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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die "Große Proletarische Kulturrevolution" - Hintergründe,
Verlauf und Auswirkungen - Evi Zingraf
III. Die Grosse Proletarische Kulturrevolution
A. Ziele und Motive Maos in der Kulturrevolution
B. Historischer Verlauf der Grossen Proletarischen Kulturrevolution
| C. Ergebnisse und Auswirkungen der Kulturrevolution |
C. Ergebnisse und Auswirkungen der Kulturrevolution
1. "Kulturrevolutionäre" bis in
den Tod
Zunächst zeigte sich sehr schnell, dass sich die "Grosse Proletarische
Kulturrevolution" nicht einfach durch den Parteitagsbeschluss im April 1969
stoppen liess.
Ende August 1970 veranlasste Mao Zedong auf dem 2. Plenum des
IX. ZK die Abschaffung des Amtes des Staatspräsidenten, was nicht im Sinne Lin
Biaos war, der sich Hoffnungen auf das Amt gemacht hatte. Daraufhin sammelte
Lin Biao seine Anhänger, um einen Putsch vorzubereiten. Im September 1971 scheitert
ein Putschversuch und Lin Biao stürzt auf der Flucht über der Mongolei mit dem
Flugzeug ab. Nach dem "Sturz" Lin Biaos kristallisierte sich als linker Gegenpol
zu den Parteipragmatikern um den Premier Zhou Enlai die Gruppe um Maos Frau
Jiang Qing und die Shanghaier Funktionäre Zhang Chunqiao und Yao Wenyuan.
Zur Förderung der "kulturrevolutionären Errungenschaften" richten sich zahlreiche
innenpolitische Kampagnen zwischen 1971 und 1975 gegen den einstigen Generalsekretär
der Partei, Deng Xiaoping (im Frühjahr 1973 rehabilitiert), der an Stelle des
erkrankten Zhou Enlai seit Anfang 1975, als 1. Vizepremier, die Regierungsgeschäfte
leitete. Nach dem Tod Zhou Enlais gelingt der Parteilinken vorläufig der
Durchbruch in einer Reihe von Kampagnen zur Wiederbelebung der "Kulturrevolution":
So wird statt Deng Xiaoping der bisherige Sicherheitsminister, Hua Guofeng,
zum geschäftsführenden Premier ernannt. Spontane Trauerbekundungen der Bevölkerung
für den verstorbenen Zhou Enlais auf dem Platz des Himmlischen Friedens werden
gewaltsam niedergeschlagen (1.-5. April 1976 Tiananmen-Zwischenfall). Am 7.
April 1976 wird Deng Xiaoping nach wochenlanger, von Mao gebilligter Kampagne
erneut aller Partei- und Staatsämter enthoben.59
Am 8. September 1976 stirbt Mao Zedong im Alter von 82 Jahren.
Ein scharfer Kampf um seine Nachfolge setzt ein. Bereits am 7. Oktober 1976
wird die linksextremistische "Viererband" zu der auch Maos Frau gehört verhaftet.
Jiang Qing und Maos Schwiegersohn Yao Wenyuan werden 1981 zum Tode verurteilt
und 1983 hingerichtet. Wang Hongwen und Zhang Chunqiao erhalten lebenslange
Freiheitsstrafen. Deng Xiaoping wurde bereits im August 1977 wieder rehabilitiert.60
2. Was haben die Maoisten erreicht?
Jürgen Domes schreibt hierzu: "Der Nutzen der Widerspruchslehre
Mao Zedongs liegt deutlich in der Möglichkeit der Führung, jeweils erwünschte
politische Veränderungen als entwicklungshistorische Notwendigkeit zu rationalisieren.
Für eine geschickte und machtbewusste Elite liefert diese Lehre den Mythos,
der ihre Herrschaftsausübung autorisiert. [...] Wenn das aus diesem Konzept
abgeleitete politische Programm der "Kulturrevolution" nicht lediglich dazu
bestimmt war, einen Macht- und Richtungskampf zu entscheiden, dann bedeutet
der Ausgang der "Kulturrevolution" eine Niederlage für Mao."61
Es gelang den Maoisten letztlich nicht das propagierte ideologische
Ziel zu erreichen, also die wachsende Tendenz zum "Revisionismus" der maoistischen
Politik der "Drei Roten Banner" zu stoppen, die ausgelegt war, die chinesische
Gesellschaft durch die Mobilisierung der Massen in den vollkommenen Kommunismus
zu führen. Dafür war die machtpolitische Intention Maos und seiner Anhänger
in der "Kulturrevolution" - nämlich die intellektuelle Opposition zum Schweigen
zu bringen und die Mehrheit der gegen Mao agierenden zivilen Parteiführung zu
stürzen - von Erfolg gekrönt.
Die innenpolitische Krise, die durch die "Grosse Proletarische
Kulturrevolution" herbeigeführt wurde, brachte für das politische und wirtschaftliche
System der Volksrepublik China Resultate, die von den Initiatoren um Mao kaum
beabsichtigt waren:62
- Wesentliche politische Entscheidungsbefugnisse gingen zweifellos über in
die Hand des Militärs. Sie füllten als letzte verbliebene intakte Instanz
des Herrschaftssystems schnell das Vakuum, welches durch die Zerschlagung
des Partei- und Herrschaftsapparates entstanden war.
- Der Einfluss regionaler Führungsgruppen in den Spitzengremien der KPCh
stieg überproportional an und brachte eine starke Ausweitung der wirtschaftlichen
und administrativen Autonomie der Regionen mit sich, die dem Gedankengut der
Maoisten diametral entgegenstehen.
- Nicht zuletzt hatte die "Kulturrevolution" auch wirtschaftliche Folgen.
So dauerte es bis Mitte 1969 bis in allen Provinzen die Arbeiter wieder auf
das Feld oder in die Betriebe zurückgekehrt waren. Auch die bis zu vierjährige
Pause der Schulen und Universitäten, bracht negative wirtschaftliche Konsequenzen
mit sich, die jedoch erst später sichtbar wurden: Welches Land kann schon
auf vier Jahrgänge von Schul- und Hochschulabsolventen verzichten?
Auf die Außenwelt hatte die chinesische "Kulturrevolution" wenig
Auswirkungen und umgekehrt. Erst 1972 wird die Volksrepublik China aussenpolitisch
wieder aktiver. Am 25. Oktober wird die VR als Vertreterin Chinas in die UNO
aufgenommen und nimmt gleichzeitig diplomatische Beziehungen auch zu den westlichen
Staaten auf - allen voran zur USA.63
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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