LOGO CHINAFOKUS
   Berlin: 07:51   Peking: 13:51 Impressum | Kontakt | Sitemap 
Stichwortsuche
LOS
THEMENFOKUS
Galerie
BRANCHENFOKUS
REISEN
BÜCHERFOKUS
CHINAGRUSS

Olympia-Special Beijing 2008

Wetter in Beijing


Letzte Zuflucht Schanghai

    THEMEN > Geschichte >
Projektgruppe Model United Nations, München 2000 The world belongs to all

Die "Große Proletarische Kulturrevolution" - Hintergründe, Verlauf und Auswirkungen - Evi Zingraf

  I     II     III     IV     V     Inhaltsverzeichnis des Artikels

III. Die Grosse Proletarische Kulturrevolution

B. Historischer Verlauf der Grossen Proletarischen Kulturrevolution

Die Ereignisgeschichte der "Grossen Proletarischen Kulturrevolution" lässt sich nach Oskar Weggel in neun Phasen einteilen, die als Überblick und Gliederung dieses Kapitels dienen sollen:40

  1. Phase: Nov. 1965 - Mai 1966 verstärkter ideologischer Kampf, vor allem gegen den "Revisionismus" verschiedener mit Liu Shaoqi in Verbindung stehender Intellektueller.
  2. Phase: Mai 1966 - Aug. 1966 aus dem Ideologiestreit wird ein Machtkampf (Formierung der "Roten Garden", Säuberungskampagnen, "16-Punkte-Beschluss" über die Ziele der "Kulturrevolution").
  3. Phase: Sept. 1966 - Jan. 1967 Rotgardisten und revolutionäre Rebellen zerstören weitgehend den Partei- und Staatsapparat.
  4. Phase: Jan. 1967 - Juli 1967 Die "Kulturrevolution" greift auf Landwirtschaft und Industrie über; die Armee greift zugunsten der "Linken" ein; Bildung von Revolutionskomitees
  5. Phase: Juli 1967 Höhe- und Wendepunkt der "Kulturrevolution" im Wuhan-Zwischenfall (beinahe Spaltung zwischen Militär und Pekinger Führung).
  6. Phase: Aug. 1967 - April 1969 Periode der Konsolidierung; besonders in den Provinzen schwere Zusammenstösse zwischen Armee und Rotgardisten.
  7. Phase: ab Nov. 1967 Revolutionskomitees mit sehr starker Beteiligung des Militärs.
  8. Phase: ab Juli 1968 Arbeiterpropagandatrupps werden zur Kontrolle in Schulen und Universitäten abgestellt.
  9. Phase: 1. April 1969 IX. Parteitag der KPCh; Ende der "Kulturrevolution"; neues Parteistatut; offizieller Beginn des Wiederaufbaus der Partei.

1. Die 1. Phase (November 1965 bis Mai 1966)

Ende Oktober 1965 war Mao Zedong, wie bereits erwähnt, aus Peking abgereist nach Shanghai. Der Kreis seiner engsten Mitarbeiter (Chen Boda, Privatsekretär und Berater Maos, Jiang Qing, Frau Maos, und Zhang Chunqiao, Erster Sekretär des Regionalbüros Ostchina des Politbüros) arbeitete jedoch in der Nähe der Hauptstadt an einem Gegenangriff auf die "Neue Rechte". Ohne vorherige Absprache mit der Parteizentrale veröffentlichte die Gruppe am 10. November in der Shanghaier Zeitung Wenhuibao einen Artikel gegen den Theaterregisseur und Vizebürgermeister von Peking, Wu Han, wegen dessen Mao-kritischen Schauspiels Die Entlassung Hai Ruis. Bis Anfang Dezember 1965 wurde der von Maos Schwiegersohn, Yao Wenyuan, verfasste Artikel in 14 weiteren Zeitungen abgedruckt. Die Zeitung der Parteizentrale Renmin Ribao (RMRB) veröffentlichte den Artikel mit einem Kommentar, der deutlich machen sollte, dass die Kontroverse als "nicht-antagonistischer Widerspruch" behandelt würde - eine offene Debatte also erwünscht sei. Diese unscheinbar wirkende Episode war ein klares Zeichen an den Staatspräsidenten, Liu Shaoqi, dass Mao sich, trotz seines Rückzuges nach Shanghai, nicht mit der Linie der "Neuen Rechten" abfinden würde.41

Ab Januar 1966 begannen die sich gegenüber stehenden Parteien mit härteren Bandagen zu kämpfen. Zunächst gelang es Maos verbündetem Verteidigungsminister, Lin Biao, den der "Neuen Rechten" nahestehenden Generalstabschef, Luo Ruiqing, des Amtes zu entheben und durch den loyalen Anhänger der Maoisten, Yang Chengwu, zu ersetzen. Um die "Neue Rechte" vor weiteren derartigen Säuberungsaktionen zu schützen, wählte der Ständige Ausschuss des Politibüros, an dessen Spitze Liu in Abwesenheit Maos getreten ist, am 5. Februar 1966 eine aus fünf Mitgliedern bestehende "Gruppe Kulturrevolution", die die Richtlinien für die unter dem Begriff "Kulturrevolution" zusammengefassten Diskussionen erarbeiten sollte. Bereits zwei Tage später legte die Gruppe den sogenannten "Februar-Bericht" vor, in der die maoistische Kritik an leitenden Parteiintellektuellen als "akademische Diskussion" im Rahmen eines "Widerspruches im Volk" ausgetragen werde. Allerdings versäumte es der Bericht nicht, Mao erneut anzugreifen, mit der Feststellung "alle seien vor der Wahrheit gleich", was sich fundamental gegen den universalen Wahrheitsanspruch der "Gedanken Mao Zedongs" (Mao-Bibel) richtete.42

Mao und Lin Biao leiteten unverzüglich Gegenmassnahmen zu dem "Februar-Bericht" ein. Die Frau Maos, Jiang Qing, hielt Ende Februar auf Veranlassung Lin Biaos ein Forum über Literatur und Kunst in den Streitkräften ab, in dessen Verlauf einige leitende Politkommissare ein Protokoll verabschiedeten, das die Auseinandersetzungen an der "Kulturfront" als "scharfer Klassenkampf" bezeichnete. Die Diskussionen wären kein "Widerspruch im Volk", sondern ein antagonistischer Widerspruch, der mit den Mitteln der Zwangsgewalt zu beheben sei. Lin Biao erklärte dieses Protokoll als verbindlich für die gesamte Volksbefreiungsarmee (VBA). Auch Mao selbst übte scharfe Kritik am "Februar-Bericht" und an der Arbeit der Propagandaabteilung auf einer Sitzung des Ständigen Ausschusses des Politbüros.43

Der verbalen Kritik der "Linken" folgten in den nächsten Monaten Taten. Während Staatschef Liu Staatsbesuche in Pakistan, Afghanistan und Burma abstattete, setzten Mao und seine Anhänger den Oberbürgermeister Pekings und Verbündeten Lius, Peng Zhen, ab, ersetzten die "Fünfergruppe Kulturrevolution" durch eine neue "Gruppe Kulturrevolution beim ZK" (GKR) und beschlossen das sogenannte "Rundschreiben vom 16. Mai", das den "Februar-Bericht" für ungültig und die gegenwärtigen Auseinandersetzungen zum "ausserordentlich scharfen Klassenkampf" erklärte. In diesem Rundschreiben ist zum ersten Mal von der "Grossen Proletarischen Kulturrevolution" die Rede. Zudem gelang es den Anhängern Maos, den Leiter des Propagandaministeriums, Lu Dingyi, und seine Stellvertreter, Chu Yang und Lin Mohan zu entmachten.44

2. Die 2. Phase (Mai 1966 bis August 1966)

In der zweiten Phase der "Kulturrevolution" verlagerte sich der Kampf zwischen "Rechts" und "Links" in die Schulen und Hochschulen. Seit etwa Mitte Mai bemühten sich die Maoisten die, durch die strikten parteilichen Disziplinierungen und schlechten Berufsaussichten frustrierten Studenten und Schüler für ihre Machtergreifungskampagne zu mobilisieren. Die Jugendlichen wurden dazu aufgerufen, die Kritik der Linken an ihren Lehrern aufzunehmen, diese in "Wandzeitungen" anzugreifen und in vielen Fällen auch Gewalt anzuwenden. Ein Erlass des ZK und des Staatsrates veranlasste zur Unterstützung Schüler- und Studentenbewegungen die Schliessung der Schulen und Universitäten im Juni 1966. Sogenannte "Arbeitsgruppen", die daraufhin von der "Neuen Rechten" in die Hochschulen und Schulen entsandt wurden, beantworteten den dortigen Terror der maoistischen Bewegungen mit massivem Gegenterror. Diese "Arbeitsgruppen" konnten allerdings nicht verhindern, dass sich unter Leitung der VBA im ganzen Land sogenannte Rotgardistenverbände an den Schulen und Universitäten gründeten, die für das "kulturrevolutionäre" Programm Maos kämpfen sollten.45

Liu Shaoqi und Deng Xiaoping planten unter dem Eindruck der Ereignisse, das "Problem" Mao Zedong auf andere Weise unter Kontrolle zu bringen: Auf einer Sitzung des ZK-Plenums, die am 21. Juli einberufen werden sollte, wollten sie Mao durch seine überraschende Wahl zum "Ehrenvorsitzenden" der KPCh nach Art. 37 des Parteistatus aus dem politischen Entscheidungsprozess ausschalten. Doch auch diesmal kam ihnen die "Linke zuvor, in dem die VBA am 18. und 19. Juli die Gebäude der Parteizentrale mit Verbänden besetzte und den Wohnbezirk der Mitglieder der Führungsspitze abriegelte. Das anberaumte ZK-Plenum musste abgesagt werden. Gleichzeitig bereiteten Mao und sein Gefolge ihr eigenes ZK-Plenum am 1. August vor, welches am 8. August 1966 den "Beschluss über die Grosse Proletarische Kulturrevolution" (16-Punkte-Dokument) verabschiedete. In diesem Dokument legten die Maoisten ihr Programm nieder: Unter den Kadern der Partei sollten die "parteifeindlichen, antisozialistischen Rechtsabweichler" entfernt werden, eine grundlegende Reform des Erziehungswesens sollte Unterricht in Zukunft mit produktiver Arbeit verbinden und unter Führung der Partei sollten neue "kulturrevolutionäre" Massenorganisationen nach Vorbild der Pariser Kommune von 1871 entstehen.46

3. Die 3. Phase (September 1966 bis Januar 1967)

Bereits am 18. August veranstalteten Mao, seine Frau, Lin Biao, Zhou Enlai und Chen Boda eine Massenkundgebung in Peking an der über eine Million Rotgardisten teilnahmen. Die Organisation breitete sich mit rasanter Geschwindigkeit in ganz China aus. Ende August schätzte man die Zahl der "Roten Garden" auf über zehn Millionen. In den Wochen, die auf den 18. August folgten, begann die Bewegung bereits zu entarten. Die Rotgardisten beherrschten nicht nur die Schulen, sondern auch die Strassen der Städte, wo sie Tempel, Kirchen, Museen und Archive zerstörten, plünderten und Kritiker und Gegner Maos durch die Strassen schleiften, schlugen, folterten und oft sogar töteten. Entsprechend schnell formierte sich vor allem in den Provinzen der Widerstand gegen die Rotgardisten. Die Folge waren heftige Strassenschlachten mit Arbeiter- und Bauernwehren, meist organisiert von den Parteiführern der Provinzen. Ab November bemühten sich die Mitglieder der GKR die Bewegung auch in die Fabriken und Volkskommunen zu tragen, so dass neue revolutionäre Organisationen entstanden. Die sogenannten "Revolutionären Rebellen" bestanden meist aus Lehrlingen, Kontrakt- und Saisonarbeiter, die in vielen Fabriken im Konflikt mit der Facharbeiterschaft lagen und somit bereit waren, der äussersten Linken zu folgen.47 Auf diesem Weg gelang es Mao und seinen Anhängern zwar, die Gegner in der Pekinger Parteizentrale zu entmachten - unter anderem stürzten sie Liu Shaoqi und Deng Xiaoping - aber in den Provinzen behaupteten die "alten" Parteiführer ihre Position. Im sogenannten "Januarsturm" schlug den Rotgardisten eine allgemeine Welle des Volkswiderstandes entgegen. In fast allen Provinzen Chinas herrschten schwerste Unruhen, die Kontrollstrukturen des Partei- und Staatsapparates brachen zusammen, die Wirtschaftsstruktur wurde empfindlich gestört, da die Arbeiter kämpften und Saatgetreidelager, Banken und Fabriken geplündert wurden. So brachte der Widerstand der Bevölkerung die Offensive der maoistischen Fraktion innerhalb weniger Wochen zum Stehen.48

4. Die 4. Phase (Januar 1967 bis Juli 1967)

Da die Armee im Herrschaftsgefüge der Volksrepublik im Januar 1967 die letzte intakte Säule des Herrschaftsgefüges darstellte, forderte Mao Lin Biao auf, die zusammenbrechenden "Roten Garden" militärisch zu unterstützen. Obwohl zum Schutz der "Linken" aufgefordert, nutzten viele militärische Führer die Chance, die Radikalen unter Kontrolle zu bringen und mit Hilfe gemässigter Provinzkader den reibungslosen Ablauf der Wirtschaft sicherzustellen.49 Auf diese Weise vollzog sich eine bedeutsame Änderung in der Struktur des Peking empfohlenen Organisationsmodells für die neuen provisorischen Machtorgane, die die alten Provinz-Parteikomitees und Provinzialregierungen ersetzen sollten, wo die "Linke" die Macht ergriffen hatte. Ein von den angestrebten "Kommunen" wesentlich unterschiedener Prototyp entstand dagegen mit der Bildung des ersten Revolutionskomitees (RK) Ende Januar in der nordöstlichen Provinz Heilongjiang. Im "Ständigen Ausschuss" dieser RKs, der nicht gewählt wurde, standen zwei Vertreter der VBA und ein Parteifunktionär nur einem Vertreter der maoistischen Massenorganisationen entgegen. Bereits am 10. März erklärte die Armeeführung das RK zum verbindlichen Modell für die neuen Führungsorgane in den Provinzen, was de facto einer Proklamation der Militärherrschaft auf der lokalen und regionalen Ebene gleichkam.50

Die bittere Erkenntnis für Mao, dass die Truppen der VBA statt die maoistischen Bewegung voll zu unterstützen, das entstandene Chaos nutzten, um selbst die Macht zu ergreifen, führte Ende März zu einer neuen Offensive der Linken. Diesmal sollte sich der "kulturrevolutionäre" Kampf nicht nur gegen die Überreste der "Neuen Rechten" richten, sondern auch gegen die Generäle der VBA. Die blutigen Unruhen in den Provinzen nahmen stetig zu, ebenso wie die blutigen Konkurrenzkämpfe zwischen den verschiedenen Fraktionen und Gruppen des linken Flügels. Ihren Höhepunkt erreichten die lokalen Konflikte mit der offenen Meuterei des Oberbefehlshabers des Wehrbereichs Wuhan, General Chen Zaidao, im Juli 1967.51

5. Die 5. Phase (Juli 1967)

Der sogenannte "Zwischenfall von Wuhan" in der gleichnamigen zentralchinesischen Industriemetropole leitete die Wende in der Krise der "Kulturrevolution" ein.52

Seit Anfang Juli entwickelten sich dort Auseinandersetzungen zwischen einer vom Wehrbereichskommando unterstützten, "konservativen" Massenorganisation mit dem Namen "Eine Million Helden" und einer Reihe maoistischer Verbände mit engen Beziehung zur GRK. Am 12. Juli griffen die "Roten Garden" das Gebäude des Wehrbereichskommandos an und verhafteten einige höhere Offiziere, woraufhin die "Eine Million Helden" gewaltsam gegen die Maoisten vorgingen. Die Lage spitzte sich so zu, dass die Zentrale eine Vermittlungsdelegation nach Wuhan entsandte. General Chen Zaidao gab jedoch nicht nach und liess in der Nacht vom 19. auf den 20. Juli zwei der Vermittler (Xie Fuzhi, ein Vertrauter von Maos Frau Jiang Qing, und Wang Li, der amtierende Leiter der Propagandaabteilung) verhaften und auf einer Anklageversammlung den "Eine Million Helden" vorführen. Zum erstenmal hatte sich damit ein Wehrbereichsleiter der Zentrale wiedersetzt. Lin Biao setzte den General sofort ab und liess mit einem grossen militärischen Aufmarsch der VBA die Stadt zurückerobern.53

Durch diesen Zwischenfall sahen sich Mao und die übrigen Führer seiner Fraktion um die Monatswende Juli/August einer Dreifach-Bedrohung ausgesetzt - durch die zweifelhaft gewordene Verlässlichkeit der VBA, durch verstärkte Angriffe der äusseren Linken auf Regionalkommandanten und bürgerkriegsähnliche Kämpfe in den Provinzen.

6. Die 6., 7. und 8. Phase (August 1967 bis April 1969)

Die GRK musste sich nach dem Zwischenfall in Wuhan entscheiden, auf welcher Seite sie weiterhin stehen wolle, auf der der VBA oder auf der der linken Massenorganisationen. In den ersten Wochen nach dem Zwischenfall schätzte die GRK ihre Position falsch ein und begann, gleichzeitig die Armee und die noch intakten Reste des zentralen Veraltungsapparates anzugreifen. Die Anhänger Maos riefen zu Säuberungsaktionen in der Armee auf und stachelten die Rotgardistenverbände zum Sturm auf die Ministerien in Peking an, mit dem Erfolg, dass bis Ende August die vier engsten Mitarbeiter Jiang Qings selbst gesäubert wurden. Unter dem Druck der regionalen Befehlshaber und der neu entstandenen Koalition zwischen Lin Biao und dem Premier Zhou Enlai, mussten sich jetzt auch Mao und seine Frau von den Aktionen der "Rotgardisten" und "Revolutionären Rebellen" distanzieren.54

Die VBA erhielt jetzt den Auftrag, die Disziplinierung der maoistischen Verbände einzuleiten. Am 14. Oktober wird die sofortige Wiederaufnahme des Unterrichts in den Schulen und Universitäten angeordnet, wobei Truppeneinheiten die Schüler und Studenten bei der Rückkehr in die Schulen "behilflich" sein sollten. Dennoch gelang es zunächst nur die Grund- und Sekundärschulen wieder in Betrieb zu setzen. Die ersten Universitäten nahmen, nach mehr als vierjähriger Pause, erst im Herbst 1970 wieder den Lehrbetrieb auf.55

Auch der wirtschaftliche Zerfall des Landes und die Unfähigkeit des zerstörten Kontroll- und Verwaltungsapparates dagegen vorzugehen, liess keine andere Wahl als den Wiederaufbau von Herrschaftsstrukturen mit Hilfe der militärdominierten RK in den Provinzen den Streitkräften zu überlassen. Bis Anfang 1969 mussten noch vereinzelte Unruhen niedergeschlagen werden.56

7. Die 9. Phase - Das Ende der "Kulturrevolution" (April 1969)

Seit Ende 1968 wurden Massnahmen zum Wiederaufbau der Partei eingeleitet. Mao fordert die Absolventen von Schulen und Hochschulen auf, aufs Land zu gehen und sich von den Bauern umerziehen zu lassen. Mehr als zehn Millionen Jugendliche werden daraufhin in die Randzonen China abkommandiert, womit die Rebellion der Jugend zerschlagen ist.

Unter strengster Geheimhaltung tritt am 1. April 1969 der IX. Parteitag der KPCh in Peking zusammen. Das Ende der "Kulturrevolution" wurde verkündet und ein neues Parteistatut angenommen, welches Mao zum Parteivorsitzenden auf Lebenszeit ernennt und Lin Biao explizit als "Nachfolger" Mao Zedongs benennt.57 Personell präsentierte sich die neue Führungsgruppe der VR China als ein Kombination von Vertretern des "kulturrevolutionären" Programms, der Reste des alten Staatsapparate um den Premierminister Zhou Enlai, des zentralen Militärapparates und der Regionalkommandanten. In dieser Gruppierung ist die Stellung der Linken seit dem XI. Parteitag immer schwächer geworden, im Gegensatz zu der der Militärs. So beginnen auch bereits 1970 erneute Macht- und Linienkämpfe zwischen den Maoisten und dem Militärs unter Lin Biao.58

 

Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

Oben
CHINAFOKUS ist ein Service der INSIDE A Communications AG
© 2000-2009 / INSIDE A         Impressum, Nutzungsbedingungen
Zum Artikel
Zusammen-
fassung

Inhaltsverzeichnis
Projektgruppe NMUN

Zum Thema
Artikel/Beiträge Mao und Stalin
Internet-Links
Poster aus der Zeit der Kulturrevolution
Der Höhlenmarxist:
Mao Tse-tung

Bücher Bücher
Wang, Lulu Das Seerosenspiel