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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die "Große Proletarische Kulturrevolution" - Hintergründe,
Verlauf und Auswirkungen - Evi Zingraf
I. Einleitung und Definition des Begriffs Kulturrevolution
vor dem Hintergrund maoistischen Denkens
C. Die maoistische Widerspruchstheorie
Als letztes theoretisches Konzept Maos, dass sich in seinen politischen
Auffassungen und Handlungen widerspiegelt und von Bedeutung für die Kulturrevolution
ist, soll hier die Widerspruchstheorie kurz vorgestellt werden.
Alastair Ian Johnston gibt den Kern dieser Theorie wie folgt wieder:
"Widersprüche sind die treibende Kraft aller natürlichen und menschlichen Aktivität.
Die Lösung solcher Widersprüche ist die grundsätzliche Quelle von Transformation
und Entwicklung. Der Konflikt zwischen solchen Widersprüchen bestimmt die Natur
und die Geschichte. Die Lösung eines Widerspruchs führt zur Bildung oder Überordnung
eines neuen Widerspruchs."9
Für Mao gibt es zwei Arten von Widersprüchen, die in der sozialistischen Gesellschaft
vorherrschen können und die unterschiedlich zu lösen sind: antagonistische Widersprüche
und nicht-antagonistische Widersprüche. Erstere definiert Mao als "Widersprüche
zwischen dem Feind und uns" (Ti-wo mao-tun), weshalb sie mit den Mitteln der
Diktatur, also physischer Zwangsgewalt, zu lösen sind. Letztere haben die Qualität
von "Widersprüchen im Volk" und können nicht mit den Mitteln der Diktatur, sondern
nur in offener Diskussion, durch Kritik und Gegenkritik gelöst werden.10
Widersprüche beziehen sich nach Mao immer auf die Revolution, die in der Etappe
des Sozialismus permanent voranzutreiben ist. Erst wenn das Ziel, die Vollendung
des Kommunismus erreicht ist, gibt es auch keine Widersprüche mehr. Mao postuliert
in seiner Theorie zwei Formeln für den Revolutionsverlauf, wobei es immer wieder
Kontroversen gab, welche der beiden Formeln für die chinesische Revolution verbindlich
sein soll. Die erste Formel lautet "aus zwei wird eins" (ho erh erh i), was
soviel bedeutet wie, die Widersprüche sind zwar auseinander zu nehmen, aber
nicht um sie dann um so stärker aufeinander prallen zu lassen, sondern um sie
zu versöhnen. Mao selbst hat sich immer für die zweite Formel ausgesprochen,
die besagt "eins teilt sich in zwei" (i fen wie erh), was bedeutet, dass die
aus einem Problem notwendigerweise hervorgehenden Widersprüche nicht miteinander
versöhnt werden dürfen, sondern als solche im Klassenkampf noch nachdrücklicher
herausgearbeitet werden müssten.11
Alastair Johnston bringt die Bedeutung dieser Formel für Mao auf den Punkt:
"For Mao, conflict did´nt require a solution, it was the solution to political
problems."12
Interessant ist, dass Mao sich bei der Anwendung dieser Widerspruchstheorie
in der Praxis oft selbst widersprüchlich verhielt. So erklärte er beispielsweise
in der "Hundert Blumen Bewegung" 1957, es gäbe nicht-antagonistische "Widersprüche
im Volk", die durch offene Kritik und Gegenkritik an der Kommunistischen Partei
zu lösen sei. Als die Bewegung ausser Kontrolle geriet, erklärte er die Kritiker
zu "Feinden", womit ein "Widerspruch zwischen dem Feind und uns" entstand, der
diktatorische Zwangsmaßnahmen (Kampagnen gegen "Rechtsabweichler") rechtfertigte.13
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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