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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die chinesische Politik gegenüber dem Internationalen
Währungsfonds und der Weltbank, und Chancen und Möglichkeiten hinsichtlich
eines Beitritts zur Welthandelsorganisation - Mathias G. Junkert
III. Chancen und Möglichkeiten eines Beitritts Chinas
in die WTO
B. Perspektiven für China nach einem WTO-Beitritt
1. Argumente für und gegen eine chinesische
Mitgliedschaft in der WTO
Der chinesische Wirtschaftsraum ist in den letzten zwanzig Jahren
eines der wichtigsten Handelsgebiete für die internationale Gemeinschaft
geworden. Schon allein deshalb scheint eine Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation
sowohl für China als auch für seine Handelspartner äußerst
erstrebenswert zu sein, da somit für alle Beteiligten mehr Sicherheit für
die Handelsabläufe garantiert werden würde.
Seitdem die Verhandlungen zwischen China und dem GATT beziehungsweise
der WTO im Gange sind, werden von der Volksrepublik zwar die Reformanforderungen
durchaus erfüllt. Jedoch bestehen bis heute erhebliche Differenzen in der
Beurteilung des Erreichten. So akzeptiert China inzwischen zwar einige Prinzipien
der WTO wie die Meistbegünstigung und die Reziprozität, andere Grundsätze
der Organisation werden dagegen von China nicht getragen. Zum Beispiel schützt
die Volksrepublik ihren Markt nicht nur durch Zölle, sondern auch durch
festgesetzte Importkontingente und andere Beschränkungen. Weiterhin zeigt
sich die chinesische Wirtschaftspolitik gegenüber dem Ausland nicht transparent
genug und verletzt das Prinzip der Gleichbehandlung der Importgüter gegenüber
den Inlandsprodukten.
Allerdings liegen die Nachteile einer Mitgliedschaft für
China auf der Hand. Die Volksrepublik würde sich verpflichten, sich weiter
zu öffnen und ihre Wirtschaftspolitik noch transparenter zu gestalten.
Ob das nicht langfristig zu einem Konflikt mit dem Selbstverständnis der
chinesischen Politik der Unabhängigkeit führen würde, ist zu
bezweifeln. Was aber ein noch viel gefährlicheres Risiko für die gesamte
chinesische Wirtschaft darstellt, ist die Befürchtung, dass der größte
Teil der chinesischen Industrie auf internationaler Ebene nicht konkurrenzfähig
wäre. Da aber die Mitgliedschaft in der WTO Schutzmaßnahmen für
die heimische Industrie verbietet, würde das zum Zusammenbruch der chinesischen
Wirtschaft führen, man denke nur an den zur Zeit völlig unrentablen
und dringend reformbedürftigen Staatssektor.
Weil sich aber viele Mitglieder der WTO dieser Situation bewusst
sind, wird vielfach befürchtet, dass zum Schutz der chinesischen Wirtschaft
die Regeln der WTO auf lange Sicht aufgeweicht werden könnten und dass
man damit letztendlich Gefahr laufen würde, die Organisation funktionsuntüchtig
zu machen.
Auf der anderen Seite eröffnet die Mitgliedschaft in der
WTO der Volksrepublik China große wirtschaftliche Perspektiven:
Zunächst ist da der immens wichtige Prestigegewinn für
China, da eine Aufnahme in die WTO Zeichen sowohl des Respekts als auch der
Anerkennung für das Land ist.
Mit einer Integration in das Welthandelsystem würde man der
Volksrepublik ermöglichen, zusätzliche, bis jetzt nicht zugängliche
Märkte zu erschließen. Außerdem könnte sich China gesteigerter
internationaler Kooperationsbereitschaft aufgrund des gemeinsamen Regelrahmens
der WTO erfreuen. Auch die Verhandlungen könnten bei einer WTO-Mitgliedschaft
aus einer stärkeren Position gegenüber dem jeweiligen Verhandlungspartner
gestaltet werden und für China so vorteilhaft sein.
Schließlich würde eine Mitgliedschaft auch die Transaktionskosten
für die Volksrepublik senken, da nun ständige bilaterale Verhandlungen
über grundsätzliche Handelsfragen bei jedem neuen Geschäftsabschluss
entfallen würden. Die Regeln der WTO würden einen schnellen und unbürokratischen
Handelsablauf erleichtern, wodurch ausländische Unternehmen mehr ermutigt
würden, in der Volksrepublik zu investieren.33
2. Der gegenwärtige Stand
Nach 13 Jahren des ständigen Auf und Abs in den Verhandlungen
über den möglichen WTO-Beitritt schienen China und die USA als Vertreter
des Welthandelsystems endlich einen Kompromiss gefunden zu haben. Was aber letztendlich
herauskam, war nicht mehr als die Erklärung des US-Präsidenten am
10.April 1999, dass die Vereinigten Staaten von nun an eine Mitgliedschaft Chinas
in der Welthandelsorganisation unterstützten. Sicher, schon diese offizielle
Erklärung bedeutete einen großen Schritt in die gewünschte Richtung.
Aber ein greifbares Ergebnis war lange nicht vorhanden. Diese Feststellung zeigt,
dass die Aussagen vom April 1999 nicht viel mehr als diplomatisches Kalkül
darstellten. In Anbetracht der Tatsache, dass die Vereingten Staaten zu diesem
Zeitpunkt einer der Hauptakteure des Kosovo-Krieges waren und von China wenn
schon nicht Unterstützung, so doch wenigstens wohlwollende Enthaltung gegenüber
dem Einsatz erhofften, wird diese Ansicht einsehbar. Sie wird weiterhin bestätigt,
wenn man die Tatsache betrachtet, dass die USA und China in den Verhandlungen
seit April nur langsam vorangekommen sind.
Damit soll keinem der beiden Seiten vorgeworfen werden, keine
Lösung finden zu wollen, denn die Differenzen der Meinungen Chinas und
der USA sind erheblich, nicht zuletzt wegen innenpolitischer Meinungsverschiedenheiten,
und können nur schwer, wenn überhaupt, einander angenähert werden.
So bleibt abzuwarten, ob der US-amerikanische Kongress dem Vorstoß des
Präsidenten Bill Clinton, China einen permanenten, normalen Handelsstatus
zu gewähren, zustimmen wird.34
Der zentrale Streitpunkt ist die Frage, wie weit China politische
Zugeständnisse bezüglich der Anforderungen einer WTO-Mitgliedschaft
zu machen hat, auch im Bereich der Menschenrechte. Dabei ist der springende
Punkt die Einschätzung, welche Zugeständnisse von China zu erbringen
sind, wenn die Volksrepublik einerseits ihre Politik der Unabhängigkeit
und der Nicht-Einmischung nicht völlig aufgeben will, aber die WTO andererseits
die Beachtung ihrer Prinzipien fordert und ihre Funktion als regelsetzende Institution
für den Welthandel wie gehabt beibehalten will. Die Volksrepublik befürchet,
dass mit einem WTO-Beitritt nach den strengen Kriterien der Organisation wieder
ein Stückchen Autorität für die Regierung verloren gehen wird.35
Man ist aber nicht bereit, diese Richtung der Liberalisierung und Demokratisierung
einzuschlagen.
Dass die chinesische Führung aber weiter nicht willens ist,
ihre Wirtschaftspolitik wesentlich transparenter und zugänglicher zu gestalten,
verstärkt das gegenwärtige Dilemma.36
So ist auch ein Konsens zwischen der Europäischen Union und
China nur schwer möglich, weil die Volksrepublik zum Beispiel Mehrheitsbeteiligungen
(51 Prozent) europäischer Unternehmen bei Joint Ventures im Telekommunikations-
und Versicherungsbereich ablehnt. Die USA hatten sich hier mit 49 Prozent-Beteiligungen
zufrieden gegeben. Da die EU in den genannten Bereichen zum Teil Weltmarktführer
ist, liegen hier besonders große Interessen. Die Verhandlungen bezüglich
dieser Einzelfragen werden sich wohl noch einige Zeit hinziehen.37
Insgesamt kann man feststellen, dass sowohl die internationale
Wirtschaft als auch China selbst sehr an einer Vereinfachung und Förderung
der Wirtschaftsbeziehungen interessiert sind, über die Bedingungen ist
man sich aber mit den USA und der EU noch nicht gänzlich einig geworden.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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