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    THEMEN > Wirtschaft >
Projektgruppe Model United Nations, München 2000

Die Wirtschaftsmacht des 21. Jahrhunderts ?
- Chinas Außenwirtschaftspolitik vor dem Hintergrund der Globalisierung - Uwe Böwer

- Zusammenfassung -

Kaum eine Nation stellt sich unter wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten faszinierender dar als die heutige Volksrepublik China. Dieser einzigartige Weg der Transformation von der Zentralverwaltungswirtschaft zur "Sozialistischen Marktwirtschaft" und zunehmenden Hinwendung zum Weltmarkt kann als ur-chinesisch gelten und sucht weltweit seinesgleichen. Die Entwicklung ist gleichwohl noch längst nicht abgeschlossen - und in ihrer Revolutionalität nur im Licht der chinesischen Wirtschaftsgeschichte zu verstehen.

Während seiner jahrtausendelangen Geschichte galt das "Reich der Mitte" zurecht über Jahrhunderte hinweg als fortgeschrittendste Zivilisation der Welt, sowohl politisch und kulturell, als auch wirtschaftlich und technologisch. Dennoch war das frühe China zu keiner Zeit eine klassische Handelsnation. Die eigenen Erzeugnisse deckten den Bedarf souverän ab, und aus ihrem Verständnis der regionalen Überlegenheit heraus waren die Chinesen auch niemals bestrebt, mit den "barbarischen Nachbarvölkern" in Handelsbeziehungen einzutreten.

Im 18. und 19. Jahrhundert jedoch geriet das Land jedoch durch äußere und innere Umstände in schwere wirtschaftliche Not, die sich die europäischen und später auch japanischen und amerikanischen Kolonialisten zunutze machten. Nur vor dem Hintergrund dieser abgrundtiefen Demütigung kann die Brisanz der Öffnungspolitik unserer Tage verstanden werden.

Nach dem Ende der entbehrungsreichen Ära Maos mit ihrem strengen Planwirtschaftsverständnis begann Deng Xiaoping im Jahr 1978 die gradualistische und doch revolutionäre Öffnung Chinas. Durch Dezentralisierung von Verantwortlichkeiten zunächst in der Landwirtschaft und der späteren Einrichtung von experimentellen Sonderwirtschaftszonen in den Küstenregionen kam eine rasante Wirtschaftsentwicklung in Gang. Schrittweise wurden ausländische Investitionen zugelassen, Privateigentum wurde möglich.

Die Wachstumsraten der chinesischen Volkswirtschaft stiegen in den 90er Jahren enorm an - heute pflegt das Land nicht nur im asiatisch-pazifischen Raum lebendige Handelsbeziehungen, auch die USA und die EU sind zu wichtigen Partnern geworden. Das starke Interesse der westlichen Industrieländer am chinesischen Markt mit seinen 1,2 Mrd. potentiellen Konsumenten spiegelt sich besonders in den laufenden Beitrittsverhandlungen Chinas zur Welthandelsorganisation WTO. Wurde bereits im November 1999 eine bahnbrechende Einigung mit den Vereinigten Staaten erzielt, so liegt nun der Schwerpunkt der Verhandlungen in Europa. Neben der Öffnung des chinesischen Marktes durch die Senkung von Zöllen und Handelsbarrieren würde sich Peking künftig den Gepflogenheiten des internationalen Handelsrechts unterwerfen müssen - und damit Rechtssicherheit als eines der zentralen Voraussetzungen für weitere ausländische Investitionen gewährleisten.

Trotz atemberaubender Prognosen verbleiben jedoch einige nicht zu vernachlässigende Unwägbarkeiten. Mit dem wirtschaftlichen Fortschritt der Küstenregionen steigt der Unterschied zum unterentwickelten Binnenland. Ob sich auch hier traumhaftes Wachstum einstellt, oder nicht mit sozialen Unruhen zu rechnen ist, bleibt fraglich. Des weiteren stellt sich die Frage nach der Zukunft des chinesischen Kommunismus. Wird die fortschreitende Öffnung des Landes und ein langfristig steigender Lebensstandard aller Chinesen zur Festigung der Macht der Partei beitragen oder macht sie sich durch ihre marktwirtschaftlich orientierte Wirtschaftspolitik selbst überflüssig ?

Obwohl China mit seinem geringen Pro-Kopf-Einkommen nach wie vor als Entwicklungsland gilt, birgt es also enormes wirtschaftliches Potenzial. Ob es das Land allerdings zu der Wirtschaftsmacht des 21. Jahrhunderts macht, bleibt abzuwarten.

Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

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