die linksextremistische "Viererband" zu der auch Maos Frau gehört verhaftet. Jiang Qing und Maos Schwiegersohn Yao Wenyuan werden 1981 zum Tode verurteilt und 1983 hingerichtet. Wang Hongwen und Zhang Chunqiao erhalten lebenslange Freiheitsstrafen. Deng Xiaoping wurde bereits im August 1977 wieder rehabilitiert.60

2. Was haben die Maoisten erreicht?

Jürgen Domes schreibt hierzu: "Der Nutzen der Widerspruchslehre Mao Zedongs liegt deutlich in der Möglichkeit der Führung, jeweils erwünschte politische Veränderungen als entwicklungshistorische Notwendigkeit zu rationalisieren. Für eine geschickte und machtbewusste Elite liefert diese Lehre den Mythos, der ihre Herrschaftsausübung autorisiert. [...] Wenn das aus diesem Konzept abgeleitete politische Programm der "Kulturrevolution" nicht lediglich dazu bestimmt war, einen Macht- und Richtungskampf zu entscheiden, dann bedeutet der Ausgang der "Kulturrevolution" eine Niederlage für Mao."61

Es gelang den Maoisten letztlich nicht das propagierte ideologische Ziel zu erreichen, also die wachsende Tendenz zum "Revisionismus" der maoistischen Politik der "Drei Roten Banner" zu stoppen, die ausgelegt war, die chinesische Gesellschaft durch die Mobilisierung der Massen in den vollkommenen Kommunismus zu führen. Dafür war die machtpolitische Intention Maos und seiner Anhänger in der "Kulturrevolution" - nämlich die intellektuelle Opposition zum Schweigen zu bringen und die Mehrheit der gegen Mao agierenden zivilen Parteiführung zu stürzen - von Erfolg gekrönt.

Die innenpolitische Krise, die durch die "Grosse Proletarische Kulturrevolution" herbeigeführt wurde, brachte für das politische und wirtschaftliche System der Volksrepublik China Resultate, die von den Initiatoren um Mao kaum beabsichtigt waren:62

  1. Wesentliche politische Entscheidungsbefugnisse gingen zweifellos über in die Hand des Militärs. Sie füllten als letzte verbliebene intakte Instanz des Herrschaftssystems schnell das Vakuum, welches durch die Zerschlagung des Partei- und Herrschaftsapparates entstanden war.
  2. Der Einfluss regionaler Führungsgruppen in den Spitzengremien der KPCh stieg überproportional an und brachte eine starke Ausweitung der wirtschaftlichen und administrativen Autonomie der Regionen mit sich, die dem Gedankengut der Maoisten diametral entgegenstehen.
  3. Nicht zuletzt hatte die "Kulturrevolution" auch wirtschaftliche Folgen. So dauerte es bis Mitte 1969 bis in allen Provinzen die Arbeiter wieder auf das Feld oder in die Betriebe zurückgekehrt waren. Auch die bis zu vierjährige Pause der Schulen und Universitäten, bracht negative wirtschaftliche Konsequenzen mit sich, die jedoch erst später sichtbar wurden: Welches Land kann schon auf vier Jahrgänge von Schul- und Hochschulabsolventen verzichten?

Auf die Außenwelt hatte die chinesische "Kulturrevolution" wenig Auswirkungen und umgekehrt. Erst 1972 wird die Volksrepublik China aussenpolitisch wieder aktiver. Am 25. Oktober wird die VR als Vertreterin Chinas in die UNO aufgenommen und nimmt gleichzeitig diplomatische Beziehungen auch zu den westlichen Staaten auf - allen voran zur USA.63

 

Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

Oben
CHINAFOKUS ist ein Service der INSIDE A Communications AG
© 2000-2009 / INSIDE A         Impressum, Nutzungsbedingungen
Zum Artikel
Zusammen-
fassung

Inhaltsverzeichnis
Projektgruppe NMUN

Zum Thema
Artikel/Beiträge Mao und Stalin
Internet-Links
Poster aus der Zeit der Kulturrevolution
Der Höhlenmarxist:
Mao Tse-tung

Bücher Bücher
Wang, Lulu Das Seerosenspiel