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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Chinas Rolle in den Vereinten Nationen - Nicole
Alecu de Fler
II. Chinas Rolle in den VN nach seinem Beitritt im Jahre 1971
C. Chinas Rolle in NGOs/INGOs
NGOs und INGOs spielen eine bedeutende Rolle für die Arbeit
der Vereinten Nationen. Viele NGOs kooperieren mit den Vereinten Nationen und
haben insbesondere beratende Funktionen. Deswegen ist es für eine Analyse
der Rolle Chinas in den Vereinten Nationen auch wichtig, zu untersuchen, wie
China die Rolle der NGOs und INGOs in den Vereinten Nationen, besonders bezüglich
der Arbeit des Sicherheitsrates und der Generalversammlung beurteilt.
Chinas derzeitige Rolle in NGOs und INGOs ist noch stark bestimmt
von seinen im Vergleich mit anderen Ländern niedrigen Beteiligung, und
auch die Rolle, die es spielt, muß in vielen Fällen noch geklärt
werden. Dies spiegelt die Tatsache wieder, daß China immer noch eine relativ
geschlossene Gesellschaft ist, und seine Rolle in derartigen Organisationen
meist von Reserviertheit bestimmt ist.
China spielt eine große Rolle in Organisationen, die sich
mit Sozialem oder Gesundheit und Wissenschaft und Technik beschäftigen,
gefolgt von Organisationen, die sich mit Ausbildung oder Kommunikation und der
Wirtschaft beschäftigen; seine Beteiligung in religiösen oder politischen
Organisationen ist am niedrigsten. Dies ist ein sehr guter Indikator für
den geringen Grad an Pluralismus in der chinesischen Gesellschaft. Ein weiterer
Grund dafür ist die traditionelle chinesische Sicht internationaler Beziehungen,
die im allgemeinen defensiv und in sich gekehrt ist.
China initiiert auch kaum eigene NGOs oder INGOs, was sich aus
der kleinen Zahl von internationalen Organisationen mit Headquarters oder Zweigstellen
in China erkennen läßt.
Die Rolle von NGOs und INGOs im UN-Rahmen und deren Aktivitäten
wurde von China also zunächst mit Unbehagen betrachtet. Es glaubte nicht,
daß derartige Organisationen den nationalen Interessen Chinas dienen könnten,
und störte sich daran, daß die meisten dieser Organisationen in den
frühen siebziger Jahren noch stark vom Westen dominiert wurden. Mit der
beständig wachsenden Bedeutung und Beteiligung von NGOs und INGOs mußte
China seine Haltung aber revidieren, und es trat in die Welt der NGOs und INGOs
ein. Nach 1978 begann China also, selbst eine aktivere Rolle in einigen NGOs
und INGOs anzunehmen und sah die Rolle dieser Organisationen für die Arbeit
der VN positiver, so daß es es sogar für möglich hielt, daß
diese etwas zu Chinas Modernisierung beitragen könnten.
"So hat etwa Beijings Mitwirken im System der Vereinten
Nationen zu einer widerstrebenden Hinnahme der Tätigkeit von NGOs geführt,
aber gleichzeitig zu verstärkten Bemühungen, diese Aktivitäten
zu kontrollieren."29
Mittlerweile hat China durch seine Teilnahme in derartigen Organisationen
auch einige positive Erfahrungen gemacht.
Chinas Beteiligung in NGOs und INGOs bietet auch eine gute Gelegenheit,
um das "zwei China"-Problem in Chinas Rolle in internationalen Organisationen
zu untersuchen.
"[China’s] insistence on the expulsion of Taiwan as
a precondition for its entry to INGOs has been modified progressively: Now
China accepts Taiwan as a member of INGOs on an individual, group, or national
basis, provided that such membership does not identify Taiwan as the Republic
of China or in any way imply that Taiwan is an independent political entity."30
China mußte also die Rolle, die es in NGOs und INGOs spielen
wollte, überdenken und verändern. Es mußte seine Reserviertheit
aufgeben und mehr an den Prozessen des Gebens und Nehmens teilnehmen, wenn es
gute Beziehungen mit den NGOs und INGOs aufrechterhalten wollte. Es ist möglich,
daß dieser Lernprozess sich in ähnlicher Weise auf Chinas Rolle in
den Vereinten Nationen auswirken wird.
Momentan liegt Chinas Hauptinteresse in INGOs in den Gebieten
Soziales, Gesundheit, Naturwissenschaften und Technologie, aber es ist wahrscheinlich,
daß es mit der Zeit sein Interesse breiter fächern wird. Die wachsenden
Kontakte mit der Außenwelt könnten zu Veränderungen in Chinas
Weltanschauung und seinen politischen Zielsetzungen führen; dies wiederum
würde sich auf die Rolle Chinas in den Vereinten Nationen auswirken, vermutlich
dahingehend, daß es seine Reserviertheit ein Stück weit aufgeben
und seine Kooperationsbereitschaft steigen wird.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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