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Projektgruppe Model United Nations, München 2000 |
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China und Japan: Historische, wirtschaftliche und strategische
Beziehungen, insbesondere nach Ende des kalten Krieges - Miriam Clados
V. Sicherheit und Miltär
B. China und Japan als strategische Partner
Mit dem Wissen um die zentrale Bedeutung für Chinas Wirtschaftsentwicklung
und dem Zugang zum Westen sowie dem gestiegenen politisch-militärischen
Einfluß in Asien nach dem Ende des Ost-West Konflikts stand ein gestärktes
Japan einem geschwächten China gegenüber. Durch den Wegfall des Ost-West-Konflikts
veränderte sich die sicherheitsarchitektonische Lage in Asien. Am wichtigsten
für die Region dabei blieb, daß die USA und Rußland und andererseits
China und Rußland ihre jeweiligen gegensätzlichen Positionen aufgaben
und damit Raum für neue Strategien geschaffen wurde. China und den USA
fehlte damit auch der gemeinsame "Feind", der sie in der Konfliktsituation
einen konnte. Jetzt konnten die alten Differenzen wieder deutlich zutage treten.
Mit der Auflösung dieser alten Strukturen mußte auch das Verhältnis
China-Japan neu definiert werden.
Dabei zeigt sich deutlich, daß Japan nicht mehr länger
auf die Rolle der "halben Nation", d.h. der wirtschaftlich mächtigen
aber politisch unbedeutenden Nation, reduziert werden will und sich daraus erheben
will. Der 50. Jahrestag der Beendigung des zweiten Weltkrieges wurde weitgehend
als der Tag angesehen, an dem Japan nun völlig mit seiner Vergangenheit
abschließen sollte und sich renormalisieren sollte. Um auch wieder eine
politische Macht darstellen zu können müßte Japan erst seine
Rolle im asiatisch-pazifischen Raum übernehmen und sie dann auf die Welt
ausdehnen. Indem Japan den Vorteil seiner ungeheuren wirtschaftlichen Macht
ausnützt konnte das Inselreich tatsächlich seinen politischen Einfluß
in regionalen und globalen Problemstellungen ausweiten, indem es entweder umfangreiche
Spenden an internationale und regionale Organisationen gab oder indem Truppen
für UN-Peacekeeping-Einsätze zur Verfügung gestellt wurden. Obwohl
Japan an seine Friedensverfassung gebunden ist und der ständigen Kontrolle
der in Japan stationierten US-Truppen untersteht hat es doch viel Mühe
darauf verwandt, seine militärische Stärke auszubauen. Japan kann
dabei schon auf seine Erfolge in der Beschaffung von technologisch besonders
hochwertigen Waffen verweisen. Außerdem hat sich Japan zu dem weltweit
zweitgrößten Bereitsteller von Truppen für den internationalen
Einsatz entwickelt. Die Japan Security Defence Forces (JSDF) werden mittlerweile
gerne weltweit eingesetzt.
Japan kann bei seinen Bemühungen jedoch nicht das aufstrebende
China außer Acht lassen. Für Japan bleibt es dabei von größter
Bedeutung eine gute und feste Beziehung zu der Volksrepublik aufzubauen und
nicht zu Rivalität zurückzukehren. Eine Rolle spielt dabei sicherlich
die wirtschaftspolitische Überlegung hinsichtlich Chinas großem Abnehmermarkt
und die chinesische expandierende Wirtschaft. Aber ein starkes China muß
Japan auch Grund zur Sorge geben. In der Geschichte der beiden Länder ist
es noch nie vorgekommen, daß eine Gleichstellung vorgelegen hätte.
Immer war eine Land der "Vassall" des Anderen. Obwohl die Gefahr eines
sich rächenden Chinas gering erscheint, ist sie doch ein Thema in der japanischen
Gesellschaft. Es kann dabei nicht in Japans Interesse liegen, China die führende
Rolle in Asien zu überlassen und in den Schatten der Volksrepublik zu treten.
Diese Ängste treiben Japan dazu, die eigene militärische Macht auszubauen,
und sie werden über kurz oder lang zu Spannungen führen.
Für China auf der anderen Seite ist das wohl wichtigste Ziel,
langanhaltende, stabile und friedliche internationale Beziehungen in seinem
Umfeld aufzubauen. Dabei fallen die Beziehungen mit den Nachbarstaaten, insbesonders
mit Japan, stark ins Gewicht. Hintergrund dabei ist, daß China so seinen
internen Reformprozess ungehindert fortsetzen kann. Die freundschaftlichen und
engen Beziehungen spielen in Chinas außenpolitischer Perzeption eine gewichtige
Rolle. Deswegen wurde auch auf die Kriegsentschädigungszahlungen verzichtet
und auch Zugeständnisse, wenn auch eher zögerlich, in der Frage von
umstrittenen Gebieten gemacht. China hat dabei in Japan einen Staat gegenüber,
der sich gerne in einen normalen Staat verwandeln will, gleichzeitig aber nicht
bereit ist, sich seiner kriegerischen Vergangenheit zu stellen. Zudem hat Japan
auch ein wirtschaftlich sehr starkes Gewicht in der Region und damit Einfluß
auf China und baut seine politische Funktion ständig aus. Diese Faktoren
führen oft zu Besorgnis innerhalb der Volksrepublik(vgl.Lit.13).
Chinas Nukleartests führten immmer wieder dazu, daß
Japan seine Entwicklungszahlungen an die Volksrepublik suspendierte. Im selben
Zuge wurde auch immer Chinas undurchsichtiger Militärhaushalt kritisiert.
Japan hat China mehrmals um mehr Transparenz hinsichtlich seines Militärhaushalts
in Form eines Weißbuchs gebeten. China hat Japan immer vertröstet
und fährt auch heute noch mit seiner etwas undurchsichtigen Politik in
Bezug auf sein Militär fort. Dies verhindert eine Vertrauensbildung.
China tut im Moment das Nötigste was verlangt wird, um die
sonst sehr guten Beziehungen zu Japan aufrecht zu erhalten. Das bedeutet, daß
einmal im Jahr zum Austausch über militärische Angelegenheiten zusammengekommen
wird. Für mehr wird es wohl auch in naher Zukunft nicht reichen, da bei
beiden Ländern zu viel Mißtrauen und Rivalität das Verhalten
mitbestimmen.
| Ein Gemeinschaftsprojekt der Projektgruppe Model United Nations, LMU München, und INSIDE A - Asien Netzwerk AG |
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