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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die "Große Proletarische Kulturrevolution" - Hintergründe,
Verlauf und Auswirkungen - Evi Zingraf
I. Einleitung und Definition des Begriffs Kulturrevolution
vor dem Hintergrund maoistischen Denkens
A. Begriffsklärung: Kulturrevolution
Oskar Weggel führt aus, dass "proletarische Revolution [...] nach
sino-kommunistischer Auffassung darauf ab[zielt], kapitalistische u.a. Ausbeutungssysteme
an der Basis wie im Überbau zu verändern, will also nicht nur - wie die traditionelle
bürgerliche Revolution - eine Ausbeuterklasse durch die andere ersetzen."2
Eine solche proletarische Revolution kann sich in drei wesentlichen Bereichen
vollziehen: im politischen Bereich - mit dem Ziel der Machtergreifung, im wirtschaftlichen
- mit dem Ziel der Umwandlung der Produktionsverhältnisse, und im ideologischen
Bereich - mit dem Ziel den Überbau an die sozialistisch gewordene Basis anzupassen.
Der letztgenannten Form der proletarischen Revolution entspricht der Begriff
der Kulturrevolution. Die Idee hinter einer solchen "ideologischen" Revolution
war die Überzeugung Mao Zedongs, dass sich die "Vier Alten" tragenden Elemente
("Alte Ideen, alte Kultur, alte Sitten und Gebräuche") der "Ausbeuterklasse",
die sich über Jahrtausende in den Köpfen der Menschen festsetzen konnten, nicht
mit Waffengewalt oder durch Verwaltungsakte bekämpfen lassen, sondern nur mit
Hilfe "geistiger Kräfte" vernichtet und durch der sozialistischen Basis entsprechende
"Vier Neue" ersetzet werden können. Die zu revolutionierende "Kultur" ist in
diesem Konzept im Sinne des marxistischen Überbaus zu verstehen; das heißt,
die politischen, juristischen, philosophischen, religiösen, künstlerischen und
gesellschaftlichen Ideen sowie die gesamte Organisationsstruktur (Staat, Religionsgemeinschaften,
Parteien) sind in diesem Kulturbegriff erfasst.3
In diesem Punkt wird auch der wesentliche Unterschied der Theorie Maos zum klassischen
marxistischen Kommunismus deutlich. Mao betont die Bedeutung des Überbaus sehr
stark (das Bewusstsein bestimmt das Sein) im Gegensatz zum "Basis"-orientierten
Ansatz von Karl Marx (das Sein bestimmt das Bewusstsein).
Mit "Revolution" ist somit auch kein äußerer Führungswechsel gemeint,
sondern ein am Denken Maos orientierter Bewusstseinswechsel bzw. eine permanente
kämpferische "Berichtigungsbewegung", die sich auf die Ideen und das Organisationswesen
richten soll und durch ständige qualitative Änderungen auf das Endziel des Kommunismus
zusteuert. Mao ist der Auffassung, dass sich "die richtigen Ideen, wenn sie
von den Menschen beherrscht werden" in eine "materielle Kraft verwandeln, welche
die Gesellschaft und die Welt umgestaltet."4
Somit stehen bei der Kulturrevolution drei Therapien im Vordergrund: intensives
Mao-Studium, Berichtigung von Denken und Arbeitsstil (insbesondere innerhalb
der Partei) und Ausbildung revolutionärer Nachfolger durch Ermutigung zur Nachahmung
revolutionärer Modelle.5
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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