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Die Außenwirtschaftspolitik der VR China - Uwe Böwer

  I     II     III     IV     Inhaltsverzeichnis des Artikels

I. Die Wirtschaftsgeschichte: China - eine Handelsnation ?

D. Deng Xiaoping: Die Idee der "sozialistischen Marktwirtschaft"

"Es ist gleich, ob die Katze weiß oder schwarz ist, wenn sie nur Mäuse fängt!"5

Deng Xiaoping 1962

Erst nach dem Tod Mao Zedongs im Jahr 1976 konnte sich einer seiner schärfsten Rivalen während der Kulturrevolution, Deng Xiaoping, mit seiner pragmatischen Wirtschaftspolitik durchsetzen.

Im Dezember 1978 übernahm Deng auf der Plenartagung des Zentralkomitees der KP die Macht in China. Unter seiner Führung wandelte sich das Land, weg von der Planwirtschaft, hin zu einem kommunistischen Marktwirtschaftsbegriff - einem urchinesischen Weg. Deng unterzog sein Land dabei keineswegs einer Schocktherapie, wie es in vielen osteuropäischen Ländern und Rußland nach 1990 mit mäßigem Erfolg versucht wurde, sondern ging sehr behutsam tastend und experimentierend vor.

Der Begriff der "sozialistischen Marktwirtschaft" beschreibt das Ziel, das in dieser Weise erst im Jahr 1993 formuliert wurde. Von zentraler Bedeutung ist dabei allerdings die Vorstellung, daß die Kernindustrien in öffentlichem Eigentum bleiben müßten. Obwohl die Mehrheit der KP darunter auch heute noch Staatseigentum versteht, interpretieren weitschauende Theoretiker den Begriff bereits anders. Schließlich sei ein Großunternehmen ja auch dann in öffentlichem Eigentum, wenn es hunderttausende chinesische Aktionäre habe.

Deng Xiaoping gründete die Erneuerung auf zwei wesentliche Pfeiler, die im folgenden beschrieben werden.

1. Vorrangige Förderung der Landwirtschaft

Nicht mehr die Schwerindustrie sollte nun wie im sowjetischen Modell im Mittelpunkt stehen, sondern eine konsequente Förderung der Bauern. Ihnen wurde wieder die Freiheit eingeräumt, ihre Arbeit eigenständig zu organisieren, wobei das Land weiterhin in staatlicher Hand blieb. Einen gewissen Teil des Ertrages durften die Landwirte jedoch nun selbst behalten, was zu einem regelrechten Boom und einer de facto-Privatisierung führte. Das Ergebnis war ein wachsender Wohlstand der Bauern, der über einen steil ansteigenden Bedarf an Konsumgütern auch auf die Industrie übergriff. Die Fabriken produzierten dabei auch erstmals massiv für den Export. Das chinesische Wirtschaftswunder der 80er Jahre nahm seinen Anfang auf dem Land und riß schließlich auch die Städte mit sich.

2. Wirtschaftliche Öffnung nach außen

Unter Deng Xiaoping integrierte sich China in die Weltwirtschaft. Seit 1979 öffnete sich das Land schrittweise für Auslandsinvestitionen. Zunächst wurden vier "Sonderwirtschaftszonen" an der Südküste Chinas eingerichtet, in denen Produktionsstätten für den Export angesiedelt wurden. Ihre Entwicklung verlief rasant: Eine von ihnen, Shenzhen, hatte als armes Fischerdorf gerade einmal 20.000 Einwohner. Heute ist es eine Millionenstadt, deren Wolkenkratzer mit dem benachbarten Hong Kong mithalten können.

Mit der Zeit wurden immer mehr Städte für Auslandsinvestitionen geöffnet, in denen nun auch für den chinesischen Markt produziert werden durfte - mittlerweile gibt es über 2.000 Sonderwirtschaftszonen. Seit 1986 ist es erlaubt, auch wholly foreign owned enterprises zu gründen, die sich vollständig auf den inländischen Markt konzentrieren.

Während die ausländischen Investitionen in der Anfangsphase vor allem von Hong Kong und Taiwan kamen, welche ihre arbeitsintensiven Fabriken nach China auslagerten, strömen seit 1992 multinationale Konzerne in großer Zahl nach China.

Zusammenfassend kann China also erst seit der Reformpolitik Deng Xiaopings im außenwirtschaftlichen Sinn als Handelsnation bezeichnet werden. Mit der weiten Öffnung des Landes brach Deng nicht nur mit der Autarkiepolitik Mao Zedongs, sondern überwand auch das eingewurzelte Mißtrauen gegenüber dem Außenhandel und die Abschließung des Landes über den größten Teil der letzten 500 Jahre.

 
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