LOGO CHINAFOKUS
   Berlin: 07:53   Peking: 13:53 Impressum | Kontakt | Sitemap 
Stichwortsuche
LOS
THEMENFOKUS
Galerie
BRANCHENFOKUS
REISEN
BÜCHERFOKUS
CHINAGRUSS

Olympia-Special Beijing 2008

Wetter in Beijing


Letzte Zuflucht Schanghai

    THEMEN > Geschichte >
Projektgruppe Model United Nations, München 2000 The world belongs to all

Die "Große Proletarische Kulturrevolution" - Hintergründe, Verlauf und Auswirkungen - Evi Zingraf

  I     II     III     IV     V     Inhaltsverzeichnis des Artikels

I. Einleitung und Definition des Begriffs Kulturrevolution vor dem Hintergrund maoistischen Denkens

C. Die maoistische Widerspruchstheorie

Als letztes theoretisches Konzept Maos, dass sich in seinen politischen Auffassungen und Handlungen widerspiegelt und von Bedeutung für die Kulturrevolution ist, soll hier die Widerspruchstheorie kurz vorgestellt werden.

Alastair Ian Johnston gibt den Kern dieser Theorie wie folgt wieder: "Widersprüche sind die treibende Kraft aller natürlichen und menschlichen Aktivität. Die Lösung solcher Widersprüche ist die grundsätzliche Quelle von Transformation und Entwicklung. Der Konflikt zwischen solchen Widersprüchen bestimmt die Natur und die Geschichte. Die Lösung eines Widerspruchs führt zur Bildung oder Überordnung eines neuen Widerspruchs."9 Für Mao gibt es zwei Arten von Widersprüchen, die in der sozialistischen Gesellschaft vorherrschen können und die unterschiedlich zu lösen sind: antagonistische Widersprüche und nicht-antagonistische Widersprüche. Erstere definiert Mao als "Widersprüche zwischen dem Feind und uns" (Ti-wo mao-tun), weshalb sie mit den Mitteln der Diktatur, also physischer Zwangsgewalt, zu lösen sind. Letztere haben die Qualität von "Widersprüchen im Volk" und können nicht mit den Mitteln der Diktatur, sondern nur in offener Diskussion, durch Kritik und Gegenkritik gelöst werden.10 Widersprüche beziehen sich nach Mao immer auf die Revolution, die in der Etappe des Sozialismus permanent voranzutreiben ist. Erst wenn das Ziel, die Vollendung des Kommunismus erreicht ist, gibt es auch keine Widersprüche mehr. Mao postuliert in seiner Theorie zwei Formeln für den Revolutionsverlauf, wobei es immer wieder Kontroversen gab, welche der beiden Formeln für die chinesische Revolution verbindlich sein soll. Die erste Formel lautet "aus zwei wird eins" (ho erh erh i), was soviel bedeutet wie, die Widersprüche sind zwar auseinander zu nehmen, aber nicht um sie dann um so stärker aufeinander prallen zu lassen, sondern um sie zu versöhnen. Mao selbst hat sich immer für die zweite Formel ausgesprochen, die besagt "eins teilt sich in zwei" (i fen wie erh), was bedeutet, dass die aus einem Problem notwendigerweise hervorgehenden Widersprüche nicht miteinander versöhnt werden dürfen, sondern als solche im Klassenkampf noch nachdrücklicher herausgearbeitet werden müssten.11 Alastair Johnston bringt die Bedeutung dieser Formel für Mao auf den Punkt: "For Mao, conflict did´nt require a solution, it was the solution to political problems."12

Interessant ist, dass Mao sich bei der Anwendung dieser Widerspruchstheorie in der Praxis oft selbst widersprüchlich verhielt. So erklärte er beispielsweise in der "Hundert Blumen Bewegung" 1957, es gäbe nicht-antagonistische "Widersprüche im Volk", die durch offene Kritik und Gegenkritik an der Kommunistischen Partei zu lösen sei. Als die Bewegung ausser Kontrolle geriet, erklärte er die Kritiker zu "Feinden", womit ein "Widerspruch zwischen dem Feind und uns" entstand, der diktatorische Zwangsmaßnahmen (Kampagnen gegen "Rechtsabweichler") rechtfertigte.13

 

Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

Oben
CHINAFOKUS ist ein Service der INSIDE A Communications AG
© 2000-2009 / INSIDE A         Impressum, Nutzungsbedingungen
Zum Artikel
Zusammen-
fassung

Inhaltsverzeichnis
Projektgruppe NMUN

Zum Thema
Artikel/Beiträge Mao und Stalin
Internet-Links
Poster aus der Zeit der Kulturrevolution
Der Höhlenmarxist:
Mao Tse-tung

Bücher Bücher
Wang, Lulu Das Seerosenspiel