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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Die chinesische Politik gegenüber dem Internationalen
Währungsfonds und der Weltbank, und Chancen und Möglichkeiten hinsichtlich
eines Beitritts zur Welthandelsorganisation - Mathias G. Junkert
II. Chinas Politik gegenüber Weltbank und IMF
3. Chinas Integration in die internationale Finanzpolitik
Man kann davon ausgehen, dass in China selbst das Für und
Wider einer Mitgliedschaft in IMF und Weltbank genau abgewogen wurden. Nachteil
blieb nach wie vor die Tatsache, das Land nun der internationalen Gemeinschaft
zugänglich machen und in zuvor streng gehütete Geheimnisse Einblick
geben zu müssen. So erforderte die Mitgliedschaft in IMF und Weltbank,
nun alle Wirtschaftsdaten aufzudecken. Außerdem war es nicht zu vermeiden,
fremde Delegationen des IMF und der Weltbank in das Land reisen und sich somit
auf die Finger sehen zu lassen.
Jedoch überwogen die Vorteile eindeutig. Neben den offensichtlichen
neuen Möglichkeiten wie Kreditansprüche und Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen,
dürften einige Ergebnisse des Beitritts das Selbstbewusstsein der Volksrepublik
China enorm gesteigert haben: Da war zum einen der große diplomatische
Erfolg, endlich an Stelle Taiwans internationale Anerkennung erlangt zu haben.
Zum anderen konnte man davon ausgehen, das die Volksrepublik nun auch bilaterale
Beziehungen entwickeln und positiv gestalten konnte.18
Mit dem Beitritt zum IMF und zur Weltbank war China ein weiterer
Schritt zur Beendigung der politischen und ökonomischen Isolierung gelungen.
Die Volksrepublik erhielt nun Zugang zu den Dienstleistungen der
beiden Organisationen.
a) China im Internationalen Währungsfonds
Von 1981 bis 1987 erhielt China fast zwei Milliarden SDR19
aus dem Internationalen
Währungsfonds. Insgesamt wurden die IMF-Fazilitäten
bis 1987 äußerst intensiv genutzt, der
Höhepunkt war 1987 erreicht.20
Allerdings existierten durchaus Differenzen in den Beziehungen
zwischen IMF und China. So verstieß China gegen Regeln des Fonds, zum
Beispiel in der Wechselkurspolitik. Hier läßt sich der grundsätzliche
Interessenkonflikt der Volksrepublik erkennen: Zum einen würde man gerne
seine Unabhängigkeit bewahren, auf der anderen Seite will man auch an den
positiven Effekten der internationalen Organisationen teilhaben.
Oft konnte die Volksrepublik ihre Kredite vorzeitig zurückzahlen,
Zeichen der Stabilisierung der chinesischen Wirtschaft. Wie ungern China seine
Schwächen dem Internationalen Währungsfonds offenbarte, zeigt sich
anhand einer der vielen wirtschaftlichen Krisen in den Jahren 1989 und 1990:
Aufgrund eines Leistungsbilanzdefizits und hohen Inflationsraten, die zu einer
Krise der Binnenwirtschaft führten, bat die chinesische Führung nicht
mehr um die durchaus nützliche Hilfe des Internationalen Währungsfonds,
sondern reagierte mit einem eigenen Konsolidierungsprogramm, welches zum Beispiel
Importrestriktionen beinhaltete.21
Aber trotz der diversen Unstimmigkeiten zeigte sich der IMF als
äußerst nützlich für die chinesische Öffnungspolitik
nach 1978, welche das Ziel hatte, die Investitionsbereitschaft und die Einführung
neuer Technologien aus dem Ausland zu fördern. Da China aber zunächst
keine verläßlichen Wirtschaftsdaten präsentieren konnte, erwies
sich das Ausland zunächst sehr zurückhaltend. Deshalb unterstützte
der IMF die Volksrepublik bei der Erstellung einer Leistungsbilanz, die internationalen
Maßstäben gerecht wurde, um Investoren und Handelpartnern aussagekräftige
Wirtschaftsdaten vorlegen und ihnen damit mehr Sicherheit geben zu können.
Aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem IMF fand sich China
zunehmend bereit mit der Organisation zusammenzuarbeiten. So nahm man auch Vorschläge
zur Wechselkurspolitik an und führte diese schließlich auch durch.22
b) China in der Weltbank
Die Zusammenarbeit Chinas mit den Institutionen der Weltbank gestaltete
sich von Anfang an einfacher als mit dem Internationalen Währungsfonds,
da sich hier die Projekte konkreter gestalteten, etwa in Form von Unterstützung
für Entwicklungsprogramme oder durch Kredithilfen. So erhielt die Volksrepublik
China im Zeitraum von 1981 bis 1993 Finanzhilfen der Weltbank in Höhe von
16,485 Milliarden US-Dollar.
Bis heute ist die Volksrepublik China der größte Kreditnehmer
der Weltbank. Eine Unterbrechung fand lediglich 1989 statt, als nach der blutigen
Niederschlagung der Demokratiebewegung in China eine Welle der Empörung
durch die Welt ging.
Gemäß der eigentlichen Konzeption des Weltbanksystems,
gewährte die Organisation vor allem an konkrete Projekte gebundene Kredite.
Mit diesen Finanzhilfen wurde ganz besonders dort investiert, wo es die Regierung
versäumt hatte, Maßnahmen zur Modernisierung zu ergreifen, das heißt
vorrangig in der Landwirtschaft und im Ausbau der Infrastruktur.
Knapp 50 Prozent der Weltbankkredite wurden für die Bereiche
Transport und Landwirtschaft verwendet, sieben Prozent gingen in die Industrie,
acht Prozent in die Ausbildung und 18 Prozent in den Energiebereich.23
Die Weltbank hatte großen Einfluss auf die weitere Reformpolitik
in China. Einen bedeutenden Erfolg, sowohl für die Bank als auch für
China, bedeutete das Zustandekommen einer Weltbank-Studie über die wirtschaftliche
Situation in China. Auf der einen Seite konnte nämlich die Weltbank ihre
Effektivität und damit den Sinn ihrer Arbeit unter Beweis stellen, auf
der anderen Seite bezeugte die politische Elite Chinas, dass man durchaus bereit
sei, bis dahin gehütete Wirtschaftsgeheimnisse aufzudecken und dass man
fähig sei, mit fremden Experten zusammenzuarbeiten. Ein weiterer Vorteil
dieser Zusammenarbeit war für die Volksrepublik nun die Tatsache, dass
man aufgrund der Studie bis zu diesem Zeitpunkt im Land ungekannte Zustandsanalysen
der Wirtschaft erhielt, auf deren Basis man die Reformpolitik sinnvoll weiter
betreiben konnte.
So arbeiteten im Jahr 1984 Experten der Weltbank mit den chineqischen
Behörden und Ministerien eng zusammen. Aufgrund der sachlichen und damit
aussagekräftigen Analysen konnten schließlich Empfehlungen und Anregungen
für die zukünftige Wirtschaftspolitik gegeben werden, ein Ergebnis,
dass noch kurze Zeit zuvor nicht zu verwirklichen gewesen wäre, da den
chinesischen Behörden zum einen das fachliche Wissen fehlte und da man
zum anderen wegen Ideologie und Realitätsferne niemals bereit gewesen wäre,
Empfehlungen oder gar Kritik an der eigenen Politik entgegenzunehmen. 24
Neben den Finanzhilfen, den beratenden und unterstützenden
Tätigkeiten der Weltbank erhielt die Volksrepublik einige Anregungen, welche
die Reformer in ihrem Willen, die begonnene Öffnungspolitik voranzutreiben,
bestärkten. So erkannte man die Notwendigkeit, institutionelle Anpassungen
zu verwirklichen, die marktwirtschaftliche Strukturen erforderten. In Hinblick
auf die neuen Anforderungen musste die Funktionsweise, das heißt vor allem
die Effektivität, der staatlichen Behörden verändert werden.
Außerdem war man sich inzwischen bewusst, eine schrittweise, wenn auch
äußerst vorsichtige, Umgestaltung der Wirtschaftsordnung herbeiführen
zu müssen.25
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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