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Die Außenwirtschaftspolitik der VR China - Uwe Böwer

  I     II     III     IV     Inhaltsverzeichnis des Artikels

III. Chinas Wirtschaftsmacht - ein Ausblick

D. Fazit

Die Außenwirtschaftspolitik Chinas und damit die Zukunft des ganzen Landes steht vor einschneidenden Veränderungen. Es erscheinen drei Szenarien der näheren Zukunft Chinas denkbar möglich. Selbstverständlich ist die zukünftige Entwicklung in China nicht auf diese drei Möglichkeiten beschränkt. Sie dienen lediglich dazu, gewisse Hauptlinien aufzuzeigen.

Eine erste Alternative ist zugleich die schlimmste: Aufgrund der fortschreitenden wirtschaftlichen Unterschiede und der auseinanderklaffenden Einkommensschere entstehen gewaltige Migrationswellen in Richtung reiche Küstenstädte - politischer und sozialer Aufruhr wären die Folge. Das Land wird noch tiefer gespalten und der ursprüngliche Zweck der Sonderwirtschaftszonen, Initialzündung eines Booms im ganzen Land zu sein, wird verfehlt. Da das Land traditionell stark dezentral organisiert ist, wirken makroökonomische Maßnahmen der Regierung nur schleppend. In einer solchen Situation könnten erneute studentische Massenproteste mit Forderungen nach Demokratie und mehr Freiheiten aufkeimen, die dunkle Erinnerungen an 1989 wachrufen.

Der Aufstieg Pekings zu einer politischen und wirtschaftlichen Weltmacht wäre durch eine solche Entwicklung aber nur verzögert, nicht verhindert. Gleichwohl besteht eine tendentielle Gefahr einer Entwicklung in diese Richtung, die die Partei durch Anhebung des Pro-Kopf-Einkommens zu verhindern sucht.

Ein zweites Szenario beschreibt China als Supermacht auf Basis einseitig ausgeübter militärischer Macht nach innen und außen. Während die Einparteienherrschaft durch konsequente Unterdrückung von Demokratiebewegungen und Unabhängigkeitsbestrebungen wie in Tibet aufrecht erhalten wird, entstehen im asiatischen Raum zunehmend Spannungen durch territoriale Ansprüche Chinas auf Ölvorkommen vor der Küste.

Diese Variante erscheint aufgrund zunehmender Einbindung Pekings in regionale und globale Strukturen jedoch zur Zeit eher unwahrscheinlich.

Der Stand der Dinge deutet daher auf ein wünschenswertes drittes Szenario, welches China in kooperativen und harmonischen Beziehungen zur Supermacht aufsteigen läßt und in dem Peking seiner internationalen Verantwortung gerecht wird. Mit seinem anstehenden Beitritt zur WTO zeigt sich die chinesische Regierung nicht nur bereit, in internationale Normen einzuwilligen, sondern eröffnet sich selbst die Möglichkeit, diese in Zukunft wesentlich mitgestalten und weiterentwickeln zu können. Die Sonderwirtschaftszonen könnten dabei überflüssig werden, wäre China durch Zustimmung zu internationalem Handelsrecht dazu bereit, deren Sonderregeln auf das gesamte Land anzuwenden.

Die oben angedeuteten Hindernisse lassen dabei jedoch vermuten, daß sich die wirtschaftliche Entwicklung nicht so rasant fortsetzen wird, wie manch einer bereits hochrechnet. Vor allem das BIP pro Kopf wird noch lange weit unter dem Durchschnitt der Region bleiben.

Für die westlichen Staaten ist es von entscheidender Bedeutung, den begonnenen Dialog konstruktiv fortzusetzen, um China dauerhaft in eine internationale Wirtschafts- aber auch Wertegemeinschaft einzubeziehen.

China wird daher eine Wirtschaftsmacht des 21. Jahrhunderts sein - ob es die Wirtschaftsmacht des 21. Jahrhunderts wird, bleibt abzuwarten.

 

Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

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