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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die chinesische Politik gegenüber dem Internationalen
Währungsfonds und der Weltbank, und Chancen und Möglichkeiten hinsichtlich
eines Beitritts zur Welthandelsorganisation - Mathias G. Junkert
II. Chinas Politik gegenüber Weltbank und IMF
C. Ergebnisse der Kooperation und Chinas Position heute in
IMF und Weltbank
Insgesamt läßt sich sagen, dass sich mit dem Beginn
der Öffnungspolitik und schließlich mit der Integration der Volksrepublik
China in die internationalen Finanzorganisationen IMF und Weltbank die Wirtschaftsbeziehungen
und die wirtschaftliche Lage im Inneren deutlich verbessert haben. Die Reformpolitik
bewirkte so ein bis heute fast kontinuierliches Anwachsen des Handelvolumens
und eine Veränderung der Außenhandelsbeziehungen von Konfrontation
hin zu Kooperation. Außerdem erfuhr die chinesische Wirtschaft eine völlige
Umstrukturierung von der Landwirtschaft zur Industrie, die selbst mit den Reformen
eine positive Entwicklung zu verzeichnen hat. Deutliche Mankos bestehen allerdings
weiter im Dienstleistungsbereich.26
Bei der Bewertung des Erreichten und der Fortschritte der Öffnungspolitik
fanden sich in China durchaus unterschiedliche Meinungen. Im allgemeinen läßt
sich sagen, dass sich mit der Öffnungspolitik unter den Politikern eine
große Angst vor dem Unbekannten und der Unkontrollierbarkeit der Öffnung
breit machte. Somit gab es zum Teil starken Widerstand gegen die Reformbestrebungen.
Außerdem war es für viele Politiker und Behörden aufgrund des
fehlenden Wissens nicht möglich, entsprechende Entscheidungen zu treffen
oder diese Vorgaben bezüglich der Reformen umzusetzen.
Dabei zeigte sich, dass die Weltbank im wesentlichen einen beruhigenden
Einfluss auf die chinesische Psychologie ausübte. Hier war es wichtig,
dass die Weltbank neutral beratend blieb und nicht den Anschein erweckte, die
Volksrepublik in irgendeiner Weise unter Druck zu setzen und ihr etwas Entscheidungsfreiheit
zu nehmen. Aber "offensichtlich ist es der Weltbank gelungen, ihre wirtschaftspolitischen
Vorstellungen für China zu verwirklichen und gleichzeitig die sensible
Frage der Einmischung in die inneren Angelegenheiten zu vermeiden."27
Dasselbe kann für die Beziehungen zwischen China und dem
IMF gesagt werden, wenn auch in abgeschwächter Form aufgrund der gelegentlich
auftretenden Differenzen.
Wie groß der Beitrag der Weltbank und des IMF für die
Reformfortschritte wirklich war, läßt sich schwer abschätzen.
Allerdings ist anzunehmen, dass die Analysen, Berichte und Beratungen
der Weltbank und des IMF eine große Unterstützung für die Reformkräfte
innerhalb der Volksrepublik darstellten. So konnten sich die Reformer um Deng
Xiaoping gegenüber den konservativen Kräften durchsetzen.
Neben den Finanzhilfen sind aber vor allem die Beratungsdienstleistungen
des IMF und der Weltbank hervorzuheben. So konnten treffenden Analysen der chinesischen
Volkswirtschaft oder Berichte über den Stand des Reformprozesses in den
80er Jahren erstellt werden. Weiterhin förderte man den Aufbau von Institutionen,
die durch den Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft nötig geworden
waren und diesen nun regeln sollten.
Neben der Bereitschaft des IMF und der Weltbank, ihre Tätigkeit
in den Hintergrund zu stellen und der Volksrepublik die ‚Showbühne‘ zu
überlassen, hingen der Erfolg beziehungsweise das Scheitern der Zusammenarbeit
im wesentlichen von dem Willen Chinas ab, Einblick in die inneren Angelegenheiten
zu geben. Wichtig und letztendlich entwicklungsfördernd war, dass China
die Spielregeln des IMF und der Weltbank im wesentlichen akzeptierte und ausreichend
Engagement bei der Durchsetzung der Reformen bewies. Die Tatsache, dass China
sich fähig zeigte, mit dem Ausland zusammenzuarbeiten, erhöhte gleichzeitig
das Ansehen der Volksrepublik, ließ aber andererseits auch naive Hoffnungen
einer konfliktfreien Zukunft entstehen. Dass diese Erwartungen unberechtigt
waren, zeigt die Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989. Die politischen
Führer der Volksrepublik haben und werden auch in Zukunft peinlich genau
darauf achten, dass niemand außer ihnen selbst bestimmt, was, wie und
in welchem Maße in China reformiert wird.28
Heute ist China immer noch der größte Kreditnehmer
der Weltbank, die stets dort zur Seite steht- finanziell und beratend-, wo durch
Versäumnisse in den letzten Jahren Nachholbedarf entstanden ist.
Dagegen nimmt die Volksrepublik vom Internationalen Währungsfonds
keine Kredite mehr in Anspruch. Die Leistungen des IMF für China bestehen
heute im wesentlichen in Beratungen bei makroökonomischen Fragen.29
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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