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China und Japan: Historische, wirtschaftliche und strategische Beziehungen, insbesondere nach Ende des kalten Krieges
- Miriam Clados

  I     II     III     IV     V     VI     VII     Inhaltsverzeichnis des Artikels

V. Sicherheit und Miltär

B. China und Japan als strategische Partner

Mit dem Wissen um die zentrale Bedeutung für Chinas Wirtschaftsentwicklung und dem Zugang zum Westen sowie dem gestiegenen politisch-militärischen Einfluß in Asien nach dem Ende des Ost-West Konflikts stand ein gestärktes Japan einem geschwächten China gegenüber. Durch den Wegfall des Ost-West-Konflikts veränderte sich die sicherheitsarchitektonische Lage in Asien. Am wichtigsten für die Region dabei blieb, daß die USA und Rußland und andererseits China und Rußland ihre jeweiligen gegensätzlichen Positionen aufgaben und damit Raum für neue Strategien geschaffen wurde. China und den USA fehlte damit auch der gemeinsame "Feind", der sie in der Konfliktsituation einen konnte. Jetzt konnten die alten Differenzen wieder deutlich zutage treten. Mit der Auflösung dieser alten Strukturen mußte auch das Verhältnis China-Japan neu definiert werden.

Dabei zeigt sich deutlich, daß Japan nicht mehr länger auf die Rolle der "halben Nation", d.h. der wirtschaftlich mächtigen aber politisch unbedeutenden Nation, reduziert werden will und sich daraus erheben will. Der 50. Jahrestag der Beendigung des zweiten Weltkrieges wurde weitgehend als der Tag angesehen, an dem Japan nun völlig mit seiner Vergangenheit abschließen sollte und sich renormalisieren sollte. Um auch wieder eine politische Macht darstellen zu können müßte Japan erst seine Rolle im asiatisch-pazifischen Raum übernehmen und sie dann auf die Welt ausdehnen. Indem Japan den Vorteil seiner ungeheuren wirtschaftlichen Macht ausnützt konnte das Inselreich tatsächlich seinen politischen Einfluß in regionalen und globalen Problemstellungen ausweiten, indem es entweder umfangreiche Spenden an internationale und regionale Organisationen gab oder indem Truppen für UN-Peacekeeping-Einsätze zur Verfügung gestellt wurden. Obwohl Japan an seine Friedensverfassung gebunden ist und der ständigen Kontrolle der in Japan stationierten US-Truppen untersteht hat es doch viel Mühe darauf verwandt, seine militärische Stärke auszubauen. Japan kann dabei schon auf seine Erfolge in der Beschaffung von technologisch besonders hochwertigen Waffen verweisen. Außerdem hat sich Japan zu dem weltweit zweitgrößten Bereitsteller von Truppen für den internationalen Einsatz entwickelt. Die Japan Security Defence Forces (JSDF) werden mittlerweile gerne weltweit eingesetzt.

Japan kann bei seinen Bemühungen jedoch nicht das aufstrebende China außer Acht lassen. Für Japan bleibt es dabei von größter Bedeutung eine gute und feste Beziehung zu der Volksrepublik aufzubauen und nicht zu Rivalität zurückzukehren. Eine Rolle spielt dabei sicherlich die wirtschaftspolitische Überlegung hinsichtlich Chinas großem Abnehmermarkt und die chinesische expandierende Wirtschaft. Aber ein starkes China muß Japan auch Grund zur Sorge geben. In der Geschichte der beiden Länder ist es noch nie vorgekommen, daß eine Gleichstellung vorgelegen hätte. Immer war eine Land der "Vassall" des Anderen. Obwohl die Gefahr eines sich rächenden Chinas gering erscheint, ist sie doch ein Thema in der japanischen Gesellschaft. Es kann dabei nicht in Japans Interesse liegen, China die führende Rolle in Asien zu überlassen und in den Schatten der Volksrepublik zu treten. Diese Ängste treiben Japan dazu, die eigene militärische Macht auszubauen, und sie werden über kurz oder lang zu Spannungen führen.

Für China auf der anderen Seite ist das wohl wichtigste Ziel, langanhaltende, stabile und friedliche internationale Beziehungen in seinem Umfeld aufzubauen. Dabei fallen die Beziehungen mit den Nachbarstaaten, insbesonders mit Japan, stark ins Gewicht. Hintergrund dabei ist, daß China so seinen internen Reformprozess ungehindert fortsetzen kann. Die freundschaftlichen und engen Beziehungen spielen in Chinas außenpolitischer Perzeption eine gewichtige Rolle. Deswegen wurde auch auf die Kriegsentschädigungszahlungen verzichtet und auch Zugeständnisse, wenn auch eher zögerlich, in der Frage von umstrittenen Gebieten gemacht. China hat dabei in Japan einen Staat gegenüber, der sich gerne in einen normalen Staat verwandeln will, gleichzeitig aber nicht bereit ist, sich seiner kriegerischen Vergangenheit zu stellen. Zudem hat Japan auch ein wirtschaftlich sehr starkes Gewicht in der Region und damit Einfluß auf China und baut seine politische Funktion ständig aus. Diese Faktoren führen oft zu Besorgnis innerhalb der Volksrepublik(vgl.Lit.13).

Chinas Nukleartests führten immmer wieder dazu, daß Japan seine Entwicklungszahlungen an die Volksrepublik suspendierte. Im selben Zuge wurde auch immer Chinas undurchsichtiger Militärhaushalt kritisiert. Japan hat China mehrmals um mehr Transparenz hinsichtlich seines Militärhaushalts in Form eines Weißbuchs gebeten. China hat Japan immer vertröstet und fährt auch heute noch mit seiner etwas undurchsichtigen Politik in Bezug auf sein Militär fort. Dies verhindert eine Vertrauensbildung.

China tut im Moment das Nötigste was verlangt wird, um die sonst sehr guten Beziehungen zu Japan aufrecht zu erhalten. Das bedeutet, daß einmal im Jahr zum Austausch über militärische Angelegenheiten zusammengekommen wird. Für mehr wird es wohl auch in naher Zukunft nicht reichen, da bei beiden Ländern zu viel Mißtrauen und Rivalität das Verhalten mitbestimmen.

 

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