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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die "Große Proletarische Kulturrevolution" - Hintergründe,
Verlauf und Auswirkungen - Evi Zingraf
I. Einleitung und Definition des Begriffs Kulturrevolution
vor dem Hintergrund maoistischen Denkens
B. Hintergründe zum Verständnis des Handelns Maos
Um das politische bzw. strategische Vorgehen Maos als Initiator
der Kulturrevolution (der sich mit jugendlichen Rebellen verbündet, um die Partei
zu zerschlagen, die er in Jahrzehnten mühevoller Arbeit aufgebaut hat), nachvollziehen
zu können, lohnt sich ein Exkurs zu Mao Zedongs revolutionären Schlüsselerfahrungen
und den daraus resultierenden Lehren. Rainer Hoffmann zitiert dazu einen Kommentar
Maos zu einer spontanen Erhebung mittelchinesischer Bauern gegen die von Kanton
nach Norden marschierenden nationalistischen Truppen Tschiang Kai-scheks 1926/27,
die Mao Zedong in seiner Heimatprovinz Hunan miterlebte: "Es dauert nur noch
eine sehr kurze Zeit, und in allen Provinzen Mittel-, Süd- und Nordchinas werden
sich Hunderte, Millionen von Bauern erheben. Sie werden ungestüm und ungebärdig
wie ein Orkan sein, und keine noch so große Macht wird sie aufhalten können.
Sie werden alle ihnen angelegten Fesseln sprengen und auf dem Weg der Befreiung
vorwärts stürmen. Soll man sich ihnen an ihre Spitze stellen, um sie zu führen?
Soll man hinter ihnen hertrotten, um sie wild gestikulierend zu kritisieren?
Oder soll man sich ihnen in den Weg treten, um gegen sie zu kämpfen? Es steht
jedem Chinesen frei, einen dieser Wege zu wählen, aber der Lauf der Ereignisse
wird dich zwingen, rasch eine Wahl zu treffen.6
Dieses Urerlebnis der Bauernrevolution, die aus den Massen hervorbricht,
findet seinen Niederschlag in Maos Lehre von der "Massenlinie": "In der gesamten
praktischen Arbeit unserer Partei muss eine richtige Führung stets aus den Massen
schöpfen und in die Massen hineintragen, das heißt: die Meinungen der Massen
sind zu sammeln und zu konzentrieren und dann wieder in die Massen hineinzutragen,
zu propagieren und zu erläutern, bis die Massen sie sich zu eigen gemacht haben,
sich für sie einsetzen und sie verwirklichen. Dabei wird die Richtigkeit dieser
Meinungen in den Aktionen der Massen überprüft."7
"Massenlinie" und "Klassenkampf" gehörten bis zu Maos Tod 1976 zu den wichtigsten
Herrschaftsinstrumenten der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). In einer langen
Serie von politischen Kampagnen wurden die "Volksmassen" immer wieder zur Durchsetzung
der revolutionären Ziele der Partei und zur "Säuberung" der Gesellschaft von
"Klassenfeinden" mobilisiert. Mao initiiert die Große Proletarische Kulturrevolution,
weil er die Revolution in der Gefahr wähnt, von den übermächtigen egoistischen
Interessen der bürokratischen Eliten überwuchert und zur Karikatur verzerrt
zu werden. Also mobilisierte er Rotgardisten und revolutionäre Rebellen gegen
die "konservativen und trägen" Kräfte in der KPCh und der Gesellschaft.8
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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