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China und Japan: Historische, wirtschaftliche und strategische Beziehungen, insbesondere nach Ende des kalten Krieges
- Miriam Clados

  I     II     III     IV     V     VI     VII     Inhaltsverzeichnis des Artikels

V. Sicherheit und Miltär

D. Ausblick und Perpektiven

Das sich am Horizont abzeichnende Ende der pax americana in Asien zwingt die japanische Außenpolitik, sich mit dem Wiederentstehen einer pax sinica auseinanderzusetzen, wie sie Asien über Jahrhunderte lang kannte. Im Interesse einer langfristigen, stabilen und friedlichen Entwicklung in Ostasien ist Japan darauf bedacht, China in ein Geflecht wirtschaftlicher, politischer und sicherheitspolitischer Interdependenzen einzubinden, die eine chinesische Dominanz erschweren. Hierbei ist sich Japan seiner Einflußmöglichkeiten durchaus bewußt und hat begonnen, diese in konstruktiver Weise aber auch ohne Konfliktscheu zu benutzen.

Vor einer schwierigen Aufgabe steht die japanische Außenpolitik bei ihrem Bemühen, China in das gerade enstehende Geflecht multilateraler Sicherheitskooperationen in der asiatisch-pazifischen Region einzubinden. China hat sich in mehreren Konflikten, z. B. im Spratly-Konflikt als wenig kooperativ erwiesen. Dazu setzt die Volksrepublik ihre Atomtests und die Aufrüstung fort und reagiert hinhaltend auf Forderungen nach mehr Transparenz seines Rüstungsetats. Mit ihrem wachsenden regionalen und weltpolitischen Gewicht läßt sich die Volksrepublik mithin schwerlich einbinden, sie versucht vielmehr, öfter eigene Wege zu gehen. Darauf haben sich die Länder der Region und ganz besonders Japan einzustellen. Für Japan wird es in dieser Frage von größter Bedeutung sein, wie sich das amerikanisch-chinesische Verhältnis entwickelt. Zur Zeit betreiben die USA eine Politik des Einbindens und Zurückdrängens, die von dem Wunsch der Großmacht USA beseelt ist, die Interessen innerhalb der Region nicht völlig aufgeben zu müssen, was ein Aufschwingen der neuen Großmacht China teilweise bewirken würde. Andererseits ist den USA durchaus bewußt, daß sie letztendlich an dem Aufschwung nichts ändern kann. Die Frage bleibt also wie lange die USA bereit und fähig sein werden, Chinas wachsenden Einfluß auszutarieren(vgl.Lit.6).

Die Voraussetzungen für eine multilaterale Sicherheitsordnung in Asien sind derzeit noch nicht gegeben. Das ASEAN Regional Forum (ARF) fängt erst an Gestalt anzunehmen. Es konnte bisher die alten bilateralen Sicherheitsstrukturen nicht genügend ersetzen und die wirklichen Probleme für die Sicherheit in Asien, d.h. Spratly- und Kaschmirkonflikt, aber auch Nuklearfragen nicht thematisieren. In absehbarer Zukunft wird sich also die regionale Sicherheit nicht nennenswert erhöhen und Länder wie China werden sich kaum erfolgreich in die Konfliktlösungsmechanismen einbinden lassen. Dies bedeutet also, daß regionale Konflikte auf bilateraler Basis b.z.w. unter den Betroffenen gelöst werden müssen. Sowohl für Japan, dessen Seehandel und Erdöleinfuhren zum Großteil über die Routen im Südchinesischen Meer abgewickelt werden, als auch für die ASEAN-Staaten, die eine Konfrontation mit dem übermächtigen China scheuen, ist dies vielmehr Grund zu erhöhter Besorgnis. Chinas kontinuierliche Aufrüstung und die Ungewißheit über seine weiteren militärischen Ambitionen erhöhen zudem die Gefahr von Spannungen im südchinesischen Raum. Allerdings ist wohl nicht zu erwarten daß sich das "Großreich" China weiter ausbreiten will. Als Beweis dafür kann auch die relativ friedliche Geschichte der Volksrepublik herangezogen werden. Außerdem scheint China zu groß, um das eigene Territorium völlig zu überschauen und hat von daher wahrscheinlich auch kein Verlangen nach mehr Gebiet.

Japans Außenpolitik steht in dieser Situation vor einer doppelten Herausforderung. Sie muß sich einerseits auf ein langfristig nachlassendes amerikanisches Engagement in Asien einstellen, selbst mehr Verantwortung für regionale Sicherheit übernehmen und Akzeptanz hierfür bei den asiatischen Nachbarn schaffen, andererseits muß Tokio auf Chinas hegemoniale Ambitionen in der Region reagieren, d.h. ein Gegengewicht zu China schaffen, ohne selbst als Militärmacht zu erscheinen und das bilaterale Verhältnis zu China belasten. Der Schlüssel für mehr Akzeptanz und Vertrauenswürdigkeit in der japanischen Außenpolitik liegt ganz wesentlich in der Aufarbeitung der japanischen Geschichte, d.h. Japans Rolle im zweiten Weltkrieg.

China hingegen ist schon längst dabei sich seinen Hegemonieplatz im asiatisch-pazifischen Raum zu sichern. Über kurz oder lang wird es dabei im Verhältnis zu den USA zu Spannungen kommen, wenn die USA nicht bereit sind das Gebiet Chinas Ansprüchen nach zu räumen. Die Volksrepublik wird die Versuche Japans, wieder eine militärische Macht zu werden nur sehr schwer akzeptien, so daß sich hier auch schon Spannungen abzeichnen, die jedoch nicht unbedingt zur Konfrontation der beiden Staaten führen muß.

 

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