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Die "Große Proletarische Kulturrevolution" - Hintergründe, Verlauf und Auswirkungen - Evi Zingraf

  I     II     III     IV     V     Inhaltsverzeichnis des Artikels

I. Einleitung und Definition des Begriffs Kulturrevolution vor dem Hintergrund maoistischen Denkens

A. Begriffsklärung: Kulturrevolution

Oskar Weggel führt aus, dass "proletarische Revolution [...] nach sino-kommunistischer Auffassung darauf ab[zielt], kapitalistische u.a. Ausbeutungssysteme an der Basis wie im Überbau zu verändern, will also nicht nur - wie die traditionelle bürgerliche Revolution - eine Ausbeuterklasse durch die andere ersetzen."2 Eine solche proletarische Revolution kann sich in drei wesentlichen Bereichen vollziehen: im politischen Bereich - mit dem Ziel der Machtergreifung, im wirtschaftlichen - mit dem Ziel der Umwandlung der Produktionsverhältnisse, und im ideologischen Bereich - mit dem Ziel den Überbau an die sozialistisch gewordene Basis anzupassen. Der letztgenannten Form der proletarischen Revolution entspricht der Begriff der Kulturrevolution. Die Idee hinter einer solchen "ideologischen" Revolution war die Überzeugung Mao Zedongs, dass sich die "Vier Alten" tragenden Elemente ("Alte Ideen, alte Kultur, alte Sitten und Gebräuche") der "Ausbeuterklasse", die sich über Jahrtausende in den Köpfen der Menschen festsetzen konnten, nicht mit Waffengewalt oder durch Verwaltungsakte bekämpfen lassen, sondern nur mit Hilfe "geistiger Kräfte" vernichtet und durch der sozialistischen Basis entsprechende "Vier Neue" ersetzet werden können. Die zu revolutionierende "Kultur" ist in diesem Konzept im Sinne des marxistischen Überbaus zu verstehen; das heißt, die politischen, juristischen, philosophischen, religiösen, künstlerischen und gesellschaftlichen Ideen sowie die gesamte Organisationsstruktur (Staat, Religionsgemeinschaften, Parteien) sind in diesem Kulturbegriff erfasst.3 In diesem Punkt wird auch der wesentliche Unterschied der Theorie Maos zum klassischen marxistischen Kommunismus deutlich. Mao betont die Bedeutung des Überbaus sehr stark (das Bewusstsein bestimmt das Sein) im Gegensatz zum "Basis"-orientierten Ansatz von Karl Marx (das Sein bestimmt das Bewusstsein).

Mit "Revolution" ist somit auch kein äußerer Führungswechsel gemeint, sondern ein am Denken Maos orientierter Bewusstseinswechsel bzw. eine permanente kämpferische "Berichtigungsbewegung", die sich auf die Ideen und das Organisationswesen richten soll und durch ständige qualitative Änderungen auf das Endziel des Kommunismus zusteuert. Mao ist der Auffassung, dass sich "die richtigen Ideen, wenn sie von den Menschen beherrscht werden" in eine "materielle Kraft verwandeln, welche die Gesellschaft und die Welt umgestaltet."4 Somit stehen bei der Kulturrevolution drei Therapien im Vordergrund: intensives Mao-Studium, Berichtigung von Denken und Arbeitsstil (insbesondere innerhalb der Partei) und Ausbildung revolutionärer Nachfolger durch Ermutigung zur Nachahmung revolutionärer Modelle.5

 

Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

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