LOGO CHINAFOKUS
   Berlin: 14:54   Peking: 20:54 Impressum | Kontakt | Sitemap 
Stichwortsuche
LOS
THEMENFOKUS
Galerie
BRANCHENFOKUS
REISEN
BÜCHERFOKUS
CHINAGRUSS

Olympia-Special Beijing 2008



Letzte Zuflucht Schanghai

    THEMEN > Wirtschaft >
Projektgruppe Model United Nations, München 2000 The world belongs to all

Die chinesische Politik gegenüber dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, und Chancen und Möglichkeiten hinsichtlich eines Beitritts zur Welthandelsorganisation - Mathias G. Junkert

  I     II     III     IV     V     Inhaltsverzeichnis des Artikels

II. Chinas Politik gegenüber Weltbank und IMF

3. Chinas Integration in die internationale Finanzpolitik

Man kann davon ausgehen, dass in China selbst das Für und Wider einer Mitgliedschaft in IMF und Weltbank genau abgewogen wurden. Nachteil blieb nach wie vor die Tatsache, das Land nun der internationalen Gemeinschaft zugänglich machen und in zuvor streng gehütete Geheimnisse Einblick geben zu müssen. So erforderte die Mitgliedschaft in IMF und Weltbank, nun alle Wirtschaftsdaten aufzudecken. Außerdem war es nicht zu vermeiden, fremde Delegationen des IMF und der Weltbank in das Land reisen und sich somit auf die Finger sehen zu lassen.

Jedoch überwogen die Vorteile eindeutig. Neben den offensichtlichen neuen Möglichkeiten wie Kreditansprüche und Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen, dürften einige Ergebnisse des Beitritts das Selbstbewusstsein der Volksrepublik China enorm gesteigert haben: Da war zum einen der große diplomatische Erfolg, endlich an Stelle Taiwans internationale Anerkennung erlangt zu haben. Zum anderen konnte man davon ausgehen, das die Volksrepublik nun auch bilaterale Beziehungen entwickeln und positiv gestalten konnte.18

Mit dem Beitritt zum IMF und zur Weltbank war China ein weiterer Schritt zur Beendigung der politischen und ökonomischen Isolierung gelungen.

Die Volksrepublik erhielt nun Zugang zu den Dienstleistungen der beiden Organisationen.

a) China im Internationalen Währungsfonds

Von 1981 bis 1987 erhielt China fast zwei Milliarden SDR19 aus dem Internationalen

Währungsfonds. Insgesamt wurden die IMF-Fazilitäten bis 1987 äußerst intensiv genutzt, der

Höhepunkt war 1987 erreicht.20

Allerdings existierten durchaus Differenzen in den Beziehungen zwischen IMF und China. So verstieß China gegen Regeln des Fonds, zum Beispiel in der Wechselkurspolitik. Hier läßt sich der grundsätzliche Interessenkonflikt der Volksrepublik erkennen: Zum einen würde man gerne seine Unabhängigkeit bewahren, auf der anderen Seite will man auch an den positiven Effekten der internationalen Organisationen teilhaben.

Oft konnte die Volksrepublik ihre Kredite vorzeitig zurückzahlen, Zeichen der Stabilisierung der chinesischen Wirtschaft. Wie ungern China seine Schwächen dem Internationalen Währungsfonds offenbarte, zeigt sich anhand einer der vielen wirtschaftlichen Krisen in den Jahren 1989 und 1990: Aufgrund eines Leistungsbilanzdefizits und hohen Inflationsraten, die zu einer Krise der Binnenwirtschaft führten, bat die chinesische Führung nicht mehr um die durchaus nützliche Hilfe des Internationalen Währungsfonds, sondern reagierte mit einem eigenen Konsolidierungsprogramm, welches zum Beispiel Importrestriktionen beinhaltete.21

Aber trotz der diversen Unstimmigkeiten zeigte sich der IMF als äußerst nützlich für die chinesische Öffnungspolitik nach 1978, welche das Ziel hatte, die Investitionsbereitschaft und die Einführung neuer Technologien aus dem Ausland zu fördern. Da China aber zunächst keine verläßlichen Wirtschaftsdaten präsentieren konnte, erwies sich das Ausland zunächst sehr zurückhaltend. Deshalb unterstützte der IMF die Volksrepublik bei der Erstellung einer Leistungsbilanz, die internationalen Maßstäben gerecht wurde, um Investoren und Handelpartnern aussagekräftige Wirtschaftsdaten vorlegen und ihnen damit mehr Sicherheit geben zu können.

Aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem IMF fand sich China zunehmend bereit mit der Organisation zusammenzuarbeiten. So nahm man auch Vorschläge zur Wechselkurspolitik an und führte diese schließlich auch durch.22

b) China in der Weltbank

Die Zusammenarbeit Chinas mit den Institutionen der Weltbank gestaltete sich von Anfang an einfacher als mit dem Internationalen Währungsfonds, da sich hier die Projekte konkreter gestalteten, etwa in Form von Unterstützung für Entwicklungsprogramme oder durch Kredithilfen. So erhielt die Volksrepublik China im Zeitraum von 1981 bis 1993 Finanzhilfen der Weltbank in Höhe von 16,485 Milliarden US-Dollar.

Bis heute ist die Volksrepublik China der größte Kreditnehmer der Weltbank. Eine Unterbrechung fand lediglich 1989 statt, als nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung in China eine Welle der Empörung durch die Welt ging.

Gemäß der eigentlichen Konzeption des Weltbanksystems, gewährte die Organisation vor allem an konkrete Projekte gebundene Kredite. Mit diesen Finanzhilfen wurde ganz besonders dort investiert, wo es die Regierung versäumt hatte, Maßnahmen zur Modernisierung zu ergreifen, das heißt vorrangig in der Landwirtschaft und im Ausbau der Infrastruktur.

Knapp 50 Prozent der Weltbankkredite wurden für die Bereiche Transport und Landwirtschaft verwendet, sieben Prozent gingen in die Industrie, acht Prozent in die Ausbildung und 18 Prozent in den Energiebereich.23

Die Weltbank hatte großen Einfluss auf die weitere Reformpolitik in China. Einen bedeutenden Erfolg, sowohl für die Bank als auch für China, bedeutete das Zustandekommen einer Weltbank-Studie über die wirtschaftliche Situation in China. Auf der einen Seite konnte nämlich die Weltbank ihre Effektivität und damit den Sinn ihrer Arbeit unter Beweis stellen, auf der anderen Seite bezeugte die politische Elite Chinas, dass man durchaus bereit sei, bis dahin gehütete Wirtschaftsgeheimnisse aufzudecken und dass man fähig sei, mit fremden Experten zusammenzuarbeiten. Ein weiterer Vorteil dieser Zusammenarbeit war für die Volksrepublik nun die Tatsache, dass man aufgrund der Studie bis zu diesem Zeitpunkt im Land ungekannte Zustandsanalysen der Wirtschaft erhielt, auf deren Basis man die Reformpolitik sinnvoll weiter betreiben konnte.

So arbeiteten im Jahr 1984 Experten der Weltbank mit den chineqischen Behörden und Ministerien eng zusammen. Aufgrund der sachlichen und damit aussagekräftigen Analysen konnten schließlich Empfehlungen und Anregungen für die zukünftige Wirtschaftspolitik gegeben werden, ein Ergebnis, dass noch kurze Zeit zuvor nicht zu verwirklichen gewesen wäre, da den chinesischen Behörden zum einen das fachliche Wissen fehlte und da man zum anderen wegen Ideologie und Realitätsferne niemals bereit gewesen wäre, Empfehlungen oder gar Kritik an der eigenen Politik entgegenzunehmen. 24

Neben den Finanzhilfen, den beratenden und unterstützenden Tätigkeiten der Weltbank erhielt die Volksrepublik einige Anregungen, welche die Reformer in ihrem Willen, die begonnene Öffnungspolitik voranzutreiben, bestärkten. So erkannte man die Notwendigkeit, institutionelle Anpassungen zu verwirklichen, die marktwirtschaftliche Strukturen erforderten. In Hinblick auf die neuen Anforderungen musste die Funktionsweise, das heißt vor allem die Effektivität, der staatlichen Behörden verändert werden. Außerdem war man sich inzwischen bewusst, eine schrittweise, wenn auch äußerst vorsichtige, Umgestaltung der Wirtschaftsordnung herbeiführen zu müssen.25

 
Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

Oben
CHINAFOKUS ist ein Service der INSIDE A Communications AG
© 2000-2009 / INSIDE A         Impressum, Nutzungsbedingungen
Zum Artikel
Zusammen-
fassung

Inhaltsverzeichnis
Projektgruppe NMUN

Zum Thema
Artikel/Beiträge Wirtschaftsmacht des 21. Jahrhunderts?
Der chinesische Aktienmarkt
Internet-Links
China-Site des IMF
WTO-Site zu China
Chinaseiten der Weltbank