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Die chinesische Politik gegenüber dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, und Chancen und Möglichkeiten hinsichtlich eines Beitritts zur Welthandelsorganisation - Mathias G. Junkert

  I     II     III     IV     V     Inhaltsverzeichnis des Artikels

II. Chinas Politik gegenüber Weltbank und IMF

C. Ergebnisse der Kooperation und Chinas Position heute in IMF und Weltbank

Insgesamt läßt sich sagen, dass sich mit dem Beginn der Öffnungspolitik und schließlich mit der Integration der Volksrepublik China in die internationalen Finanzorganisationen IMF und Weltbank die Wirtschaftsbeziehungen und die wirtschaftliche Lage im Inneren deutlich verbessert haben. Die Reformpolitik bewirkte so ein bis heute fast kontinuierliches Anwachsen des Handelvolumens und eine Veränderung der Außenhandelsbeziehungen von Konfrontation hin zu Kooperation. Außerdem erfuhr die chinesische Wirtschaft eine völlige Umstrukturierung von der Landwirtschaft zur Industrie, die selbst mit den Reformen eine positive Entwicklung zu verzeichnen hat. Deutliche Mankos bestehen allerdings weiter im Dienstleistungsbereich.26

Bei der Bewertung des Erreichten und der Fortschritte der Öffnungspolitik fanden sich in China durchaus unterschiedliche Meinungen. Im allgemeinen läßt sich sagen, dass sich mit der Öffnungspolitik unter den Politikern eine große Angst vor dem Unbekannten und der Unkontrollierbarkeit der Öffnung breit machte. Somit gab es zum Teil starken Widerstand gegen die Reformbestrebungen. Außerdem war es für viele Politiker und Behörden aufgrund des fehlenden Wissens nicht möglich, entsprechende Entscheidungen zu treffen oder diese Vorgaben bezüglich der Reformen umzusetzen.

Dabei zeigte sich, dass die Weltbank im wesentlichen einen beruhigenden Einfluss auf die chinesische Psychologie ausübte. Hier war es wichtig, dass die Weltbank neutral beratend blieb und nicht den Anschein erweckte, die Volksrepublik in irgendeiner Weise unter Druck zu setzen und ihr etwas Entscheidungsfreiheit zu nehmen. Aber "offensichtlich ist es der Weltbank gelungen, ihre wirtschaftspolitischen Vorstellungen für China zu verwirklichen und gleichzeitig die sensible Frage der Einmischung in die inneren Angelegenheiten zu vermeiden."27

Dasselbe kann für die Beziehungen zwischen China und dem IMF gesagt werden, wenn auch in abgeschwächter Form aufgrund der gelegentlich auftretenden Differenzen.

Wie groß der Beitrag der Weltbank und des IMF für die Reformfortschritte wirklich war, läßt sich schwer abschätzen.

Allerdings ist anzunehmen, dass die Analysen, Berichte und Beratungen der Weltbank und des IMF eine große Unterstützung für die Reformkräfte innerhalb der Volksrepublik darstellten. So konnten sich die Reformer um Deng Xiaoping gegenüber den konservativen Kräften durchsetzen.

Neben den Finanzhilfen sind aber vor allem die Beratungsdienstleistungen des IMF und der Weltbank hervorzuheben. So konnten treffenden Analysen der chinesischen Volkswirtschaft oder Berichte über den Stand des Reformprozesses in den 80er Jahren erstellt werden. Weiterhin förderte man den Aufbau von Institutionen, die durch den Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft nötig geworden waren und diesen nun regeln sollten.

Neben der Bereitschaft des IMF und der Weltbank, ihre Tätigkeit in den Hintergrund zu stellen und der Volksrepublik die ‚Showbühne‘ zu überlassen, hingen der Erfolg beziehungsweise das Scheitern der Zusammenarbeit im wesentlichen von dem Willen Chinas ab, Einblick in die inneren Angelegenheiten zu geben. Wichtig und letztendlich entwicklungsfördernd war, dass China die Spielregeln des IMF und der Weltbank im wesentlichen akzeptierte und ausreichend Engagement bei der Durchsetzung der Reformen bewies. Die Tatsache, dass China sich fähig zeigte, mit dem Ausland zusammenzuarbeiten, erhöhte gleichzeitig das Ansehen der Volksrepublik, ließ aber andererseits auch naive Hoffnungen einer konfliktfreien Zukunft entstehen. Dass diese Erwartungen unberechtigt waren, zeigt die Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989. Die politischen Führer der Volksrepublik haben und werden auch in Zukunft peinlich genau darauf achten, dass niemand außer ihnen selbst bestimmt, was, wie und in welchem Maße in China reformiert wird.28

Heute ist China immer noch der größte Kreditnehmer der Weltbank, die stets dort zur Seite steht- finanziell und beratend-, wo durch Versäumnisse in den letzten Jahren Nachholbedarf entstanden ist.

Dagegen nimmt die Volksrepublik vom Internationalen Währungsfonds keine Kredite mehr in Anspruch. Die Leistungen des IMF für China bestehen heute im wesentlichen in Beratungen bei makroökonomischen Fragen.29

 
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