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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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China und Japan: Historische, wirtschaftliche und strategische
Beziehungen, insbesondere nach Ende des kalten Krieges - Miriam Clados
V. Sicherheit und Miltär
D. Ausblick und Perpektiven
Das sich am Horizont abzeichnende Ende der pax americana in Asien
zwingt die japanische Außenpolitik, sich mit dem Wiederentstehen einer
pax sinica auseinanderzusetzen, wie sie Asien über Jahrhunderte lang kannte.
Im Interesse einer langfristigen, stabilen und friedlichen Entwicklung in Ostasien
ist Japan darauf bedacht, China in ein Geflecht wirtschaftlicher, politischer
und sicherheitspolitischer Interdependenzen einzubinden, die eine chinesische
Dominanz erschweren. Hierbei ist sich Japan seiner Einflußmöglichkeiten
durchaus bewußt und hat begonnen, diese in konstruktiver Weise aber auch
ohne Konfliktscheu zu benutzen.
Vor einer schwierigen Aufgabe steht die japanische Außenpolitik
bei ihrem Bemühen, China in das gerade enstehende Geflecht multilateraler
Sicherheitskooperationen in der asiatisch-pazifischen Region einzubinden. China
hat sich in mehreren Konflikten, z. B. im Spratly-Konflikt als wenig kooperativ
erwiesen. Dazu setzt die Volksrepublik ihre Atomtests und die Aufrüstung
fort und reagiert hinhaltend auf Forderungen nach mehr Transparenz seines Rüstungsetats.
Mit ihrem wachsenden regionalen und weltpolitischen Gewicht läßt
sich die Volksrepublik mithin schwerlich einbinden, sie versucht vielmehr, öfter
eigene Wege zu gehen. Darauf haben sich die Länder der Region und ganz
besonders Japan einzustellen. Für Japan wird es in dieser Frage von größter
Bedeutung sein, wie sich das amerikanisch-chinesische Verhältnis entwickelt.
Zur Zeit betreiben die USA eine Politik des Einbindens und Zurückdrängens,
die von dem Wunsch der Großmacht USA beseelt ist, die Interessen innerhalb
der Region nicht völlig aufgeben zu müssen, was ein Aufschwingen der
neuen Großmacht China teilweise bewirken würde. Andererseits ist
den USA durchaus bewußt, daß sie letztendlich an dem Aufschwung
nichts ändern kann. Die Frage bleibt also wie lange die USA bereit und
fähig sein werden, Chinas wachsenden Einfluß auszutarieren(vgl.Lit.6).
Die Voraussetzungen für eine multilaterale Sicherheitsordnung
in Asien sind derzeit noch nicht gegeben. Das ASEAN Regional Forum (ARF) fängt
erst an Gestalt anzunehmen. Es konnte bisher die alten bilateralen Sicherheitsstrukturen
nicht genügend ersetzen und die wirklichen Probleme für die Sicherheit
in Asien, d.h. Spratly- und Kaschmirkonflikt, aber auch Nuklearfragen nicht
thematisieren. In absehbarer Zukunft wird sich also die regionale Sicherheit
nicht nennenswert erhöhen und Länder wie China werden sich kaum erfolgreich
in die Konfliktlösungsmechanismen einbinden lassen. Dies bedeutet also,
daß regionale Konflikte auf bilateraler Basis b.z.w. unter den Betroffenen
gelöst werden müssen. Sowohl für Japan, dessen Seehandel und
Erdöleinfuhren zum Großteil über die Routen im Südchinesischen
Meer abgewickelt werden, als auch für die ASEAN-Staaten, die eine Konfrontation
mit dem übermächtigen China scheuen, ist dies vielmehr Grund zu erhöhter
Besorgnis. Chinas kontinuierliche Aufrüstung und die Ungewißheit
über seine weiteren militärischen Ambitionen erhöhen zudem die
Gefahr von Spannungen im südchinesischen Raum. Allerdings ist wohl nicht
zu erwarten daß sich das "Großreich" China weiter ausbreiten
will. Als Beweis dafür kann auch die relativ friedliche Geschichte der
Volksrepublik herangezogen werden. Außerdem scheint China zu groß,
um das eigene Territorium völlig zu überschauen und hat von daher
wahrscheinlich auch kein Verlangen nach mehr Gebiet.
Japans Außenpolitik steht in dieser Situation vor einer
doppelten Herausforderung. Sie muß sich einerseits auf ein langfristig
nachlassendes amerikanisches Engagement in Asien einstellen, selbst mehr Verantwortung
für regionale Sicherheit übernehmen und Akzeptanz hierfür bei
den asiatischen Nachbarn schaffen, andererseits muß Tokio auf Chinas hegemoniale
Ambitionen in der Region reagieren, d.h. ein Gegengewicht zu China schaffen,
ohne selbst als Militärmacht zu erscheinen und das bilaterale Verhältnis
zu China belasten. Der Schlüssel für mehr Akzeptanz und Vertrauenswürdigkeit
in der japanischen Außenpolitik liegt ganz wesentlich in der Aufarbeitung
der japanischen Geschichte, d.h. Japans Rolle im zweiten Weltkrieg.
China hingegen ist schon längst dabei sich seinen Hegemonieplatz
im asiatisch-pazifischen Raum zu sichern. Über kurz oder lang wird es dabei
im Verhältnis zu den USA zu Spannungen kommen, wenn die USA nicht bereit
sind das Gebiet Chinas Ansprüchen nach zu räumen. Die Volksrepublik
wird die Versuche Japans, wieder eine militärische Macht zu werden nur
sehr schwer akzeptien, so daß sich hier auch schon Spannungen abzeichnen,
die jedoch nicht unbedingt zur Konfrontation der beiden Staaten führen
muß.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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