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China und Japan: Historische, wirtschaftliche und strategische Beziehungen, insbesondere nach Ende des kalten Krieges
- Miriam Clados

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VI. Schlußbetrachtungen

Innerhalb der letzten 150 Jahre wurde die jeweilige Innen-und Regionalpolitik Japans und Chinas durch die gegenseitigen Beziehungen stark miteinander verkettet und nachhalig beeinflußt. Es mutet seltsam an, daß Japan ausgerechnet hier die Auswirkung und die Konsequenz des letzten Japankrieges gegen China nie ganz anerkannt hat und die blutige Rolle der kaiserlichen Armee ständig aufs neue beschwichtigen will. Stattdessen wird Chinas Verbitterung darüber eher als eine Art "Opfermentalität" und "Emotionsgeschichte" bezeichnet. Einigen chinesischen Analysen zufolge wird sich Japan auch erst dann aufrichtig entschuldigen, wenn China wieder zu einer neuen Macht erstarkt ist, denn erst dann würde es das asiatische Bewußtsein zulassen, sich zu neigen. Das Mißtrauen in der chinesischen Bevölkerung sitzt tief und führt dazu, daß dieser Konflikt trotz einer liberaleren Auffassung der Politiker, die dieses Hinderniss schneller beseitigen wollen, weiterlebt. Hierbei bleibt der Besuch Zemins 1998 in Japan der wohl letzte Versuch für dieses Jahrhundert, die japanische Regierung zu einer schriftlichen Entschuldigung zu überreden. Und obwohl beide Seiten bemüht sind, die bilateralen Beziehungen nicht zu sehr in den Schatten dieser Auseinandersetzung zu stellen, bleibt diese fehlende Geste ein ganz markantes und wesentliches Hinderniss für die Aussöhnung und in dem Zuge auch für eine stärkere Annäherung Chinas und Japans.

Japan trat aus der Nachkriegszeit als wirtschaftliche Supermacht hervor. Die "Abnormalität" im Bezug auf eine militärische Macht hat den Weg für diese "Großmachtwirtschaft" geebnet. Aber diese fundamentale Umstellung von Militär auf Wirtschaft schaffte es nicht, eine Versöhnung im französisch-deutschen Stil anzuregen. Trotz vieler Versuche, vorallem nach dem Abschluß des Freundschaftsvertrages 1972, liegt noch ein langer Weg vor den beiden Staaten, was gegenseitiges Vertrauen und ausreichende Verständigung in ihren Interaktionen betrifft. Eine lange Reihe von Problemen müßen davor gelöst werden(vgl.Lit. 27).

Wenn man Chinas tiefes Mißtrauen Japan gegenüber betrachtet, scheint es natürlich, daß China jeden Versuch Japans, aus seinem Status als rein pazifistischer Staat auszubrechen, heftig kritisiert. In dem Zuge ist auch jede sicherheitspolitische Konstellation, die ein größeres und stärkeres Japan fordert nicht in Chinas Sinn. Darunter fällt auch Japans Beziehung mit den USA, auch wenn diese Japan bis zu einem gewissen Grad einschränkt. China fühlt sich durch die neuen Vereinbarungen des US-japanischen Sicherheitsvertrags bedroht. Hauptsächlich fürchtet es um Taiwan. Außerdem scheinen die USA Japan oft bei seinen Versuchen zu mehr militärischer Verantwortung den Rücken zu stärken. Hierbei spielt auch herein, daß die Japan Security Defence Forces (SJDF) durch die neuen Bestimmungen des Vertrags von 1997 verschiedene aber vor allem mehr Funktionen übernehmen und es bis heute nicht ganz klar ist, ob Taiwan auch unter die Bezeichnung "Region um Japan" zu rechnen ist, also ob eine Einmischung in die Taiwan-Frage wahrscheinlich ist. Die Angst vor einem Wiederaufrüsten Japans wurde durch den Sieg der Konservativen in Japan noch gestärkt, die heute fast das ganze politische Zentrum kontrollieren. Besonders signifikant sind Themen wie z.B. neue japanische Filme, die die japanischen Kriegsverbrechen verharmlosen. Zudem verhindert die US-Präsenz die Frage nach chinesischer Vormachtstellung und das Wiederaufleben einer neuen Supermacht im asiatischen Raum. Auch die Angst vor eventuellen nuklearen Erweiterungsplänen der Bündnisspartner macht China die Akzeptanz des Bündnisses noch schwerer. China hat die Freundschaftsbasis mit Japan durch die mehrmaligen, unangekündigten Nukleartests zusätzlich unterhöhlt. Japan fror daraufhin seine Entwicklungshilfe ein und versucht diesen Trumpf jetzt durch eine stärkere Konditionierung und Kürzungen besser auszuspielen.

Probleme politischer und wirtschaftspolitischer Art sorgen auch immer wieder für Spannungen. Darunter fallen z.B. Gebietsstreite (Spratley-Konflikt), Hashimotos Rückkehr zum Yasukuni-Schrein und die Konditionierung von Entwicklungshilfe. Die jährlichen politischen Treffen auf höchster Ebene spiegeln diese Konflikte deutlich wieder.

Auch wenn die derzeitigen sino-japanischen Beziehungen die vielleicht besten dieses Jahrhunderts sind, wird sich das nächste Jahrhundert sicher als Herausforderung erweisen. Japan und China streben beide auf gewisse Art und Weise danach, die neue Supermacht Asiens zu werden. Japan will seine wirtschaftliche Stellung nicht aufgeben und China ist jetzt auf einem beständigen Weg der Modernisierung. Dies fördert wiederum Japans Angst, daß sich vielleicht von einem mit Taiwan vereinten China zu Recht in seiner wirtschaftlichen Vormachtstellung fürchten muß. In all dem sieht China eher den Trend Japans von Abhängigkeit zu Unabhängigkeit, von Pazifismus zu Pragmatismus und von politischen zum militärischen Mittelpunkt in der Politik. Dadurch werden die immer noch stark vorhandenen antijapanischen Ressentiments in der chinesischen Bevölkerung gefördert.

Es ist also deutlich, daß die derzeitigen bilateralen Beziehungen nicht gerade gute, stabile Beziehungen sind. Allerdings muss auch gesagt werden, daß sich beide Parteien der Wichtigkeit des jeweils anderen durchaus bewußt sind und daß sie aneinander nie vorbeikommen können. Das wird die Bemühung für gute Beziehungen nicht abreissen lassen. Zudem scheint die Lage auch stark von außenstehenden Faktoren abhängig zu sein und kann daher sehr leicht verändert werden. Es bleibt auch die wirtschaftliche Komponente der Beziehungen als Standbein sicher erhalten. Nicht umsonst nimmt China in der japanischen Außenpolitik den Platz Nummer eins ein.

 

Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG

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