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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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Chinas Rolle in den Vereinten Nationen
- Nicole Alecu de Fler
- Zusammenfassung -
Bis zu seiner Aufnahme in die Vereinten Nationen (VN) befürwortete
die Volksrepublik China die Arbeit der VN mit wenigen Ausnahmen stets und war
bestrebt, selbst eine positive Rolle in dieser Organisation zu spielen. Die
Volksrepublik China nahm seit der Gründung der VN einen Grundsatz an, der
ihre Aktivitäten und damit auch ihre Rolle in den VN bis heute wesentlich
beeinflußt, nämlich den Grundsatz, der einzig legitime chinesische
Staat zu sein und allein als dieser anerkannt werden zu können. Sie war
deshalb der Meinung, daß ihr und nicht Taiwan, das den chinesischen Sitz
in den VN nach dem 2. Weltkrieg zunächst eingenommen hatte, dieser Sitz
zustehe. Während dieser Zeit entwickelte Peking weitere Grundsätze,
die ebenfalls prägend für die heutige Rolle Chinas in den VN sind;
u.a. verfolgte es entschlossen anti-hegemonische Grundsätze - vor allem
gegen die USA, versuchte, dem Entstehen eines "Clubs der Supermächte"
ohne seine Beteiligung entgegenzuwirken, und entschloß sich, die Rolle
eines Fürsprechers der Dritten Welt zu übernehmen.
Nach seiner Aufnahme in die VN im Jahre 1971 hatte China viele
Jahre lang eine größtenteils symbolische Rolle. Erst in den 1980er
Jahren erweiterte China seine Rolle im System der VN, indem es praktisch allen
wichtigen internationalen Regierungsorganisationen des Systems der VN beitrat.
Nach dem Ende des Kalten Krieges und somit auch dem Ende der "strategischen
Partnerschaft" Chinas mit den USA verlangte man von China, daß es
eine aktivere Rolle in den Vereinten Nationen annehme und sich auch zu Weltordnungsfragen
äußere. Im Großen und Ganzen ist Chinas allgemein positive
Ansicht über die VN erhalten geblieben, wenn nicht sogar gestärkt
worden. Seine Vertreter bei den VN scheinen jedoch nur wenig Interesse an Angelegenheiten
zu haben, die nicht mit vitalen nationalen Interessen Chinas zusammenhängen.
Ebenfalls aus diesem Grunde und weil es diese Organisationen für vom Westen
dominiert hielt, zeigte sich China der Arbeit und der Rolle von (internationalen)
Nicht-Regierungsorganisationen ((international) non.-governmental organizations
– (I)NGOs) im Rahmen der VN gegenüber bis vor kurzem ausgesprochen mißtrauisch.
In der Generalversammlung und im Sicherheitsrat hielten sich die
Chinesen anfangs im Hintergrund und nahmen die Rolle eines Lehrlings an. China
schloß sich in den VN von Anfang an bewußt keinem Block an, sondern
wollte die Rolle eines möglichst unabhängigen Akteurs, einer "Group
of One" spielen. Auch heutzutage zeigt sich China vor allem im Sicherheitsrat
hinsichtlich der meisten Angelegenheiten besonders reserviert und distanziert.
Mittlerweile benutzen die Chinesen die VN vielmehr als eine Bühne, um sich
als moralisches Regime zu profilieren und um zu bestätigen, daß sie
ihre Popularität nicht verloren haben.
Die Betrachtung ausgewählter Themengebiete zeigt, daß
die Rolle Chinas in den VN als sowohl von Eigeninteresse als auch von Kooperationsbereitschaft
geprägt charakterisiert werden kann. So hat sich Chinas Rolle in UN-Friedenssicherung
und dem UN-Sicherheitssystem über die Jahre hinweg dialektisch und situationsspezifisch
entwickelt. Seit dem Ende des Kalten Krieges unterstützt es UN-Friedenssicherungseinsätze
gelegentlich und nimmt in einem möglichst geringem Maße an ihnen
teil. Auch hinsichtlich der Weiterentwicklung des UN-Systems hat sich Chinas
Rolle gewandelt; in den letzten Jahren waren seine Bemühungen eher auf
eine Erhaltung als eine Reform des Systems hin angelegt. Im Hinblick auf die
Entwicklung der Dritten Welt schreibt sich China wie schon seit einigen Jahrzehnten
als das einzige Dritte-Welt-Land unter den Mitgliedern des Sicherheitsrates
stets eine besondere Rolle zu. Auf dem Gebiet der Menschenrechte schließlich
spielt Peking bislang eine besonders destruktive Rolle; seine Praxis widerspricht
internationalen Regimen und es strebt Reformen der Menschenrechtskommission
an, die von einigen als Versuche gedeutet werden, diese Körperschaften
ineffektiv zu machen.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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