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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die Außenwirtschaftspolitik der VR China
- Uwe Böwer
I. Die Wirtschaftsgeschichte: China - eine Handelsnation ?
B. Die chinesische Demütigung: Vom Gipfel der Zivilisation
zum Entwicklungsland
Über den Außenhandel im traditionellen China gibt es
kein gesichertes Zahlenmaterial. Offenbar war sein Umfang eher gering und bestand
hauptsächlich aus der Ausfuhr von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und
der Einfuhr von Luxusgütern. Der Grund für einen solch niedrigen Anteil
lag unterdessen nicht in der Unfähigkeit, Exportgüter herzustellen
oder einen Handel mit ausländischen Partnern zu organisieren. Vielmehr
herrschte in China ein außergewöhnlicher Reichtum an natürlichen
Ressourcen, der eine weitgehende Selbstversorgung und damit Unabhängigkeit
von äußeren Partnern ermöglichte.
Darüber hinaus ist in diesem Zusammenhang das chinesische
Selbstverständnis der damaligen Zeit in Betracht zu ziehen. Über den
größten Teil der letzten 2000 Jahre - vom 7. bis ins 17. Jahrhundert
- war China die fortgeschrittenste Zivilisation der Welt, sowohl in politischer
und kultureller, als auch in wirtschaftlicher und technologischer Hinsicht.
Die großen Dynastien dieser Zeit brachten revolutionäre Erfindungen
wie Papier oder Schießpulver hervor und beherrschten bis ins 15. Jahrhundert
als Seemacht die Meere ihrer Region. Daher verstanden sich die Chinesen als
die Zivilisation schlechthin und waren tatsächlich an ihren Grenzen
ausschließlich von Völkern niedrigerer Kulturstufe umgeben. Aus dieser
Zeit stammt die Vorstellung, auch geographisch die Mitte der Erdoberfläche
zu bewohnen - Begriffe wie "Reich der Mitte" oder "Kulturblüte
der Mitte" etablierten sich.
Der Außenhandel wurde somit in Übereinstimmung mit
diesen gesellschaftlichen und politischen Auffassungen jener Zeit als eine Form
des interregionalen Tributhandels angesehen. Wer mit China in wirtschaftliche
Beziehungen eintreten wollte, mußte zunächst vor dem Kaiser "seinen
Kotau machen" und sich zu seinem Vasallen erklären.
Erst im 18. Jahrhundert veränderte sich die internationale
Wirtschaftslage Chinas. Die Europäer hatten China inzwischen in den Naturwissenschaften
und in der Technologie überholt und wirkten nun von außen auf die
chinesische Wirtschaft ein. Zwischen Großbritannien, Indien und China
entstand ein reger Dreieckshandel, in dem der Opiumimport nach China eine immer
größere Rolle spielte. Die Entwicklung des mechanisierten Transports
und das rasche Wachstum der europäischen Wirtschaft machten die Ausweitung
des chinesisch-europäischen Handels zu einem zentralen Ziel der westlichen
Außen- und Handelspolitik des frühen 19. Jahrhunderts.
Just in dieser Zeit stürzte das große China jäh
in abgrundtiefe Armut und Schande ab.
Die wesentliche Ursache dafür bestand jedoch weniger im Einfluß
des westlichen Imperialismus, sondern vielmehr in innerchinesischen Schwierigkeiten.
Die landwirtschaftliche Produktion konnte mit dem explosionsartigen Bevölkerungsanstieg
nicht mithalten - von der Mitte des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs
die chinesische Bevölkerung von 250 auf 400 Millionen. Die Folge bestand
in einer dramatischen Verarmung der Bauern, welche gewaltige Aufstände
nach sich zog. Allein die Taiping-Revolution zwischen 1850 und 1864 forderte
mehr als 20 Millionen Menschenleben und zerstörte mit dem Yangtse-Delta
und dem Gebiet am Unterlauf des Yangtse das Zentrum der damaligen chinesischen
Wirtschaft. China verwandelte sich in ein Armenhaus.
Engländer, Franzosen und später auch Deutsche, Amerikaner,
Russen und Japaner machten sich die Schwäche der Chinesen zu nutze. Als
der chinesische Kaiser den Opiumhandel der britischen East India Company unterbinden
wollte, erklärte England 1840 den Krieg und erzwang im Vertrag von Nanjing
die Öffnung der südchinesischen Häfen. Nach und nach besetzten
die Europäer, Amerikaner und Japaner fast alle Häfen an der chinesischen
Süd- und Nordküste. Extraterritoriale Enklaven wie Hong Kong wurden
errichtet, Chinesen systematisch ausgegrenzt.
Diese historischen Tatsachen sind zum Verständnis des heutigen
China unerläßlich - auch im Bereich der Außenwirtschaftspolitik.
Erst die Rückgabe Hong Kongs an die VR China am 1. Juli 1997 wurde von
den Chinesen als symbolischer Abschluß der Demütigungen aufgefaßt,
die sich als Trauma im Gedächtnis eines jeden Chinesen eingebrannt haben.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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