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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die Außenwirtschaftspolitik der VR China
- Uwe Böwer
II. Chinas Außenwirtschaft heute
3. Verquickung von Außen- und Wirtschaftspolitik
"China will be open to countries and regions all over the world."21
Chinesisches Ministerium für Außenhandel und wirtschaftliche
Zusammenarbeit
Chinesische Behörden beteuern wiederholt ihre Bereitschaft,
sich internationalem Wettbewerb zu stellen und das Land ohne Vorbehalte zu öffnen.
Gleichzeitig gibt es dennoch einen augenfälligen Zusammenhang
zwischen chinesischer Außen- und Wirtschaftspolitik. Besonders stark scheinen
internationale Fragen der Menschenrechts- und Taiwan-Politik mit Welthandelsfragen
korreliert zu sein.
Alle Industrieländer spekulieren auf das bereits beschriebene
enorme Wirtschaftspotential Chinas - Peking wiederum, das jedes Jahr mehr Menschen
hinrichtet als alle andere Länder der Welt zusammen, weiß seine erwartete
Wirtschaftskraft als sein einziges wirkungsvolles Faustpfand einzusetzen und
spielt die Interessen der westlichen Welt regelmäßig geschickt gegeneinander
aus.
Eine chinakritische Resolution der 52. Sitzung der Menschenrechtskommission
der Vereinten Nationen in Genf scheiterte 1996 an der der Zerstrittenheit der
Teilnehmer. Die USA drängten auf eine Verurteilung Chinas, obwohl sie selbst
zwei Jahre zuvor die Gewährung der Meistbegünstigung, d.h. handelspolitischer
Privilegien an China, von der Frage der Menschenrechte entkoppelt hatten, um
gutem Willen im beiderseitigen Verhältnis Ausdruck zu verleihen. Auch die
EU ist sich uneinig über eine angemessene Chinapolitik. Während die
Mehrheit der Mitgliedsstaaten offenbar für eine kommerzielle Diplomatie
unter dem Schlagwort "Wandel durch Handel" eintritt, war der deutsche
Außenminister Joschka Fischer bei seinem China-Besuch 1998 der erste westliche
Vertreter, der das Thema Menschenrechte wieder offen aufgriff und sogar Dissidenten
empfing.
Das gespaltene Verhältnis des Westens und die geschickte
Taktik Pekings läßt sich exemplarisch am Beispiel Airbus/Boeing erkennen.
Nachdem die Regierung Clinton Maßnahmen gegen Peking wegen der Verletzung
geistiger Eigentumsrechte angedroht hatte, setzten die Chinesen Auftragsgespräche
großen Umfangs mit Boeing aus und traten in Verhandlungen mit dem europäischen
Airbus-Konsortium ein. Frankreichs Präsident Chirac engagierte sich fortan
stark für dieses Projekt und ließ bei weiteren Treffen mit chinesischen
Spitzenpolitikern Menschenrechtsfragen völlig außer acht. Dagegen
unterstützte er massiv die chinesischen Vorstellungen einer multipolaren
Weltordnung und Vorbeugung einer US-Vorherrschaft und betrieb eine hartnäckige
Lobbyarbeit gegen die Verabschiedung einer Resolution in Genf.
Tatsächlich haben westliche Staaten von Chinas Drohungen
wenig zu befürchten, solange sie nur geschlossen auftreten - beispielsweise
beeinträchtigte eine Anhörung im Deutschen Bundestag zu Tibet im Jahr
1995 trotz wütender Proteste aus Peking den deutsch-chinesischen Handel
kaum. Wirkungsvoll werden die Drohungen der Chinesen erst dann, wenn es ihnen
gelingt, die westlichen Regierungen zu spalten - eine Disziplin, in der Peking
Bestnoten erzielt.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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